bedeckt München

Corona-Politik:Großer Unmut über Lockdown

Vorsitzende des Wirtschaftsverbands Germering: Jürgen Andre und Katrin Schmidt

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Germeringer Geschäftsleute schreiben an Merkel und Söder

Von Andreas Ostermeier, Germering

Im Wirtschaftsverband Germering gibt es großen Unmut über die monatelange Schließung von Geschäften. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordern die Geschäftsleute verlässliche Öffnungsperspektiven, eine sofortige finanzielle Entlastung die Betriebe sowie einen Verzicht auf weitere Lockdown-Maßnahmen. Nach zwölf Monaten Pandemie sollte klar sein, dass das flächendeckende Schließen von Geschäften und Betrieben aus diversen Branchen "keine geeignete Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus sein kann", heißt es in dem von der CSU-Stadträtin und Buchhändlerin Katrin Schmidt und dem Unternehmer Jürgen Andre gezeichneten Schreiben.

Der Wirtschaftsverband kritisiert, dass es Bundes- und Landesregierungen bis heute nicht gelungen sei, zur Eindämmung des Virus andere Maßnahmen zu finden als Lockdown von Geschäften. Unternehmer würden zum "Spielball ergebnisloser Diskussionen" um Öffnungsstrategien und Lockerungen, heißt es weiter. Die Verfasser erinnern daran, dass hinter den Betrieben Menschen steckten, die in jahre- und jahrzehntelanger Arbeit ihre Unternehmen aufgebaut hätten. "All dies wird mit einem Strich für nicht systemrelevant erklärt", beklagen die Verfasser. Sie weisen zudem auf die finanzielle Notlage hin, in der sich viele Geschäftsleute befänden. Nach fast einem Vierteljahr Schließung hätten sie noch keine Hilfsgelder erhalten. Zudem erscheine die Auswahl der Branchen, die öffnen dürfen oder schließen müssen, rein willkürlich.

Die Regierenden fordert der Verband auf, auf weitere Lockdowns zu verzichten. Das würden viele Unternehmen nicht überleben, warnen die Verfasser, "denn viele stehen jetzt schon unverschuldet am Rande ihrer Existenz".

Ihre Unzufriedenheit mit den Geschäftsschließungen haben auch die Gewerbetreibenden in der Kreisstadt geäußert. Franz Höfelsauer, Vorsitzender des Ortsverbands des Bundes der Selbständigen und Kreisrat der CSU, sagte, er stimme den Forderungen zu 100 Prozent zu, die der Landesverband gestellt hat. Präsidentin Gabriele Sehorz hatte angemahnt, Hilfszahlungen für die Unternehmer sowie das Kurzarbeitergeld schneller auszuzahlen. Sie forderte zudem, Schnelltests freizugeben, damit mit den AHA-Regeln mehr Normalität möglich werden könne. Weiterhin warnt Sehorz vor einem Dauerlockdown, der zur "unwiederbringlichen Zerstörung" der Innenstädte führen würde. Stattdessen solle mit klugen Hygienekonzepten das Wirtschaften ermöglicht werden.

© SZ vom 27.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema