Süddeutsche Zeitung

Olching:Blackout bis Breitbandausbau

Bei der Bürgerversammlung geht es diesmal um weit mehr als Verkehrssünder und Falschparker.

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Blackout? Daran kommt ein Rathauschef momentan nicht vorbei, zumal der Landrat ebenfalls davor gewarnt hat. Olchings Bürgermeister Andreas Magg (SPD) hat bei der Bürgerversammlung mit Blick auf einen möglichen Stromausfall empfohlen, immer etwas Bargeld zu Hause zu haben. Auch Essens- und Getränkevorräte machten Sinn. Trinkwasser garantiere der Amperverband als überörtlicher Wasserversorger für mindestens vier Wochen. Aber nicht für das Graßlfinger Moos. Dort wird das Trinkwasser aus örtlichen Brunnen entnommen. "Wenn der Strom weg ist, geht auch keine Pumpe", klagt Dieter Kornblum und befürchtet "Drittlieferungen aus dem Fassl." Bei den nicht existierenden Wasserleitungen im Moos, die eines Tages noch zu legen wären, zeigte sich der Bürgermeister machtlos. Den zuständigen Amperverband von dieser Investition in einem sehr dünn besiedelten Gebiet zu überzeugen, werde wohl kaum gelingen.

Ehe es bei der Bürgerversammlung, erstmals mit Gehörlosen-Dolmetscherin, wieder zum Lieblingsthema Straßenzustand, Parken und Verkehr kommt, wird ausführlich über den Breitbandausbau des Internets debattiert. Gerade überschlagen sich Telekommunikationsfirmen dabei, wie in anderen Kommunen des Landkreises, den Bürgerinnen und Bürgern in der Amperstadt einen Glasfaseranschluss schmackhaft zu machen. "Die graben dann alle unsere Straßen gleich mehrfach auf", mutmaßt Alfred Burkhart empört. "Das ist eine hirnlose Verkabelung." Dafür gibt es Beifall der 110 Besucher. Auch Ursula Dunne-Rufer zeigt sich irritiert. "Die Firma Teranet läuft von Tür zu Tür und wirbt um Glasfasernetzkunden", berichtet sie. "Angeblich gibt es eine Kooperation mit der Stadt." Bürgermeister Magg bestätigt, dass es eine freiwillige Vereinbarung mit der Stadt gibt, dass Teranet, falls es irgendwann so weit sein sollte, zum Beispiel den Teer auffräsen darf, um Leitungen zu legen. Jeder habe das Recht, Breitband zu verlegen, so der Rathauschef. "Wir sind froh, dass es diesen Breitbandausbau jetzt gibt." Magg dementiert jedoch noch einmal: "Am Projekt von Teranet sind wir nicht beteiligt."

Teranet hat sich den Ausbau vom ersten Quartal 2023 an vorgenommen. Die Firma wird jedoch erst aktiv werden, wenn eine Teilnehmerquote von 40 Prozent erreicht ist. Die Telekom, die ebenfalls das Glasfaserkabel anbietet, wird das auch ohne Quote tun. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, das Glasfasernetz bis 2024 zu verlegen. Nach aktuellem Stand könnte es aber auch 2026 werden. Im Graßlfinger Moos bleibt es beim schnellen Internet der Telekom jedoch bei 2024, weil dort ein spezielles staatliches Förderprogramm greift. Das beruhigt Dieter Kornblum, der Zweifel abgemeldet hat.

Ein Antrag auf eine Parkraumbewirtschaftung wird abgelehnt

Ein Antrag von Manfred Kerber, die Stadt möge angesichts vollgeparkter Straßen eine Parkraumbewirtschaftung einrichten, wird von der Versammlung mit 39 zu 27 Stimmen abgelehnt. Alois Spieldiener moniert dann einen "Buckel" im frisch hergerichteten Gehweg an der Pfarrstraße/Buchfinkenstraße. Ebenso wenig gefällt ihm, dass einige Hecken 20 Zentimeter und mehr in den Gehsteig hereinragen. "Durch das Heckenzurückschneiden wird das Stadtbild nicht schöner", gibt Magg zu bedenken. "Da kommt nur noch Gehölz zum Vorschein."

Lob gibt es von Alfons Keim, dem Vorsitzenden des Beirates für Menschen mit Behinderung, für die Fußgängerampel an der Ferdinandstraße. Dort hatte es zuvor einen Unfall mit Kindern gegeben, als die an dieser Stelle die Straße ohne Ampel überquerten. Er regt zudem an, dass die Buslinienanzeige, zum Beispiel am S-Bahnhof, kundenfreundlicher - besonders für Menschen mit Behinderung - sein sollte. Magg nimmt auch den Hinweis Keims auf, die Online-Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zur "Zukunft der Innenstadt" noch einmal anzuschieben. Zumal die Abschlussveranstaltung schon am 26. Oktober im Kom stattfinden wird.

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