Boxen Drei Kämpfe, drei Siege

Teo Laus aus Fürstenfeldbruck holt sich beim "Integrations-Medaillen-Open" zwar eine blutige Nase. Am Ende hat das 15 Jahre alte Nachwuchstalent des ausrichtenden BC Piccolo aber eben jene Nase vorn und bleibt in seiner jungen Karriere ungeschlagen

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Einmal nicht aufgepasst, schon blutet bei Teo Laus die Nase. Doch das ist der einzige Ausrutscher des jungen Boxers beim "Integrations-Medaillen-Open"-Turnier des Boxclubs Piccolo in der Brucker Jahnhalle. Sein Trainer Pavliza Steko feuert Teo immer wieder aus der Ecke heraus lautstark an, seinen einen Kopf kleineren Gegner auf Distanz zu halten. Das beherzigt der erst 15-jährige Boxer, landet Treffer um Treffer und siegt nach drei Runden deutlich nach Punkten. Teo Laus gehört zu den 54 Kämpferinnen und Kämpfern, die in der gut besuchten Jahn-Arena die Fäuste fliegen lassen.

Piccolo-Organisator Manfred Kaltenhäuser geht am frühen Nachmittag zufrieden durch die Stuhlreihen. "Das ist ein Wahnsinnsprogramm", sagt der langjährige Brucker Boxchef, als er noch mal auf seinen Zettel mit den vielen Kämpfen blickt. Wohl wahr: Fast sechs Stunden werden die Duelle im Ring dauern. "14 Tage sind für die Vorbereitung des Turniers notwendig gewesen", erzählt Kaltenhäuser. Immer wieder habe es Absagen und Änderungen gegeben. Das hat Folgen: Trotz aller Bemühungen habe er für Johanna John keine Gegnerin gefunden. Die Schweizerin, die für John im Bantamgewicht vorgesehen gewesen ist, musste nach dem Wiegen passen. Sie hat Fieber bekommen. Wiegen und ärztliche Untersuchungen sind Bestandteil jedes Boxturniers.

Inzwischen ist Teo Laus spürbar stolz aus dem Ring geklettert und hat die Glückwünsche seiner Freunde im Boxclub entgegengenommen. Der Realschüler der neunten Klasse boxt seit zwei Jahren. Seit einigen Monaten ist er offiziell Kämpfer mit Boxlizenz. "Drei Kämpfe, drei Siege", mit den Worten bringt er seine bisherige Karriere und seine weiße Weste zufrieden auf den Punkt. Aber ziemlich nervös sei er vor dem Kampf schon gewesen. Laus hat einen kroatischen familiären Hintergrund, wohnt in München und trainiert in der renommierten Münchner Boxschule der Gebrüder Steko, die seit etwa 20 Jahren eine Partnerschaft mit dem BC Piccolo haben. "Ich trainiere von Montag bis Freitag jeden Tag", erzählt der Schüler, der sehr motiviert wirkt und seinen Sport offenbar mit der Schule gut unter einen Hut bringt.

Fast täglich boxt auch Tizian Baumgartner vom BC Piccolo. Der 16-jährige Boxer, der gerade den Bundesfreiwilligendienst in einem Krankenhaus absolviert, zeigt sich für seine Kampf-Premiere bestens präpariert. Baumgartner gewinnt seinen ersten Boxkampf. "Meine Mutter hat mich zum Boxen geschickt", erzählt der Dachauer, "ich sollte als Tennisspieler meine Beinarbeit verbessern." Mit Tennis hat er bald aufgehört, jetzt ist er Boxer. Sein Trainer ist Mario Stanislaw, der in Dachau eine Boxschule betreibt. Früher hat Stanislaw, der auch Landestrainer im Bayerischen Boxverband ist, ebenfalls für Piccolo im Ring gestanden. Er freut sich über den männlichen Nachwuchs. Auch Baumgartner ist groß gewachsen, wiegt jedoch nur 53 Kilo. Stanislaw bestätigt den Trend hin zu weiblichen Kämpfern: "50 Prozent sind bei uns Frauen." Nicht alle wollten in den Ring, mehr interessiere sie Selbstverteidigung.

Einmal kurz nicht aufgepasst und schon muss man einstecken: Teo Laus (oben, rechts) wird nach drei Runden dennoch als Punktsieger ausgerufen. Sein Trainer Pavlica Steko (unten links) ist zufrieden. Immer auf die Kleinen: Tizian Baumgartner vom BC Piccolo (unten, ganz rechts) überragt seinen Gegner ebenfalls um einen Kopf und nutzt geschickt die längere Reichweite.

(Foto: Günther Reger)

Johanna John (BC Piccolo) steht gerne im Ring, mangels Gegnerin heute leider gar nicht. 15 Kämpfe hat die 31-jährige Innenarchitektin bereits absolviert. Blessuren im Gesicht sind nicht zu erkennen. "Ab und zu gibt es mal ein blaues Auge, aber das vergeht schnell wieder", erzählt sie. Neunmal ist sie siegreich gewesen. "Es ist einfach ein tolles Gefühl, da oben zu stehen", sagt sie und lächelt. Sie ist 1,70 Meter groß und mit 53 Kilo sehr schlank. Sie versteht sich "als technische Boxerin" mit großer Ausdauer, die ihre Gegnerinnen auf Distanz hält. "Ich versuche meine Kontrahentin ständig mit der Führhand zu beschäftigen, sie mürbe zu machen", erläutert sie ihre Kampfstrategie. Das macht sie ganz erfolgreich, belegte sie doch bei den Deutschen Meisterschaften in den vergangenen beiden Jahren einen zweiten und einen dritten Platz.

Wer beim BC Piccolo mal ins Boxen hineinschnuppern will, kann das dienstags, donnerstags und freitags von 19 bis 21 Uhr in der Fürstenfeldbrucker Schule-Nord an der Theodor-Heuß-Straße tun.