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Corona-Pandemie:Fürstenfeldbruck ist dunkelrot

Der Landkreis gehört zu den elf Gebieten in Bayern mit dem höchsten Infektionsgeschehen. Für Gaststätten bedeutet dies eine Sperrstunde um 21 Uhr, für Veranstaltungen eine Teilnehmerzahl von maximal 50

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Gäste und Gastronomen im Landkreis müssen sich auf eine Sperrstunde um 21 Uhr einstellen. Nach den Inzidenzzahlen des Landesamts für Gesundheit (LGL) liegt der Landkreis über dem Wert von 100 und damit im Bereich der neuen Ampelfarbe Dunkelrot. Außerdem gelten von diesem Samstag an weitere Einschränkungen für Veranstaltungen, auch im Sportbereich. Für Kinos und Theater gilt die Begrenzung allerdings nicht. Dort sind nur noch höchstens 50 Besucher zugelassen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi will vom Landratsamt wissen, wie viele Kinder und Jugendliche sich im Schulumfeld mit Corona angesteckt haben. Er verweist auf den Landkreis Dachau, in dem das sehr wenige sind verglichen mit der Zahl der positiv getesteten Einwohner.

Wer abends noch zum Essen gehen möchte, der muss sich sputen. Denn um 21 Uhr müssen die Wirte ihre Gaststätten und Lokale zusperren. So regelt das der Freistaat. Der hat der Corona-Ampel eine neue Farbe hinzugefügt. Dunkelrot steht für einen Inzidenzwert von 100 oder mehr. Diesen Wert hat der Landkreis nach Berechnung des Landesamts für Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit am Freitag erreicht. Das LGL gab am Freitag einen Inzidenzwert von 104,87 an. Damit gehört der Landkreis zu den elf Gebieten in Bayern mit den höchsten Ansteckungsraten. Neben Fürstenfeldbruck gehört auch die Stadt Augsburg zu diesem Kreis. Das Brucker Gesundheitsamt hat einen noch höheren Wert errechnet. Seinen Angaben nach steht der Landkreis bei einer Inzidenzzahl von 118,64. Für die Einordnung in die Listen des bayerischen Gesundheitsamts zählt aber der Wert des LGL - oder des Robert-Koch-Insituts. Dessen Wert - 76,1 - wurde allerdings nicht berücksichtigt. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte dazu, dass zur Grundlage für die Einordnung immer der höhere Wert verwendet werde. So sollen Meldeverzüge und Computerfehler ausgeschlossen werden.

Für Freitag nannte das Landratsamt 34 Neuinfizierte. Unter den neu gemeldeten Fällen befinden zwei Personen, die von Reisen zurückgekehrt sind, eine von ihnen hatte sich in einem Risikogebiet aufgehalten. Zudem ist eine Gruppe in einer Kindertagesstätte in Quarantäne geschickt worden, weil ein Corona-Fall bekannt geworden ist. In einer Asylbewerberunterkunft in Eichenau wurden vier Bewohner positiv getestet. Die gesamte Unterkunft musste unter Quarantäne gestellt werden, da die Kontakte der Bewohner untereinander nicht mehr nachvollziehbar sind. Seit Beginn der Pandemie haben sich 1917 Einwohner des Landkreises mit dem Coronavirus angesteckt.

Was die Schulen betrifft, gibt es keine weiteren Einschränkungen. Es bleibt bei Maskenpflicht im Klassenzimmer und beim Wechselunterricht. Das will der SPD-Politiker Schrodi unhinterfragt aber nicht weiterhin akzeptieren. Zahlen des Landkreises Dachau hätten gezeigt, dass es im Schulumfeld nur sehr wenige Ansteckungen gebe, sagte der Olchinger Bundestagsabgeordnete am Freitag. Von Landrat Thomas Karmasin (CSU) will er nun wissen, wie die Infektionszahlen in den Schulen im Landkreis Fürstenfeldbruck aussehen. Auf Grundlage dieser Zahlen möchte Schrodi über die bisher getroffenen Maßnahmen an den Schulen diskutieren und überlegen, ob sie weiterhin notwendig sind. Denn Einschränkungen des Rechts auf Bildung in der Schule im Präsenzunterricht sollten sehr gut begründet sein, sagt Schrodi.

© SZ vom 24.10.2020
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