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Bodenversiegelung:Gärten statt Stellplätze

Die Stadt Fürstefeldbruck muss endlich ihre veralteten Satzungen für Freiflächen und Stellplätze an neue Realitäten anpassen

Kommentar von Stefan Salger

Knappen Grund und Boden als Parkplatz zu nutzen, kann für Innenstädte nur eine Notlösung sein. Deshalb passt das an der Fürstenfeldbrucker Wernher-von-Braun-Straße geplante Neubauprojekt mit seinen 26 oberirdischen Stellplätzen nicht in die Zeit - ganz abgesehen davon, dass an der recht zentralen Stelle eher Etagenbau am Platz wäre als ein seltsames Konzept, bei dem schmale Reihenhäuser Seite an Seite aneinandergepresst werden. In den Siebzigerjahren wurde der bis heute gültige Bebauungsplan für das Gebiet erlassen. Damals wurde Helmut Schmidt Bundeskanzler und Deutschland Fußballweltmeister. Es war eine andere Zeit, in der Klimawandel, Naturschutz und Bodenversiegelung fast Fremdwörter waren.

Rechtlich ist an dem gewinnmaximierenden Wohnquartier nicht zu rütteln. Also: abhaken und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen! Eine innerstädtische Verdichtung schafft dringend benötigten Wohnraum und nutzt die vorhandene Infrastruktur besser aus. Aber die Stadt muss effizienter steuern, was im Sinne der Menschen ist, und sie muss sich ein Instrumentarium dafür schaffen. Dazu gehört der auf die lange Bank geschobene Erlass einer Satzung für die Gestaltung von Freiflächen. Nachzudenken gilt es auch über die Stellplatzsatzung. Denn es macht wenig Sinn, Bauherren standardmäßig zum Beispiel zwei Stellplätze pro Reihenhaus auf den ohnehin immer kleiner werdenden Grundstücken vorzuschreiben, obwohl sie möglicherweise gar kein Auto haben und den teuren Grund lieber als Garten nutzen würden. Wer dann doch ein Auto anschafft, der muss eben nachbessern oder einen Fußweg in Kauf nehmen und sich an Parkverbote auf öffentlichem Grund zu halten. Auf diese Weise würde man Bürgern Eigenverantwortung zugestehen und gleichzeitig Anreize setzen, angesichts der täglichen Parkplatzsuche vielleicht zumindest auf den Zweitwagen zu verzichten. Schon heute werden übrigens viele "Pflicht"-Garagen als Rumpelkammer genutzt und Tiefgaragen links liegen gelassen - die Autos stehen derweil so oder so am Straßenrand.

© SZ vom 22.01.2021
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