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Bundeswehr:Kommandeur des Übergangs

Brigadegeneral Stefan Scheibl soll als neuer Chef der Offizierschule der Luftwaffe bis Oktober 2023 den Umzug der Ausbildungsstätte von Fürstenfeldbruck nach Roth begleiten

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

Über der rechten Brusttasche seines blauen Uniformhemds prangt die eine kleine Spange. Es gibt dieses Tätigkeitsabzeichen bei der Bundeswehr in drei Stufen: Bronze, Silber und Gold. Stefan Scheibl trägt das goldene Abzeichen, und jeder Soldat im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck sollte wissen, was es bedeutet. Mindestens zehn Jahre muss ein Pilot schon geflogen sein, 1800 Stunden mindestens. Scheibl, 57, hat 2100 Stunden in Cockpits von Alpha-Jets und Tornados gesessen, war bei Einsätzen der Bundeswehr im Balkankrieg und in Afghanistan dabei, war Kommodore eines Jagdbombergeschwaders, hatte verschiedene Posten im Bundesverteidigungsministerium inne, hat als Referatsleiter dort Friedens- und Ausbildungsmissionen im Mittelmeerraum und Afrika mitgeplant und war die vergangenen beiden Jahre in England stellvertretender Direktor der "European Air Group", in der die Luftstreitkräfte aus sieben europäischen Staaten kooperieren. Seit wenigen Wochen ist der Luftwaffenoffizier im Range eines Brigadegenerals nun Kommandeur der Offizierschule der Luftwaffe, in der 1983 seine Karriere als Offizier begann. Und er ist der erste Kommandeur seit April 2005, der Pilotenerfahrung hat.

Scheibl, gebürtiger Oberpfälzer, könnte der letzte Kommandeur der Schule in Fürstenfeldbruck sein, denn sein Auftrag lautet unter anderem, den Umzug der Ausbildungsstätte ins fränkische Roth zu begleiten. Im August hat er Brigadegeneral Michael Traut abgelöst, der nun an einem Lehrgang im Royal College of Defence Studies in London teilnimmt. Bis voraussichtlich Oktober 2023 wird Stefan Scheibl in Bruck bleiben, dann soll der Lehrbetrieb im neuen Hörsaal in Roth beginnen. Ende 2026, so ist der Plan, sollen die letzten Bundeswehreinheiten den Standort verlassen haben und das Gelände im Anschluss zivil genutzt werden.

Stefan Scheibl (Mitte) verabschiedet die Offizieranwärter, für die sein Vorgänger Michael Traut zuständig war. Die Soldatinnen und Soldaten sind mit dem in Corona-Zeiten angemessenen Abstand zueinander angetreten.

(Foto: Eduard Wagner/ Offizierschule der Luftwaffe)

Es ist noch nicht allzu lange her, dass Scheibl in dem Gebäude, in dem er heute seinen Kommandeursschreibtisch stehen hat, Stellvertreter des damaligen Schulkommandeurs war. Von 2009 bis 2012 hatte er im Range eines Oberst als Kommandeur das Jagdbombergeschwader 32 in Lagerlechfeld geführt - und in der Umsetzung des Stationierungskonzepts auflösen müssen. Anschließend kam er für zwei Jahre an die Offizierschule der Luftwaffe. Da wohnte er schon mit seiner Familie - Frau und drei Kinder - in der Nähe von Bruck, hatte nicht weit zum Lechfeld und zum Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, wo seit 2003 kein militärischer Flugbetrieb mehr stattfand. "Als Offizier kommt man sein ganzes Leben hierher", sagt Scheibl über Bruck und die Schule, selbst Ehemalige wie Soldaten im aktiven Dienst, treffen sich gerne dort. Der Geist - oder, wie es die Offiziere ausdrücken: spirit - verbinde. Lebenslange Freundschaften könnten entstehen, weiß Scheibl aus eigenem Erleben. Diesen Spirit den jungen männlichen und weiblichen Offizieranwärtern zu vermitteln, ihnen zu zeigen, was es bedeutet, der Luftwaffe in führender Position anzugehören, das solle die Schule leisten, meint deren Chef.

Scheibl hat sich nach dem Abitur 1983 entschlossen, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Ganz gegen der Familientradition, bei der Eisenbahn zu arbeiten. "Es gab berufliche Chancen, und die Fliegerei war auch interessant", erinnert sich Scheibl an seine Jugendzeit. Dass Soldaten häufig ihre Standorte wechseln, die Familien umziehen und die Kinder die Schule wechseln müssen, war ihm klar. Sein Lebenslauf spiegelt wider, wo auf der Welt er schon überall ausgebildet wurde, Dienst tat oder selbst ausbildete. Immer wieder führten auch die Wege nach Fürstenfeldbruck.

Von der Terrasse seines Büros überblickt Brigadegeneral Stefan Scheibl die Offizierschule der Luftwaffe und den Park, der dort in den vergangenen Jahrzehnten angelegt wurde.

(Foto: Camren Voxbrunner)

Als Kommandeur dort muss Stefan Scheibl nicht unterrichten, aber er werde sich ab und zu in den Hörsaal setzen und zuhören und das ein oder andere Wort an die Offizieranwärter richten. Die, die ihm da gegenübersitzen, werden alle das gleiche Ziel haben: "Ich will" lautet das Motto der Schule. Sie alle wollen also Führungskräfte werden. Ein gutes Beispiel eines Offiziers der Bundeswehr werden die angehenden Offiziere so unter sich haben und dessen Leistungen unter anderem auch an einer kleinen goldenen Spange erkennen.

© SZ vom 26.09.2020

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