„Der Zustand ist beschämend“: In diesen knappen Satz packt Oliver Lange, Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), seine Sicht auf den Busbahnhof von Fürstenfeldbruck. Die Verbindungen zwischen Bus und Bahn seien schlecht beschildert und unübersichtlich, sagt er bei einem Lokaltermin, Fahrgäste liefen kreuz und quer auf der Straße. Dabei werde die Station immerhin von 13 Buslinien und täglich von mehr als 11 000 Fahrgästen genutzt. Lange hofft, dass Landkreis und Stadt einsichtig sind und die Mängel beseitigen. Für künftige Planungen würden Verbesserungen, optimierte Wegeführungen, aktuelle Richtlinien oder komplett neue Gestaltungsmöglichkeiten berücksichtigt, sagt eine Pressesprecherin der Stadt.
Für den Busverkehr, den der VCD-Vorsitzende lobt, ist der Landkreis zuständig, für die Busstation die Stadt. Lange würdigt, dass es in Fürstenfeldbruck überhaupt eine Station gibt, während sich Starnberg „mit ein paar Schildern“ begnüge. Der zentrale Busbahnhof in Bruck wurde zwischen Juni und November 2001 für rund 4,3 Millionen Euro gebaut. Er sei „der zentrale Punkt im System des Landkreises, ein Knotenpunkt für Umstiege“, sagt Monika Beirer von der ÖPNV-Stabsstelle im Landratsamt.

Zu den Defiziten gehört, dass die Plattformen des Busbahnhofes zwar von 1 bis 7 durchnummeriert, aber die dünnen schwarzen Ziffern auf lindgrünen Betonwänden kaum zu erkennen sind. Plattform 1 ist zudem in die Abschnitte A, B, C und D unterteilt, diese Buchstaben tauchen überhaupt nicht auf den Wänden auf. Brächte man Ziffern und Buchstaben mit dicken roten Pinselstrichen an, würde die Orientierung um einiges erleichtert. Die Ziffern könnten nach einer Reinigung aufgefrischt werden, dass die Buchstaben fehlen, sei bisher nicht bekannt, heißt es seitens der Stadt. Auf der Westseite von Plattform 1 steht eine elektronische Anzeigetafel, die seit Kurzem von beiden Seiten einzusehen ist, allerdings funktioniert der neue Screen für die eine Seite gerade oder noch nicht.
Viel schwieriger dürfte es werden, den Autoverkehr zu stoppen. Im Abschnitt zwischen der Oskar-von-Miller- und der Münchner Straße können Fahrzeuge bislang in beiden Richtungen auf der Bahnhofstraße fahren, auf der die Fahrgäste kreuzen, um vom Bahnhof zur Busstation und umgekehrt zu gelangen. Einen Zebrastreifen gibt es nur direkt vor dem Stationsgebäude – und der führt nicht direkt zu den Plattformen der Busse. Halten Autos auf der Nordseite am Gehsteig, flitzen die Passagiere zwischen abgestellten Bussen hindurch auf die Straße, was gefährlich ist. Die Maßnahme sei im Verkehrsentwicklungsplan enthalten, „aber noch nicht zeitlich priorisiert“, sagt die Pressesprecherin der Stadt. Man setze auf eine „langfristig sinnvolle und stimmige Verkehrsführung“.

Der VCD würde, wie Lange erklärt, die Durchfahrt für Privatfahrzeuge komplett sperren – zumal die Verbindung von etlichen Autofahrern als Ausweichstrecke genutzt wird, wenn es sich auf der Oskar-von-Miller-Straße staut. Nur Busse und Taxis dürften dann noch fahren. Die Zufahrt im Westen sollte an einem Wendehammer enden, der zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem Busbahnhof eingebaut werden könnte, sagt der Kreisvorsitzende. Mitarbeiter und Lieferanten der Unternehmen auf der östlichen Seite könnten direkt von der Münchner Straße zufahren.
Lange kritisiert außerdem, dass es keine Informationen am Bahnhof zum Busverkehr und an der Busstation keine zum Zugverkehr gibt. Ein Leitsystem für Passagiere fehle obendrein. „Das ist alles nicht sehr übersichtlich“, moniert er. Die Kommune will prüfen, ob zeitnahe Verbesserungen sinnvoll sind oder auf künftige Umbauten gewartet werden soll.

Der Bordstein am Plattform 1 ist nur an den beiden Enden abgesenkt, an den übrigen sechs Plattformen sogar nur auf der Nordseite, die den Zügen abgewandt sind. Das sei schlecht für Menschen mit Rollatoren, Rollstühlen, Kinderwagen oder schwerem Gepäck, ebenso wie das Kopfsteinpflaster, das für die Rampen verwendet wurde, sagt Lange. Das Defizit sei bekannt, man werde bei künftigen Umbauten eine barrierefreie Planung berücksichtigen, verspricht die Sprecherin der Stadt. Sie weist darauf hin, dass beim Umbau der Ausstiegsbushaltestelle unlängst Leitelemente für Blinde eingebaut wurden.
Nach Einschätzung des VCD-Kreisvorsitzenden wird die Anlage überdies nicht gründlich gereinigt. Er verweist auf Dreck und Ablagerungen von Spinnweben an den Leuchten der Wände. „Ein bisschen frische Farbe täte gut“, sagt er. Schließlich kritisierte Lange, dass die Dächer des Busbahnhofes so hoch angebracht und konstruiert seien, dass sie den Passagieren wenig Schutz vor Sonne und Regen böten. Dem ließe sich abhelfen, indem man einige Blenden montiere.

Bereits Ende 2001 hatten einige Fahrgäste gerügt, dass man auf dem damals nagelneuen Busbahnhof Wind und Wetter ausgesetzt sei. Der Architekt antwortete damals, es handele sich nicht um eine Wärmestube. Der VCD ist zuversichtlich, dass die Verantwortlichen jetzt handeln werden. „Es kostet nicht viel, unsere Vorschläge umzusetzen“, schätzt Lange. Die Stadt will prüfen, ob solche Blenden möglich sind.
Der Lokaltermin am Brucker Busbahnhof ist Teil einer Aktion ÖPNV-Check des VCD, der die Interessen aller Verkehrsteilnehmer und eine Verkehrswende vertritt. Bis 31. Oktober können alle Fahrgäste Mängel bei Bus und Bahn unter der E-Mail-Adresse mitmachen@vcd-ffb-sta.de melden. Der VCD werde die Ergebnisse sammeln, aufbereiten und an Stadt und Landkreis weitergeben, verspricht Lange.

