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Coronavirus:Ja-Wort ohne Publikum

Vor dem alten Brucker Rathaus finden nach Trauungen momentan keine Feiern mehr statt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Standesamtliche Trauungen finden derzeit nur mit dem Beamten und den Trauzeugen statt

Hochzeiten und Desinfektionsmittel. Für das Standesamt Fürstenfeldbruck ist das seit einer Woche bereits bittere Realität. Obwohl das Standesamt noch nicht geschlossen habe - weil man dort auch für weitere Beurkundungen wie zum Beispiel Sterbefälle, Vaterschaftsanerkennungen und Geburtsurkunden zuständig ist - würden Hochzeitstermine nur noch über besondere Terminvereinbarungen stattfinden, erklärt die Standesbeamte Petra Oswald. Hochzeiten funktionierten nur noch im kleinen Kreis: "Das heißt, wir haben da eigentlich nur die Standesbeamten sowie das Brautpaar mit den Trauzeugen", so Oswald, "eventuell kommt noch ein Dolmetscher dazu". Nach der Trauung werde der Raum desinfiziert. Es gebe derzeit viele Anrufe verunsicherter Brautpaare, man sei aufgeregt, ob Hochzeiten in der Krise überhaupt stattfinden würden.

Die Leiterin des Standesamtes der Stadt Germering, Christiane Eschenweck, betont, man vereinbare keine neuen Termine. "Wir befinden uns hier in Wartestellung und können nur den heutigen Stand erklären. Was in zwei Wochen passiert, weiß keiner, wenn es hier wird wie in Italien müssen wir auch vorübergehend schließen." Für einen deutlicheren Überblick über die Lage warte man erst einmal bis Ostern ab.

In Olching gebe es in dieser Woche ohnehin nur zwei Hochzeitstermine, sagt Julia Henderichs, die Pressesprecherin der Stadt. Die Maximalanzahl von zehn Personen, die auch die Stadt Olching als Obergrenze für Hochzeitsgäste gesetzt hat, würde dabei nicht überschritten. Alle weiteren Termine fänden "sowieso erst nach April" statt, so die Pressesprecherin.

In Puchheim habe man sich genau wie in Bruck inzwischen darauf geeinigt, lediglich Standesbeamte, zwei Trauzeugen, die Eheleute sowie einen eventuell benötigten Dolmetscher bei der Trauung zuzulassen, sagt Martin Lehner, der Leiter des Ordnungs- und Standesamtes der Stadt. "Das heißt, auch der engste Familienkreis sowie Freunde müssen draußen bleiben", so Lehner. Bei Kindern gebe es Ausnahmen: "Das bringen wir natürlich nicht übers Herz, wenn wir weinende Kinder von der Tür lassen müssten." Seit den Ausgangsbeschränkungen, die am vergangenen Samstag begannen, wurden Brautpaare verständigt und gefragt, "ob sie ihren Termin noch in dieser Form wahrnehmen wollen", erklärt Lehner.

Organisatorische Probleme ergeben sich für Verlobte aber nicht beim Standesamtsbesuch. So erklärt eine Brucker Braut, man habe im Rahmen der Krise Schwierigkeiten, Eheringe beim Juwelier oder überhaupt ein Brautkleid im Brautmodengeschäft zu erwerben. Beide Geschäfte fallen unter die Einzelhandelsbereiche, die seit letzter Woche vorübergehend geschlossen wurden. Auch Restaurants könnten künftig erst einmal keine Feierlichkeiten ausrichten. Von den Feierlichkeiten vor dem Standesamt ganz zu schweigen: "Früher haben wir immer einen Tisch mit Sektgläsern für die Gäste oder einen Bistrotisch im Freien aufgestellt", sagt Martin Lehner, "das ist natürlich alles bis auf Weiteres nicht möglich."

Doch die Betroffenen bleiben standhaft. Die Hochzeit an sich absagen, das würden derzeit "eher wenige Leute", erklärt die Standesbeamte Petra Oswald. "Momentan melden sich bei uns wesentlich mehr Leute als sonst, die wollen ihre Sachen erledigt haben." Hochzeitstermine würden dementsprechend sogar vorverlegt. Für die Liebe bleibt wie immer alles nur eine Frage der Zeit.

© SZ vom 26.03.2020
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