Bundestagswahl:Lokalrunde

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Stimmabgabe im Wahllokal der Grundschule Graßlfing (Foto: LEONHARD SIMON)

Der Wahltag ist zu Ende, jetzt wird ausgezählt. Doch was ist passiert, während die Stimmen abgegeben wurden? Beobachtungen am Wahlsonntag

Von Johanna Haas, Fürstenfeldbruck

"Wenn man's kann, muss man's auch machen und nicht rumnörgeln." Der 23-Jährige Puchheimer Thomas Hillenbrand ist an diesem Sonntag im Wahlbezirk eins unterwegs, um seine Stimme für die Bundestagswahl abzugeben. Hillenbrand ist Mitglied bei der Puchheimer CSU und im Kreisverband der Jungen Union - er sieht das Wahlrecht als Privileg: "In vielen anderen Ländern können die Menschen nicht wählen gehen. Hier schon. Also geht unbedingt wählen", betont Hillenbrand.

Ein Erstwähler erinnert an die Revolution von 1848

So sieht das auch Pascal E., der in die Puchheimer Realschule gekommen ist, um seine Stimme abzugeben. Weil es seine erste Bundestagswahl ist, nimmt er die Rolle als Wähler sehr ernst. "Ich habe mir im Vorfeld die Wahlprogramme aller im Bundestag vertretenen Parteien durchgelesen", sagt der 21-Jährige. Für ihn sei es selbstverständlich, dass man von seinem Wahlrecht Gebrauch macht: "1848 sind Menschen gestorben, um sich ihr Wahlrecht zu erkämpfen - ich habe das Recht und deswegen nutze ich es auch." Wer sich gegen die Wahl entscheide, kann laut Pascal keinen Einfluss nehmen, dabei würde doch jede Stimme zählen.

Also betritt er den Neubau der Realschule und geht vorbei an Sabrina und Tobias Mahn. Das Ehepaar ist im Auftrag des ZDF unterwegs und befragt Wählerinnen und Wähler. Die gesammelten Daten dienen als Basis für die Prognosen um 18 Uhr. Jedem dritten Wähler wird ein blaues Klemmbrett in die Hand gedrückt. Doch nicht jeder möchte an der Umfrage teilnehmen. "Gerade ältere Menschen verstehen nicht, dass das anonym ist. Die denken, dass sie unter Angabe ihres Namens schreiben müssen, wen sie gewählt haben", erklärt Tobias Mahn.

Wenn sie gerade keine Umfragezettel austeilen, erklären sie den Menschen, in welchem Abstimmungsraum sie ihren Stimmen abgeben können. "Wahlbezirk zwölf?", fragt ein Mann. "Ja einfach geradeaus in die Tür", antwortet Tobias Mahn. "Weil wir direkt neben dem Eingang sitzen, denken alle, wir arbeiten hier. Aber wir schlagen uns ganz gut als Wegweiser oder?", witzelt Sabrina Mahn. Für die beiden ist das nichts Neues, denn sie machen das schon zum achten Mal. Doch diesmal sei nicht so viel los, denn es gebe viele Briefwähler: "Es gibt hier 949 Wahlberechtigte, und 491 davon haben die Briefwahl beantragt", sagt Mahn.

Eine hohe Briefwahlbeteiligung wird erwartet

Dass die Briefwahlbeteiligung so hoch ist, fällt auch Rechtsamtsleiter Christian Kieser auf. Er schaut kurz in der Jahnhalle in Fürstenfeldbruck vorbei und begrüßt Wahlvorstand und Stadträtin Katrin Geißler. "Wir haben in diesem Jahr etwa 50 Prozent, die Briefwahl beantragt haben. In der Innenstadt sind es natürlich auch mehr. Nach außen hin nimmt es allerdings ab. Puch und Aich haben die wenigsten Briefwähler", betont Kieser.

In Moorenweis ist die Briefwahlbeteiligung sogar so hoch, dass in mindestens zwei Gemeindeteilen erwartet werde, dass höchstens 50 Wählerinnen und Wähler in das Wahllokal kommen. Damit könne die Auszählung dort wohl nicht stattfinden - weil die Wahl dann als "nicht geheim" gelten würde. Die Urnen müsse man laut Wahlvorsteher und Bürgermeister Josef Schäffler (CSU) dann versiegeln und in ein anderes Wahllokal bringen. Auch in anderen Gemeinden, wie etwa in Althegnenberg, ist die Wahlbeteiligung hoch. Laut Wahlvorstand und Bürgermeister Rainer Spicker ist die Wahlbeteiligung in diesem Jahr mit etwas über 70 Prozent höher als bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr.

Masken für die Wähler, die ihre vergessen haben

In der Jahnhalle in Fürstenfeldbruck steht Stadträtin Geißler ganz links an einer Urne. Sie sorgt dafür, dass alle Stimmzettel ordnungsgemäß in die Urne geworfen werden. Bis jetzt sei auch alles super gelaufen. "Alle sind absolut freundlich und ruhig", betont Geißler.

Damit das Team weiß, wie sie mit Corona-Leugnern oder Masken-Verweigerern umzugehen hat, wurden im Vorfeld alle ehrenamtlichen Wahlhelfer geschult. "Wenn jemand kommt, der keine Maske trägt, dann bitten wir ihn natürlich erst einmal freundlich darum. Wir haben auch Masken da, falls sie jemand vergessen hat. Wenn sie aber keine aufziehen wollen, dann müssen sie warten, bis weniger los ist und können dann auch unter Einhaltung der Abstände wählen", erklärt die Stadträtin. Trotzdem würden die Personalien aufgenommen und die Person gemeldet werden. Auch Olchinger SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi hat keine Bedenken: "Ich glaube, Leugner gehen eher nicht zum Wählen. Ich mache mir da keine Sorgen." Schrodi kommt am Vormittag mit dem Fahrrad an der Graßlfinger Grundschule in Olching an. Zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern betritt er die Turnhalle der Schule. Seine Kinder dürfen heute dabei zusehen, wie man wählt. Und wie war es? "Ich bin dafür, dass man schon ab neun Jahren wählen darf", strahlt Sohn Oskar seinem Vater entgegen. Die Familie will den restlichen Sonntag noch mit Freunden und Verwandten bei Kaffee und und Kuchen verbringen - denn so gute Wochen müsse man feiern. "Ich bin heute echt glücklich. Die letztes drei Monate liefen so gut. Jetzt sind wir bei den Umfragen im Landkreis sogar auf Platz eins", sagt der Familienvater.

Puchheims Bürgermeister radelt die Wahllokale ab

Thomas Hillenbrand von der Jungen Union ist sich sicher: "Das wird heute Abend echt eng werden. Ich glaube, es entscheidet sich zwischen SPD und CDU/CSU." Auch Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) glaubt, dass es knapp werde. "Hier fiebern echt alle mit. Ich glaube, es sind plus minus zwei Prozent, die heute entscheiden", so Seidl. Der Bürgermeister fährt auf seinem Radl durch die Gemeinde und hält an den verschiedenen Wahllokalen. "Die meisten Wähler sind über 65 Jahre alt. Das sind aber auch die, die am treusten wählen", erzählt Seidl. Wähler Lorenzen glaubt: "Das ist sicherlich noch eine offene Sache und wird spannend."

So ruhig wie in Puchheim, Olching und Fürstenfeldbruck war es jedoch nicht überall. In Althegnenberg berichtet Rainer Spicker - er gehört der Wählergemeinschaft "Bürgerinitiative" an, dass über Nacht überall am und im Wahllokal im Sportheim - auf Türen, Fenstern und Böden - Aufkleber vom Volksbegehren zur Absetzung des Landtags angebracht worden seien. Auch Aufkleber mit "Söder muss weg" seien gefunden worden. Am Samstagabend habe dort eine Feier stattgefunden, berichtet der Bürgermeister, deshalb sei das Gebäude offen gewesen. "Heute morgen hat man die Sticker dann entfernt", so Spicker. Die Polizei wurde laut Spicker allerdings nicht eingeschaltet.

© SZ vom 27.09.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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