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Bundestagswahl 2021:Kür im Stadion

Die SPD-Kreisverbände von Dachau und Fürstenfeldbruck nominieren Michael Schrodi zum Bundestagskandidaten. Der 41-Jährige teilt vor allem gegen die AfD aus und plädiert für eine erneute Regierungsbeteiligung seiner Partei

Von Horst Kramer, Dachau/Fürstenfeldbruck

Michael Schrodi kennt die Stadion-Atmosphäre. Jahrelang hat er für den SC Fürstenfeldbruck und den FC Pipinsried im höherklassigen Amateurbereich Fußball gespielt. Jetzt, an diesem sonnigen Samstagvormittag, steht 41-Jährige, der seit 2017 für die SPD im Bundestag sitzt, am Spielfeldrand des Sepp-Helfer-Stadions auf dem Gelände des ASV Dachau und spricht in ein Mikrofon. Hinter ihm liegt der grüne Rasen, vor ihm und in großem Abstand hocken rund 50 SPD-Delegierte auf der Tribüne, die ihm während seiner Rede öfter zujubeln. "Das ist hier wie ein Heimspiel für mich", sagt Schrodi.

Es ist eine bemerkenswerte Nominierungsveranstaltung der SPD-Kreisverbände Dachau und Fürstenfeldbruck. Die Corona-Pandemie hat die Sozialdemokraten dazu gezwungen, ihren Bundestagskandidaten für die Wahl im kommenden Jahr unter freiem Himmel zu küren. Ein Glücksgriff. Mit Blick auf den strahlend blauen Himmel und die spätsommerlichen Temperaturen dieses Novembertages eröffnet die Dachauer Stadträtin Sophie Kyriakidou die Versammlung mit den Worten: "Wenn das kein gutes Zeichen ist!" Die Delegierten sitzen auf den Zuschauerrängen des Stadions, tragen Mund-Nasen-Schutz und halten Abstand. Unten auf der Tartanbahn erklärt der Olchinger Michael Schrodi seine Bereitschaft, im kommenden Jahr erneut im Bundeswahlkreis 215 Dachau/Fürstenfeldbruck für die SPD antreten zu wollen. Und die Genossen schenken ihm ihr Vertrauen: Mit 98 Prozent wählen sie Schrodi zum Bundestagskandidaten.

SPD Nominierung

Michael Schrodi sitzt seit 2017 für die SPD im Bundestag.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bei der Bundestagswahl 2017 rangierte Schrodi auf Platz 17 und schaffte es über ein Ausgleichsmandat in den Bundestag. Seitdem vertritt er die SPD-Fraktion in den Ausschüssen für Finanzen und Umwelt. Sein Fazit nach drei Jahren: "Man kann etwas bewegen. Auch als Neuling." Der beurlaubte Gymnasiallehrer war etwa am Klimaschutzgesetz beteiligt, das für ihn der "gesetzlich festgeschriebene Pfad für den CO₂-Ausstieg" ist. Oder an der steuerlichen Förderung der E-Mobilität und der Mehrwertsteuer-Senkung bei Bahn-Tickets. "Alles Maßnahmen für den Klimaschutz", betont Schrodi. Er möchte sich für die Förderung der Kfz- und Nutzfahrzeugbranche hin zu CO₂-neutralen Antrieben einsetzen - eine Aussage, die sich auf die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der MAN-Konzernspitze und dem Betriebsrat um die geplanten Entlassungen bezieht. Schrodi steht an der Seite der Arbeitnehmer.

Viel Beifall erhält er, als er CSU und FDP verbal angreift. Er verweist auf die CSU-Verkehrsminister Peter Ramsauer und Alexander Dobrindt, die unter anderem für "Chaos auf der Stammstrecke" gesorgt hätten. "Und wenn man denkt, es geht nicht schlechter, kommt ein Scheuer daher", so Schrodi und setzt hinterher: "Nicht erst seit dem Maut-Debakel hätte Söder ihn zurückziehen müssen." Doch den Hauptgegner der SPD sieht Schrodi ganz rechts außen: "Unser Ziel muss es sein, die antidemokratische AfD wieder aus den Parlamenten zu bekommen." Die in Teilen rechtsextreme Partei sitze in einem Boot mit manchen Corona-Demonstranten, denen Schrodi entgegenhält: "Dieser Virus ist ein gefährlicher, ein potenziell tödlicher Virus." Temporäre Einschränkungen von Grundrechten wie Freizügigkeit seien daher gerechtfertigt. Nicht die Pflicht, eine Maske zu tragen, sei eine Menschenrechtsverletzung, "Auschwitz und Dachau waren Menschenrechtsverletzungen!" Schrodi: "Wenn sie von Ermächtigungsgesetz und Diktatur sprechen, sage ich: Die Zeit von 1933 bis 1945 war eine Diktatur, und wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben gegen diese Diktatur gekämpft! Wir waren und sind das Bollwerk gegen Faschismus und für Demokratie!"

SPD Nominierung

Zuhörer auf den Rängen: Wegen der Corona-Pandemie geht die Nominierungsversammlung im ASV-Stadion in Dachau über die Bühne.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Schrodi lobt vor allem seinen Parteikollegen und Finanzminister Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD. Seit einem Bericht des Spiegels, der im Sommer 2018 erschien und in dem Schrodi mit einigen Kollegen eine steuerpolitische Kurskorrektur gefordert hatte, "kennt mich Olaf Scholz", sagt Schrodi und grinst: "Man kann sehr gut mit ihm zusammenarbeiten." Schrodi hat große Ziele für die nächste Legislaturperiode. Er will mehr, vielleicht sogar einen Regierungsposten. Schrodi wirbt für eine weitere Regierungsbeteiligung der SPD, am besten in einer "anderen Konstellation", sprich mit Grünen und Linken.

Seit drei Jahren trägt Schrodi übrigens auch das Trikot des FC Bundestag. Mit einem Augenzwinkern berichtet er von der Wahlempfehlung des Mannschaftskapitäns der Parlamentarier-Elf. Der CDU-Abgeordnete Fritz Güntzler habe ihm als Botschaft für die Aufstellungskonferenz in Dachau mitgegeben: "Wir brauchen in der kommenden Legislaturperiode unbedingt wieder einen guten Fußballer wie Michael Schrodi."

© SZ vom 16.11.2020
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