Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Wie so oft im Leben. Und natürlich will auch eine Hochzeit gut geplant sein. Viele Heiratswillige beginnen bereits mehr als ein Jahr zuvor mit der Organisation. Es gilt, die richtigen Ausstatter und Locations zu finden – und auch den persönlichen Stil.
Es ist ja immer auch die Rede vom schönsten Tag im Leben. Und da soll alles perfekt sein. Angefangen beim Outfit. Im Mittelpunkt stehen zumeist die Braut und ihr Kleid. Andrea Köstinger führt Brautmode in ihren Läden „Märchenweiss“ und „Einzelstück“ in Schongau und Augsburg und lebt es förmlich, Frauen für die Hochzeit anzuziehen. Viele Bräute kämen „sehr nervös“ zu ihr, doch dafür gebe es keinen Grund, beruhigt sie: „Es gibt für jeden Körper den richtigen Schnitt.“ Sie lässt die Hochzeitsanwärterinnen, die in ihre Läden kommen, in der Regel zehn bis 15 Brautkleider verschiedener Stilrichtungen anprobieren.
Köstinger ist eine von etwa 50 Ausstellerinnen und Ausstellern bei der zweitägigen Hochzeitsmesse „Glücksmomente“, die am vergangenen Wochenende im Veranstaltungsforum in Fürstenfeldbruck stattfand. So wie sich Mode in kurzen, aber regelmäßigen Abständen ändert, so unterliegt auch die Brautmode Trends. Regionale Unterschiede finden sich auf der Messe nicht, Trachtenmode etwa ist gar nicht vertreten.
Brautmodenausstatterin Köstinger zeigt anhand der Modelle, die sie auf den Kleiderständern präsentiert, die aktuellen Trends: Es sind Kleider mit feiner Spitze und viel Glitzer sowie Kleider, die ganz gegenteilig daherkommen und im Branchenjargon mit „clean“ umschrieben werden: schlicht, zeitlos elegant. Angelina Dellkamm von „La Principessa“ in Schwabmünchen kann das bestätigen: Ein klassisch-cleanes Brautkleid sei eben auch für eine standesamtliche Trauung geeignet.

Standesamtliche Hochzeiten mit anschließender Feier oder freie Trauungen würden immer beliebter, weiß Andrea Köstinger, kirchliche Hochzeiten fänden vielleicht noch in zwanzig Prozent aller Fälle statt. „Alles ist nicht mehr so streng“, sagt sie. Viele Trends setzten auch die Influencer in den sozialen Medien.
Dennoch sind Hochzeiten gerne auch Großveranstaltungen, die sich das Brautpaar – oder dessen Eltern – etwas kosten lassen. Eine durchschnittliche Hochzeitsfeier mit 120 Gästen beziffert Köstinger auf 25 000 Euro, Grenzen nach oben offen. Brautkleider machten dabei zwischen 1000 und 3000 Euro aus. Zweieinhalb Stunden plant sie für den Beratungstermin ihrer Bräute ein, die zumeist von der Mama, der Schwester oder der Trauzeugin begleitet werden. Der Mann bleibt außen vor.

Wenn aber der Bräutigam eingekleidet wird, „kommt die Braut immer öfter mit“, hat Dominik Apostolopoulos von Hecht Men aus Landsberg beobachtet. Etwa ein halbes Jahr bis vier Monate vor der Hochzeit suchten sich die Männer ihren Anzug aus, die Frauen seien da zumeist viel früher dran. Die meiste Zeit geht bei den Männern für den „Feinschliff“ drauf, für das Aussuchen der Accessoires: Lederschuhe oder Sneaker oder die Sneaker zusätzlich für den späten Abend? Mit Weste unter dem Sakko oder ohne? Vielleicht mit coolen Hosenträgern?

In Mode sind bei Herrenanzügen gerade Beige- und immer noch Grüntöne, allerdings in Richtung Herbst und Winter auch mal ein dunkler Smoking in modernisierter Version, sagt Apostolopoulos. Bianka Hütter von „Gentlemen’s“ in Olching hat die Erfahrung gemacht, dass der Stil des Bräutigams gerne an den der Braut angelehnt werde: „Deshalb lasse ich mir in der Regel auch ein Bild vom Kleid zeigen.“

Viktoria Bachmann-Keles, Inhaberin von „Perlenweiß“ in Königsbrunn, hat auch preislich reduzierte Brautkleider aus der auslaufenden Kollektion zu ihrem ersten Besuch bei einer Verkaufsmesse mitgebracht. Hinter einem Paravent können Interessentinnen sich umziehen und ein Kleid ihrer Wahl anprobieren und bei Gefallen auch gleich kaufen. Bachmann-Keles ist positiv überrascht, wie viele von dem Angebot Gebrauch machen.


Auch Juweliere und Goldschmiede sind vertreten. Bei Iris Biehl aus Germering können die Brautpaare ihre Eheringe unter fachkundiger Anleitung auch selbst anfertigen. Das sei nicht schwer, sagt sie. Brautsträuße sind das Metier von Susanne Beck von 1A Blumen Beck in Gröbenzell. Auch die Blumen unterliegen Trends und nach Jahren mit runden Sträußen oder Rosenkugeln sind jetzt locker gebundene Wiesenblumensträuße in Mode. Susanne Beck hat einen Spiegel aufgestellt, damit die Braut sieht, ob der Strauß in ihren Händen auch zu ihr passt.
Eine Hochzeitsmesse soll eine Hilfe sein, weil sie die gesamte Branche zusammenbringt und den Besucherinnen und Besuchern einen Überblick und Inspiration verschafft. Und so haben auch Dienstleister ihre Stände aufgebaut, die sich um die passende Musik, die passende Traurede oder die fotografische Begleitung des Tages kümmern.
Wann aber fällt bei der Braut die Entscheidung für das eine, das richtige Hochzeitskleid? Andrea Köstinger kennt die Indikatoren: zum Beispiel „wenn die Frau ein Kleid bei der Probe länger als zehn Minuten anhat“. Am Gesichtsausdruck der Braut könne sie dann diesen „Wow-Moment“ sehen. Dann weiß sie: Die Braut gefällt sich in ihrer Robe.


