SZ-Serie: Cafés im Landkreis Fürstenfeldbruck:Nepalesisch mit Weißwurst

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Himalaya-Toast gefüllt mit gewürzten Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Käse - eine überraschende Frühstückskreation. (Foto: Jana Islinger)

Vom Himalaya nach Germering: Mit dem eigenen Betrieb erfüllt sich Familie Gurung einen Traum. In ihrem Coffee Momo kann man ebenso gut hip frühstücken wie traditionell.

Von Ingrid Hügenell, Germering

Nepalesisch frühstücken – das kann man nur selten, nicht einmal in Nepal selbst. „Eigentlich frühstückt man dort nicht, jedenfalls nicht mit Brot und Kaffee“, sagt Roshi Gurung und lacht. Wenn überhaupt, werde meist Reis gegessen und dazu Tee getrunken, erklärt die 29-Jährige. Sie wurde in Nepal geboren und kam mit ihren Eltern vor 22 Jahren nach Germering. Kartoffeln aber würden in dem Land am Himalaya fast zu jeder Mahlzeit gegessen. Die Menschen kultivieren die Knollen selbst, auch ihre Großmutter habe sie im Garten, erzählt die junge Frau.

Himalaya Chai - das Getränk zum Kartoffel-Sandwich. (Foto: Jana Islinger)

Und so kann man im Coffee Momo in Germering einen Himalaya-Toast frühstücken – ein getoastetes Sandwich, gefüllt mit einer Masse aus gegarten Kartoffeln, Karotten Zwiebeln, Käse und nepalesischen Gewürzen. Die überraschende Kreation schmeckt cremig und knusprig, würzig und sogar ein wenig süß. Dazu gibt es Himalaya Chai – süßen Schwarztee mit Milch und Gewürzen.

Polsterbänke und Holzstühle, weiche Grautöne, an der Decke ein Lichtflügel aus vielen leuchtenden Spots so sitzt man reduziert und modern, aber nicht kühl. 62 Sitzplätze gibt es drinnen, nochmal 54 im grünen Außenbereich.

Mit dem Lokal haben sich Vater Prithvi Gurung, 52, und seine Frau Roshni, 48, einen Traum erfüllt. Der Papa habe mehr als 20 Jahre in Restaurants gearbeitet, in italienischen und auch deutschen. Als er in der Unteren Bahnhofstraße in Germering ein leerstehendes Lokal entdeckte, habe die Familie ziemlich spontan beschlossen, ein Café mit Restaurant zu eröffnen. So erzählen es Roshi und Tai Vu, ihr Freund, dessen Eltern aus Vietnam stammen. Die beiden jungen Leute hatten eigentlich einen Beruf – als Hip-Hop-Tänzer waren sie in München freiberuflich tätig, wurden für Events und Workshops gebucht.

Das Coffee Momo in Germering ist ein Familienbetrieb mit Roshni und Roshi Gurung (von links) Tai Vu, Prithvi und Romeo Gurung. Vater Prithvi und Tochter Roshi sind gemeinsam Inhaber des nepalesischen Restaurants. (Foto: Jana Islinger)

Doch jetzt packten alle mit an, auch Bruder Romeo, 22. Vor gut einem Jahr eröffnete das Coffee Momo, das nicht nur ein Café, sondern ein richtiges Restaurant ist. Ende März dieses Jahres vergrößerten sie bereits – der benachbarte Blumenladen hatte geschlossen.

Aber um beim Frühstück zu bleiben: Natürlich kann man dazu Kaffee in vielen Variationen bestellen, auch wenn die Gurungs und Tai Vu selbst keinen trinken. Er schmeckt ihnen einfach nicht. Dennoch haben Roshi und Tai einen Barista-Kurs absolviert, mit vielen Bohnen experimentiert, zwei Mühlen und zwei Siebträgermaschinen angeschafft. Dass der Kaffee, selbst der Espresso, inzwischen richtig gut schmeckt, hätten Gäste und Freunde bestätigt, die sie immer wieder probieren ließen. Wer zum Kaffee Hafer- oder Sojamilch bevorzugt, muss einen kleinen Aufpreis bezahlen.

Warmes Grau und Holz geben dem Coffee Momo eine harmonische Atmosphäre. (Foto: Jana Islinger)

Neben dem Himalaya-Sandwich gibt es auf einer „klassischen“ Frühstückskarte viel Auswahl – Wellness, Gourmet und Landhaus heißen die Kreationen, zu denen oft Avocado, Obst, Gemüse oder auch hausgemachtes Birchermüsli gehören. Lachs-Avocado-Tartar steht ebenso auf der Karte wie ein Pancake-Tower mit hausgemachten amerikanischen Pfannkuchen und Beeren. Das bayerische Frühstück mit Weißwürsten zeugt davon, dass Prithvi Gurung aus seiner Zeit in der deutschen Gastronomie viel mitgenommen hat. Besonders beliebt bei den Gästen sind die üppig belegten Bagels. Selbst gebackene Kuchen – ganz klassische Sorten – befriedigen süße Gelüste.

Recht neu auf der Karte stehen auch Korean Egg Drops: Sandwiches – geröstetes, aufgeschnittenes Brioche-Brot, gefüllt mit sehr weichem Rührei und Cheddar-Käse, wahlweise mit Avocado, Frühstücksspeck oder scharfer Wurst – ein Frühstückstrend für hippe Leute.

Angesagtes Trend-Frühstück: Korean Egg Drop Sandwich mit Avocado (Foto: Jana Islinger)

Roshi Gurung und Tai Vu experimentieren gerne. Sie lassen sich dabei nicht nur von Reisen nach Berlin, sondern auch in den sozialen Medien inspirieren. Und weil Prithvi Gurung auch in italienischen Lokalen Koch war, dürfen klassische Pasta und hausgemachte Gnocchi nicht fehlen. Selbst die Buddha Bowl hat es auf die Speisekarte geschafft.

Richtig nepalesisch wird es bei den Hauptgerichten schließlich doch noch, und das ist eine Besonderheit nicht nur im Landkreis, sondern im gesamten Münchner Raum. Auf der Speisekarte findet sich eine Auswahl an Momos – den nepalesischen und tibetischen Teigtaschen, die dem Lokal den Namen gaben. Die bereitet Mutter Roshni zu, vegan oder gefüllt mit Hühner- oder Schweinefleisch. Sie werden mit hausgemachtem Tomatenchutney serviert, auf Wunsch extrascharf. Und auch Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht, darf nicht fehlen.

Eine Tasse Cappuccino gibt es für 3,90 Euro (klein) oder 4,70 Euro (groß). Hafer- oder Sojamilch kosten 50 Cent Aufpreis. Das Croissant kostet 3,20 Euro, ein Stück Kuchen 3,90 bis 4,50 Euro. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 21 Uhr. Reservierungen (empfohlen) unter Telefon 089/54 315 999. Germering, Untere Bahnhofstraße 29a.

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