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Bluesfestival:Ursprung aller Songs

Zum Auftakt spielen Black Patti, San 2 und Egidio "Juke" Ingala in Puchheim. Sie alle bringen das Unwiderstehliche dieser Musik auf den Punkt

"Der Blues ist der Ursprung aller Musik. Er ist die Wurzel. Jeder Song hat ein bisschen Blues in sich, denn der Blues ist die Wurzel von allem. Blues ist unter uns, seit es die Welt gibt. Seit Männer und Frauen sich lieben und sich trennen, gibt es den Blues." John Lee Hooker (1917-2001) ist für ein passendes Zitat immer gut. Denn erstens gehört er zu den wenigen Genies, die gesegnet sind, mit knappen Worten einen Fakt auf den Punkt bringen. Zum anderen zählen die Aufnahmen seiner Stücke mit zum Besten, was der Blues je hervorgebracht hat. Und wenn auch der Sänger und Gitarrist am Freitag zum Auftakt des Jubiläumsfestivals im Puchheimer Kulturcentrum Puc aus naheliegenden Gründen nicht persönlich anwesend sein konnte, so schwebte doch auch sein Geist über dem musikalischen Treiben im vollbesetzten Saal.

Das Programm selbst lag, wie schon in all den Jahren zuvor, in den bewährten Händen von Ferdinand "Jelly Roll" Kraemer und Peter Crow C. - gemeinsam auch als Black Patti unterwegs. Beide agierten selbst mit wunderbar verhangenen, rauen Blueslicks, wie sie einst im tiefen Süden der USA gespielt wurden. Sie bringen dieses Unwiderstehliche des Blues auf den Punkt, diese Töne, die sofort unter die Oberfläche gehen und sich ihren Weg gnadenlos zum Herzen bahnen. Und Ryan Donohue, der mit seinem Bass an diesem Abend das Duo zu einem Trio aufstockte, passte sich in diese praktizierte Philosophie haargenau und konzentriert ein. Alle drei Musiker formten Momente von zeitloser Hingabe. Der Puls ihres Spiels riss mit, faszinierte in seiner Beiläufigkeit und strahlte in einer unaufgeregten Leidenschaft.

Viel Gefühl für den Blues: die Musiker von San 2, Daniel Gall und Gitarrist Sebastian Schwarzenberger.

(Foto: Günther Reger)

Als Besonderheit hatten die beiden für ihren zehnten Blues-Jahrgang den DJ Pierre LaQua nach Puchheim eingeladen. Doch sein Auftritt musste, wie auch der des Italieners Joe Chiarello, abgesagt werden. Dafür sprangen Sänger und Mundharmonikaspieler San 2, alias Daniel Gall und Gitarrist Sebastian Schwarzenberger mit ihren akustischen Rhythm & Blues- und Soul-Variationen in die Bresche. Ihre sparsamen, Grenzen aufbrechenden Arrangements gaben sowohl den eigenen Songs, als auch Coverversionen von Billy Preston bis Ray Charles, Transparenz und Klarheit. Mit den heiteren Unverbindlichkeiten in den Moderationen von San 2, war ihr Auftritt zudem eine passende Eröffnung dieses Bluesfestivals zum zehnten Geburtstag der Reihe.

Als letzter Akt des ersten Tages erstürmten Egidio "Juke" Ingala & The Jackknives aus Italien die Bühne und die Herzen des Publikums. Egidio "Juke" Ingala ist einer jener bluesgetränkten Entertainer, die in allen Bereichen ihrer Bühnenpräsenz ständig nachzulegen scheinen und trotzdem noch über Reserven verfügen. Egal ob als Sänger oder als Mundharmonikaspieler, ob als Conférencier oder musikalische Stimmungskanone, stets gibt der erfahrene "Juke" einhundertundzwanzig Prozent. Mindestens! Ein Vollbluttemperament, das die universelle Sprache des Blues beherrscht, das diese Musizierweise mit Swing und Rock'n'Roll anreichert und dabei nie den Kontakt zu seinen Mitmusikern verliert.

Festival-Organisator Peter Crow C., der gemeinsam mit Ferdinand Kraemer und Ryan Donohue auftrat.

(Foto: Günther Reger)

Eine derartig schillernde Persönlichkeit ist natürlich ein Zugpferd an einem solchen Abend und schafft mit solch einer Musik Grundlagen und Beziehungen, die vielleicht ein Leben lang halten.

© SZ vom 09.03.2020
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