Süddeutsche Zeitung

Böller:Gegen böse Geister

Schützenvereine feuern am 1. Januar in Bruck, Gemering und Alling

Das Neujahrsschießen ist mittlerweile schon Tradition bei vielen Schützenvereinen - etwa bei den königlich privilegierten Feuerschützen aus Fürstenfeldbruck, dem Schützenverein Gemütlichkeit aus Unterpfaffenhofen und den Allinger Böllerschützen. Jedes Jahr am 1. Januar feuern die Mitglieder der Vereine dabei mit Schwarzpulver Salven ab, denn der Krach soll die bösen Geister vertreiben. Dafür benutzen sie ungefähr fünf Kilo schwere Handböllermaschinen aus Edelstahl.

In Fürstenfeldbruck findet das Neujahrsschießen im Anschluss an einen Gottesdienst und eine Rede des amtierenden Bürgermeisters Erich Raff statt. "Wir marschieren vor die Klosterkirche und stellen uns in Reih und Glied auf", erzählt Bodo Olbricht, Erster Vorsitzender der königliche privilegierten Feuerschützen. Seit 23 Jahren ist er Mitglied im Verein und hat dabei schon an vielen Neujahrsschießen teilgenommen. "Der Schussmeister gibt dann das Kommando, wann gefeuert wird." Jeder der dreizehn Schützen schießt dreimal und feuert dabei eine Rauchwolke in den Himmel. Als erstes wird eine sogenannte langsame Reihe geschossen, wobei zwischen den einzelnen Schüssen eine kurze Pause ist. Beim zweiten Durchgang feuern alle schnell hintereinander und zum Finale gibt es ein Salut, wobei alle Mitglieder gleichzeitig den Abzug drücken.

Bei den Schützen aus Unterpfaffenhofen darf jeder achtmal schießen, so Carmen Sturz. Seit neun Jahren ist sie Mitglied im Verein, und als sie 2012 Schussmeisterin geworden ist, hat sie somit das Kommando bei Auftritten übernommen. Die Schützen stellen sich am ersten Januar am Hang des Germeringer Sees auf und lassen es wortwörtlich krachen. Auch Salut und die Reihen gehören dazu, sowie auch ein Doppler, bei dem immer zwei Mitglieder des Vereins schnell hintereinander schießen. Außerdem gibt es eine Figur, bei der man bei beiden Enden der Formation anfängt und abwechselnd von außen nach innen schießt.

Sicherheit ist dabei natürlich sehr wichtig. "Man muss in der richtigen körperlichen Verfassung sein und es darf auch niemand angetrunken schießen", erklärt Sturz. Auch müssen die Abstände zueinander und zum Publikum eingehalten werden, fügt Olbricht dazu.

Auch die Allinger Böllerschützen haben sich vor acht Jahren der Tradition angeschlossen. Die 20 Schützen feuern dabei dieselben Figuren wie in Unterpfaffenhofen. Michael Metz ist Vorsitzender und Schussmeister. Neunmal gibt er jedem Schützen das Kommando zum Schuss. Es darf auch nicht jeder mitschießen. Alle Vereinsmitglieder mussten eine staatliche Sachkundeprüfung ablegen, um zu beweisen, dass sie den Umgang mit Böllern und Schwarzpulver beherrschen. Wenn sie dann auch noch eine Besitzererlaubnis haben, dürfen sie einen Handböller benutzen. Alle fünf Jahre gibt es Kontrollen.

Aber über den Aufwand sehe man schnell hinweg, da das Schießen sehr viel Spaß macht, so Olbricht. "Uns macht das Böllern Freude, und das wollen wir auch an die Zuschauer weitergeben. Wir würden aber auch feuern, wenn nur zehn Leute da sind und nicht die ganze Kirche", erklärt der Vorstand. Metz ist es besonders wichtig, mit dem Lärm den Anbruch eines neuen Jahres zu feiern. Neben dem Neujahrsschießen treten die Vereine auch bei Geburtstagen, Hochzeiten oder Beerdigungen auf. "Es ist auch wichtig, die Tradition aufrecht zu halten, weil schon so viel Brauchtum in Vergessenheit geraten ist", findet Sturz. Deswegen schießen die Mitglieder auch nur in ihrer vereinsinternen Tracht.

Neujahrsschießen: Sonntag, 1. Januar, Fürstenfeldbruck Klosterkirche (nach Gottesdienst um 11 Uhr); Germering am Germeringer See um 14 Uhr; Alling um 16.30 Uhr am alten Sportplatz.

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Quelle:
SZ vom 30.12.2016
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