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Blut spenden:Überlebenswichtiger Aderlass

2075 Blutspenden haben diese Freiwilligen gegeben, darunter aus dem Landkreis Gabriele Stejskal (vorne, 4.v.r.) und Margit Krepold-Diemer (3.v.r.).

(Foto: Blutspendedienst/oh)

Im Veranstaltungsforum werden Rekord-Blutspender aus ganz Oberbayern geehrt, darunter zwei Frauen aus Germering und Moorenweis. Das Rote Kreuz hofft angesichts des ungedeckten Bedarfs auf eine Vorbildfunktion

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Bluttransfusionen können bei Unfällen, Operationen oder schweren Krankheiten lebensnotwendig sein. Blutpräparate werden deshalb ständig benötigt, allein in Bayern etwa 2000 jeden Tag. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ruft deshalb regelmäßig dazu auf, Blut zu spenden. 300 Menschen aus ganz Oberbayern, die das in geradezu vorbildhafter Weise tun, zeichnete das BRK nun bei einer Blutspenderehrung im Veranstaltungsforum Fürstenfeld aus, darunter Gabriele Stejskal aus Germering und Margit Krepold-Diemer aus Moorenweis, die beide jeweils 75 Mal in ihrem Leben Blut gespendet haben.

Geehrt wurde bei der Gala, wer in seinem Leben 75, 100, 125, 150 oder sogar 175 Mal Blut gespendet hat. Einmal im Jahr gibt es eine solche Ehrung für Menschen, die "jahrzehntelang Gutes tun", sagt Stefanie Sklarzik vom Blutspendedienst (BSD) des BRK. So wie Harald Janson aus Karlshuld im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, er wurde für 175 Blutspenden ausgezeichnet. Auf die "Stammspender" kann sich der BSD verlassen. Gabriele Stejskal geht seit dem 2. Juli 1986 regelmäßig. Die 63-jährige Verwaltungsangestellte möchte damit helfen: "Wer weiß, ob ich es nicht selbst einmal brauche." So wie ihr Ehemann, bei dem eine Bluttransfusion notwendig geworden war. Oder wie Felix Brunner, der 800 Blutspenden benötigte. Der 26 Jahre alte Allgäuer war 2009 beim Bergsteigen 30 Meter in die Tiefe gestürzt und musste sich danach vielen Operationen unterziehen. Die Besucher im Veranstaltungsforum ließ Brunner wissen: "Ich bin überzeugt, dass einige dieser Blutspenden auch von Ihnen stammen." Brunner sitzt im Rollstuhl, hat aber schon wieder sportliche Ziele erreicht: 2013 überquerte er als erster Handbiker die Alpen, 2018 will er als Monoskifahrer zu den Paralympics.

Wie schnell Blutkonserven zur Neige gehen können, war zuletzt Mitte September deutlich geworden, als das heiße Spätsommerwetter zu einem echten Engpass geführt hatte. Nach Angaben des BSD hatte sich das Aufkommen um bis zu 20 Prozent verringert. Weil nicht genügend Blutpräparate vorhanden waren, mussten mancherorts sogar Operationen verschoben werden. Gerade im Sommer fehlen Blutspenden. Viele Menschen sind in Urlaub, und auch manche Gesunde können bei Hitzewellen wegen Kreislaufproblemen nicht zur Ader gelassen werden. Viele Blutprodukte und -konserven sind zudem nur kurze Zeit haltbar, deshalb werden kontinuierlich Spenden benötigt. Das meiste Blut wird für die Behandlung von Krebspatienten eingesetzt. Danach folgen Erkrankungen von Herz, Magen und Darm, Sport- und Verkehrsunfälle. Bei schweren Unfällen kann es vorkommen, dass wegen bestimmter innerer Verletzungen mindestens zehn Blutkonserven pro Unfallopfer vorrätig sein müssen.

Bisher hatte sich der Blutspendedienst des Städtischen Klinikums München um die Blutspenden im Landkreis Fürstenfeldbruck gekümmert. Seit 1. April werden sie vom Blutspendedienst des BRK organisiert. Dass nun nur zwei Frauen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck zur Ehrung anstanden, bedeute nicht, dass in den Kreisen rund um München eine schlechtere Spendenmoral herrsche als auf dem Land, sagte BSD-Sprecherin Sklarzik. Es liege vor allem daran, dass sich der BSD nun erst mit den BRK-Kreisverbänden kurz schließen und mit seinen mobilen Teams neue Termine zum Blutspenden aufbauen müsse. Im Landkreis stehen derzeit keine Termine an, aber unter der Internetadresse blutspendedienst.com kann man mit Eingabe der Postleitzahl welche in der näheren Umgebung finden.

Blutspenden kann, wer zwischen 18 und 72 Jahre alt ist und mindestens 50 Kilogramm wiegt. Erstspender sollten höchsten 68 Jahre alt sein. Frauen können vier Mal im Jahr, Männer sechs Mal Blut abgeben. Zwischen zwei Spenden sind mindestens acht Wochen Pause nötig. Wer Blut spenden möchte, sollte sich körperlich fit und gesund fühlen und zuvor ausreichend essen und trinken, aber zwölf Stunden vorher auf Alkohol verzichten. Das Abnehmen von 500 Millilitern Blut dauert etwa zehn Minuten, mit Vor- und Nachbereitung eine Stunde. 94 Prozent der Deutschen hielten Blutspenden für wichtig, weiß das BRK. 60 Prozent sagten, sie würden auch hingehen. Aber nur 3,5 Prozent spenden tatsächlich, in Bayern etwas mehr: sieben Prozent.

© SZ vom 12.10.2016
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