Buchhandel:Unsicherheit für den Lieferservice

Die Nachricht über die Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV schockiert die Branche im Landkreis. Auswirkungen spüren die lokalen Händler bisher nicht. Das könnte sich aber ändern

Von Julia Bergmann, Fürstenfeldbruck

Die Insolvenz des größten und wichtigsten deutschen Buchgroßhändlers Koch, Neff & Volckmar (KNV) bewegt auch die Buchhändler im Landkreis. "Das erschüttert natürlich die Buchbranche", sagt etwa Nicole Bräunling, Inhaberin des gleichnamigen Ladens in Puchheim. Dennoch bleiben sie und ihre Kollegen noch gelassen. Das liegt vor allem daran, dass viele ihre Ware überwiegend bei anderen Großhändlern bestellen. Trotzdem könnte die Insolvenz der Firma in Zukunft auch ihnen Probleme bereiten.

Unter den Händlern im Landkreis bezieht nur die Buchhandlung Rezai in Eichenau ausschließlich über KNV. Zwar hatte Buchhändlerin Juliane Schulze einen Tag, nachdem die Insolvenz bekannt wurde, Probleme damit, einzelne Titel über Nacht zu bestellen. Aber bereits in den Tagen darauf seien die Lieferungen wie gewohnt schnell abgewickelt worden. "Die Nachricht war ja ein Schock", sagt Schulze, "wir hoffen hier jetzt natürlich trotzdem alle, dass es doch noch weitergeht". Auch "Der Buchladen" in Olching bekommt seine Ware überwiegend über das insolvente Traditionsunternehmen, aber nicht ausschließlich. Auswirkungen wie Verzögerungen bei Lieferungen habe man in den vergangenen Tagen dort nicht gespürt.

Die Inhaber und Mitarbeiter der Geschäfte im Landkreis sind sich einig: Noch läuft alles gut. "Wir haben keine Probleme, unsere Kunden zufriedenzustellen", sagt auch Katrin Schmidt, eine der Chefinnen der Buchhandlung Lesezeichen in Germering. Selbst bei Bestellungen über KNV habe sie keine Schwierigkeiten gehabt. "Wenn die Ware noch lieferbar ist, kriegen wir sie bis zum nächsten Tag", sagt sie. Denn es ist auch Glückssache, ob die vom Kunden gewünschten Titel bei dem Großhändler noch vorrätig sind.

Wie in Germering scheint die Situation auch beim Brucker Treffpunkt Wagner, in der Puchheimer Buchhandlung Bräunling und im Gröbenzeller Geschäft "Litera" entspannt zu sein. Sie alle beziehen hauptsächlich über den Großhändler Libri. Trotzdem sind sich die lokalen Buchhändler darüber im Klaren, dass die Auswirkungen der Insolvenz auch sie noch treffen könnten.

Denn KNV ist nicht nur ein Großhändler, der ständig etwa 600 000 Titel von 5000 Verlagen auf Vorrat hält, um "Über-Nacht"-Bestellungen von Kunden bedienen zu können. Das Unternehmen ist auch als Buchlogistiker tätig. Verlage wie etwa Suhrkamp, Piper und dtv haben neue Titel exklusiv via KNV an Buchhändler liefern lassen. "Man fragt sich jetzt natürlich schon, wie laufen die Verlagsauslieferungen weiter", sagt Markus Kummer, Mitarbeiter von Treffpunkt Wagner. Katrin Schmidt ist zuversichtlich, dass man auch dafür eine Lösung finden wird. Aber auch wenn die Verlage nicht mehr über den schnellen Bücherwagendienst der insolventen Firma liefern könnten, könne man Titel von ihnen beziehen - per Post und innerhalb mehrerer Werktage. "Selbst wenn man die Ware nicht gleich am nächsten Tag kriegt: Es sind Bücher, keine Herzmedikamente", findet Schmidt.

Die Händler hoffen, dass Kunden nun nicht den Schluss ziehen, sie seien im Onlinebuchhandel besser bedient. Zumal auch Branchenführer Amazon seine Ware über KNV bezieht. "Sollte es ein Problem geben, hätte es Amazon auch", verdeutlicht Schmidt. Sie betont, dass die Insolvenz kein Zeichen einer grundsätzlich schwächelnden Buchbranche ist. Das sehen auch Bräunling und ihre Kollegen so. Die Gründe dafür lägen viel mehr in unternehmerischen Entscheidungen, wie etwa dem Neubau und Umzug des KNV-Logistikzentrums nach Erfurt, meint Bräunling. Das 150-Millionen-Euro-Vorhaben hatte gleich zu Beginn 2014 Startschwierigkeiten. KNV musste deshalb das alte Lager in Stuttgart parallel weiter benutzen. Ein immenser Kostenfaktor für das mittlerweile zahlungsunfähige Unternehmen.

Ob sich die KNV-Krise doch noch auf die lokalen Buchhändler auswirkt? "Ich bin keine Hellseherin", sagt Schulze. Man hoffe das Beste. "Wir sind natürlich in Habacht-Stellung", meint Nicole Bräunling. Auch wenn das Geschäft in den vergangenen Tagen ohne große Beeinträchtigung weitergelaufen ist - die Unsicherheit über das, was noch kommen könnte, bleibt.

© SZ vom 06.03.2019
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