SZ-Serie: Cafés im Landkreis Fürstenfeldbruck:Wo Pendler ihre Butterbrezen holen

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Auch vor dem Café Dafner ist Kaffeetrinken möglich. (Foto: Jana Islinger)

Das kleine Café Dafner in Maisach hat sieben Tage die Woche geöffnet, sperrt wochentags schon um halb sechs Uhr morgens auf und serviert ganz individuell.

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Wer in Maisach zwischen Montag und Freitag früh auf den Beinen ist und entweder als Pendler zur S-Bahn eilt oder auf der morgendlichen Laufrunde ist, der ist an jedem dieser Tage seiner Fünf-Tage-Woche froh, dass die Dafners pünktlich um 5.30 Uhr ihr Café an der Bahnhofstraße aufsperren. Spätestens dann duftet alles nach eben erst gebackenen Brezen aus dem eigenen Ofen und frischen Semmeln und Broten von der Bäckerei Drexler. Und nach den Kaffeespezialitäten aus der großen Maschine, die bis abends nicht mehr aufhören wird, Kaffee, Cappuccino und Milchkaffee in Tassen und Haferl zu füllen.

"Zwischen 5.30 und 7 Uhr machen wir 20 Prozent unseres Tagesgeschäfts", sagt Klaus Dafner, der den Laden seit 2011 zusammen mit seiner Frau Judith und nun auch mit Sohn Tobias führt. Zwischen 8 und 9 Uhr kommen die Schülerinnen und Schüler, um sich für die Pause einzudecken, und um die Mittagszeit sind es die Handwerker, die sich eine Brotzeit schmecken lassen. Unter der Woche treffen sich dort die Maisacher, die sich Zeit nehmen, weil sie sie haben. Da sitzen etwa vier ältere Damen beieinander und diskutieren die Ergebnisse der Bundesliga vom vergangenen Wochenende und spekulieren über Trainerentlassungen angesichts verlorener Spiele. Auch Kommunalpolitisches kommt zur Sprache und wie immer auch "der Habeck". Den haben anderntags auch ein paar Männer bei ihrem Frühschoppen in der Reißen. Im Café Dafner ist der richtige Platz für ausführliche Kontroversen.

Die Tische füllen sich je nach Tageszeit mehr oder weniger, meistens sind einige der 14 Plätze drinnen frei. An den Wochenenden kann es aber schon mal eng werden, da gebe es zwischen 8 und 10 Uhr einen "Run", wie sich Klaus Dafner ausdrückt. Und zwar samstags wie sonntags, denn das Café hat sieben Tage die Woche offen.

Familienbetrieb: Tobias, Klaus und Judith Dafner (von links). (Foto: Jana Islinger)

Wer nach einer Frühstückskarte fragt, wird zwar wie stets eine freundliche Antwort, aber keine Karte bekommen. Die Dafners stellen nichts zusammen, sie machen keine Komplettangebote. Jeder Gast darf seine Frühstückswünsche äußern. "Jedes Frühstück wird frisch und individuell zubereitet", erklärt Klaus Dafner. Was bestellt wird, werde auch aufgegessen.

Gefragt sind etwa belegte Semmeln. Für zwei Personen, Kaffee inklusive, verlangt er zwölf Euro. "Wir achten auf gesunde Zutaten", sagt er, und dass der 71-Jährige die kompetent auswählen kann, darf man aus seinem Lebenslauf schließen. Dafner ist gelernter Kaufmann, und von den 37 Jahren bei der Firma Tengelmann war er 25 Jahre Filialleiter. Er hat die Läden in Gröbenzell, Olching und Germering geführt und im Jahr 1975 die ersten frisch gebackenen Brote im Supermarkt angeboten.

Der Olchinger Bäcker Rackl hat ihn seinerzeit beliefert, und Dafner gab bei einem Schreiner einen rustikalen hölzernen Verkaufsstand in Auftrag, um die neuen Produkte ordentlich anbieten zu können. 50 Jahre später ist frisches Brot, ob als Laib oder in Scheiben geschnitten, in Discountern und Supermärkte ein Standardprodukt, und in fast allen Läden stehen auch Backautomaten, um die Kunden den ganzen Tag über mit frisch gebackenem Kleingebäck zu versorgen. Auch Dafner backt von der Früh bis zum späten Nachmittag Brezen. Diese TK-Ware kauft er zwar nicht beim Bäcker Drexler, dafür aber alle anderen Sorten und die vielen verschiedenen Kuchen und Gebäcke, die in der Handwerksbäckerei in Jesenwang entstehen.

Croissants, Plundergebäck und Kuchen gehören zum Sortiment im Café Dafner. (Foto: Jana Islinger)

Die Bäckerei lieferte ihm vor einigen Jahren eine ganz besondere Torte. Sie sollte auf der Theke stehend, für den Kuchenkauf am Muttertag werben. Dafner erinnert sich und kann noch heute schmunzeln, wie das Ausstellungsstück dann verschwand. Zu der Zeit hatte er einen Auszubildenden, der die Drexlersche "Muttertagstorte" tatsächlich verkaufte. Freilich musste das gute Stück wieder zurückgeholt werden, bestand das täuschend echte Exemplar doch nur aus Styropor.

Als Dafner mit 58 Jahren den Supermärkten den Rücken kehrte, bot sich dem gebürtigen Geiselbullacher in Maisach eine neue berufliche Chance. 2011 übernahm er die Maisacher Filiale von Müller-Brot und führte sie zwei Jahre, bis nebenan das Schreibwarengeschäft schloss und sich die Möglichkeit zur Erweiterung bot. So entstand das Café mit seinen 14 Innensitzplätzen und zwei Tischen draußen am Gehsteig. Die Dafners konnten nun den Maisachern einen neuen Treffpunkt anbieten, und das bis zu zehn Stunden am Tag. Die Kundschaft kommt aus allen Maisacher Generationen, die einen eilen nach dem Einkauf weiter, die anderen bleiben als Gäste der Familie Dafner auch mal länger im Café an der Bahnhofstraße sitzen.

Café Dafner, Bahnhofstraße 16, Maisach, geöffnet Montag bis Freitag 5.30 bis 17.30 Uhr, Samstag 5.30 bis 12.30 Uhr, Sonntag 7.30 bis 15.30 Uhr. Tasse/Haferl Kaffee 1,60/2,20 Euro; Cappuccino 2,50 Euro; Stück Kuchen 2,80 Euro; Breze 0,80 und Semmel 0,50 Euro.

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