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Bundestagswahl 2021:Gleiche Ziele, verschiedene Wege

Journalist Gerhard Eisenkolb (von links) moderiert das Gespräch zwischen Katrin Staffler (CSU), Susanne Droth (FW), Beate Walter-Rosenheimer (Grüne), Ulrich Bode (FDP) und Michael Schrodi (SPD).

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bei einer Podiumsdiskussion sprechen die Direktkandidaten für die Bundestagswahl über den Klimaschutz. Einig sind sie sich vor allem darüber, dass etwas passieren muss

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Wenn der Applaus bei der Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl am Dienstagabend im Freizeitheim als Hinweisgeber für das Wahlergebnis gelten würde, dann würde es sich von den aktuellen Prognosen wohl deutlich unterscheiden. Den meisten Beifall erhielt Beate Walter-Rosenheimer von den Grünen, dicht gefolgt von Susanne Droth (FW) und Michael Schrodi (SPD). Den einzigen verbalen Gegenwind seitens der Zuhörerschaft, die aber auch zu bestimmt einem Drittel parteipolitisch geprägt war, bekam Katrin Staffler (CSU). Diese eindeutigen Sympathien für grüne und tendenziell linke Themen könnten auch damit zu tun haben, dass die Gröbenbachgemeinde schon immer sehr grün orientiert ist und das Thema Umwelt- und Klimaschutz an dem Abend besonders viel Raum einnahm.

"Noch 68 Tage bis zur Bundestagswahl", begrüßt der neue Vorsitzende der veranstaltenden VHS die 70 Zuhörer im Saal des Freizeitheims. Ingo Priebsch sitzt für die Grünen im Gemeinderat, war im Vorjahr als Bürgermeisterkandidat angetreten. Seiner Meinung nach sei politische Bildung die beste Prävention vor rechten Gedanken und Demokratiefeindlichkeit, sagt er und bekommt dafür viel Beifall. Er übergibt an Gerhard Eisenkolb, den früheren Leiter der Fürstenfeldbrucker SZ, der als Moderator durch den Abend führt.

Die Kandidaten sind so auf der Bühne platziert, dass die drei Mitglieder des Bundestages - Staffler, Walter-Rosenheimer, Schrodi - in der ersten Reihe stehen und dahinter die beiden Anwärter von FDP, Ulrich Bode, und den Freien Wählern, Susanne Droth, die dort noch hin wollen. Bemerkenswert auch, dass die Frauen in der Mehrheit sind, was für eine solche Veranstaltung ja eher ungewöhnlich ist. Und noch ein Detail am Rande, auf das Eisenkolb hinweist: Sowohl Staffler als auch Schrodi waren früher einmal als Gemeinderäte in Gröbenzell tätig. Und Walter-Rosenheimer ist nach wie vor Mitglied im Ortsverein der Grünen Gröbenzell, obwohl sie in Germering lebt. Auch dafür gibt es kräftigen Applaus.

Mit der Frage nach der wichtigsten Eigenschaften eines Politikers geht es für alle fünf Kandidaten los. Beginnen darf Susanne Droth, die sofort Ehrlichkeit und Authentizität nennt. "Da ergänze ich mal Fachwissen", schließt sich Bode an. "Authentisch bleiben unter den schwierigen Bedingungen, unter denen man dort arbeiten darf", sagt Schrodi. Leidenschaft und Ausdauer nennt Walter-Rosenheimer, die seit 2012 im Bundestag ist. "Zuhören wäre schon auch ganz wichtig", findet Staffler.

Mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe der vergangenen Tage fragt der Moderator, ob das ein Weckruf gewesen sei, "der auch den Wahlkampf beeinflussen kann". Nach Walter-Rosenheimers Einschätzung haben viele Menschen bisher noch nicht begriffen, wie sehr sich das Klima bereits verändert. "So etwas haben wir bisher nur aus anderen Ländern gesehen" sagt sie über die alarmierenden Bilder der vergangenen Tage und nennt es "eine ganz schreckliche Katastrophe". Sie hoffe, dass nun endlich mehr gehandelt werde.

"Wir sind in Bayern bundesweit heute schon Vorreiter, was die erneuerbaren Energien anbelangt", erklärt Staffler; im Zuschauerraum rumort es ungläubig. Freilich gelte das nicht für Winterräder, aber zum Beispiel bei der Zahl der Biobauern sei Bayern an erster Stelle. "Vor fünf, sechs Jahren war der Landkreis schon relativ weit", erinnert Eisenkolb an die Pläne zum Ausbau der Windenergie. Damals seien 20, vielleicht 25 Rotoren in Planung gewesen. Dann führte der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die so genannte 10-H-Regel ein, die das alles zunichte gemacht hat. "In Bayern acht Windräder im letzten Jahr, die Solarpflicht abgelehnt", ergänzt Schrodi. Und Bode erläutert, dass Bayern wegen seiner vielen Wasserkraftwerke bei der Energiegewinnung so gut dastehe. Der CO2-Ausstoß müsse gesenkt werden, was mit dem Zertifikatshandel auf EU-Ebene gut funktionieren könne. Walter-Rosenheimer fordert klare gesetzliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie, Solarenergie und der öffentliche Nahverkehr müssten noch viel stärker ausgebaut werden. Droth spricht von Mini-Solar-Anlagen, die die Freien Wähler in Kooperation mit den Bürgern realisieren wollen.

Insgesamt zwei Stunden diskutieren die Kandidaten den Zusammenhalt in der Gesellschaft, Fragen der Finanzierung und die persönliche Beziehung zur VHS. Die Ziele sind in der Regel meist die gleichen, jedoch unterscheiden sich die Wege, wie die einzelnen Kandidaten dorthin gelangen möchten. "Nichts Überraschendes", befindet eine Zuhörerin nach der Diskussion sei von den Politikern gekommen. Und überhaupt seien fast alle auch bisher irgendwo an der Macht gewesen.

© SZ vom 22.07.2021
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