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Bildung:Möbelrücken für die Rückkehr der Schüler

In Aufkirchen können alle acht Grundschulklassen komplett an die Schule zurückkehren, weil die Räume groß geug sind.

(Foto: Günther Reger)

Die Grundschulen dürfen selbst entscheiden, ob sie von diesem Montag an Präsenz- oder Wechselunterricht anbieten. Entscheidend ist, ob die Klassenzimmer groß genug sind, um den Mindestabstand zu gewährleisten

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

An diesem Montag kehren die Grundschüler und die Abschlussklassen der Mittelschulen in die Unterrichtsräume zurück. Nicht alle freilich, denn den einzelnen Schulen ist es selbst überlassen, ob sie Präsenz- oder Wechselunterricht anbieten. Grundlage für die Entscheidung ist, ob die Schulen genügend Platz haben, damit zwischen den Schülern der coronabedingte Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werden kann. Auf die meisten Schulen im Landkreis trifft das nach Einschätzung des Schulamtes Fürstenfeldbruck nicht zu. Die Mehrheit der Schulen werde wohl Wechselunterricht anbieten, "weil sie die räumlichen Kapazitäten nicht haben", vermutet Schulamtsleiterin Bettina Betz.

Es sei "gut, dass man den ersten Schritt wieder macht", findet sie dennoch, denn Schule sei eben nicht nur reines Fächerlernen. Freunde, die Beziehung zur Lehrkraft, ein geregelter Tagesablauf, all das sei vor allem auch für Grundschüler wichtig. Es gelten weiterhin die Hygieneregeln wie Abstandhalten, Händewaschen, Maske tragen, Lüften der Klassenräume.

An der Grundschule im zur Gemeinde Egenhofen zählenden Ort Aufkirchen können alle acht Klassen komplett wieder den Unterricht im Schulgebäude aufnehmen. "Bei uns herrscht der glückliche Umstand, dass wir relativ kleine Klassen haben und relativ große Klassenzimmer", weiß Rektor Dieter Werner. Deswegen sei es möglich, bei durchschnittlich 16 bis 19 Kindern in einer Klasse den Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten. An den Doppeltischen sitzt dann jeweils nur ein Kind. An der Bernhard-Rößner-Schule in Gröbenzell werden am Montag die ersten und vierten Klassen komplett an der Schule erwartet, für die zweiten und dritten Klassen gilt hingegen Wechselunterricht, erläutert Schulleiter Bernd Hochrein. Das heißt, die Klassen werden geteilt, jeweils eine Gruppe sitzt im Schulgebäude, die andere zu Hause. Damit sich keine Schüleransammlungen bilden, beginnt der Unterricht gestaffelt zwischen acht und 8.45 Uhr.

An der Germeringer Kerschensteiner Schule muss Leiterin Claudia Frisch die Logistik sowohl für die Grund- als auch die Mittelschule stemmen. "Eine Herausforderung", sagt sie. Herausgekommen sind ganz unterschiedliche Ergebnisse für unterschiedliche Jahrgänge. Die neunten und zehnten Mittelschulklassen sollen nun im tageweisen Wechsel an der Schule und zu Hause unterrichtet werden. Für die Grundschüler wird es eine Mischform geben.

Die Erstklässler der Kerschensteiner Schule gehen tageweise in den Wechselunterricht, der auf zwei Wochen ausgelegt wird, damit auch Unterricht in allen Fächern stattfinden kann. Damit zweite, dritte und vierte Klassen teilweise in den Präsenzunterricht gehen können, müssen einige von ihnen nicht nur in andere, nämlich größere Klassenräume umziehen, sondern diese wurden auch "ummöbliert", wie Frisch erzählt: also Regale raus, Computertische raus, Leseecke raus - um Abstände zu ermöglichen. Damit das schnell vonstatten gehen konnte, halfen auch die Ehemänner der Lehrerinnen beim Teilumzug mit. Der Wechselunterricht ist nicht bei allen beliebt, die Lehrkräfte sind dabei doppelt belastet, denn sie müssen beide Unterrichtsversionen gleichermaßen vermitteln können. Allerdings geht das nicht gleichzeitig. Das Kultusministerin hält auch einen Livestream vom Klassenzimmer in jene Haushalte für möglich, in denen die Kinder gerade im Distanzunterricht beschult werden. Allerdings seien die meisten Schulen technisch gar nicht auf derartige Übertragungen vorbereitet, sagt Betz. Sie zweifelt daran, dass davon auch alle Schüler profitierten, denn die eine Hälfte der Klasse könne sich am realen Unterrichtsgeschehen beteiligen, die andere zu Hause nicht.

Welche Schule welchen Weg einschlägt, hängt vor allem an den räumlichen Voraussetzungen. Ältere Schulhäuser wie in Aufkirchen verfügen noch über größere Klassenräume, viele neuere Gebäude in der Regel nicht. Zudem müssen Schulen im Wechselunterricht auch eine Notbetreuung für jene Kinder anbieten, die nicht zu Hause bleiben können, etwa weil beide Eltern berufstätig sind. Das Kultusministerium appelliert an die Eltern, die Notbetreuung nur zu nutzen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Wie viele Kinder für die Notbetreuung am Montag ins Schulgebäude kommen, wusste der Gröbenzeller Grundschulleiter Hochrein am Freitag noch nicht. Über das Wochenende konnten die Eltern ihre Kinder noch dafür anmelden. Das Personal dafür habe man bereit gestellt, sagt er noch.

Das ist nicht überall möglich, denn mancherorts gibt es nicht genügend Betreuer dafür, auch weil Ganztagsangebote und Mittagsbetreuung ebenfalls wieder starten. Die Kerschensteiner Schule bietet die Ganztagsschule in der offenen und der gebundenen Form an. Die Anmeldungen dafür liefen laut Frisch am Freitag "gerade rein". "Das ist logistisch fast nicht mehr zu bewältigen", weiß Schulamtsleiterin Betz.

Die Corona-Pandemie verstärkt auch ein Problem, das die Schulen schon vorher hatten: Es fehlen ihnen Lehrer. An den Grund- und Mittelschulen im Landkreis, für die das Schulamt Fürstenfeldbruck zuständig ist, sind zudem gut 70 Lehrerinnen schwanger und können nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden. Deshalb behilft sich das Schulamt mit Aushilfskräften: Diese sogenannten Team-Lehrkräfte übernehmen den Präsenzunterricht für eine Stammlehrkraft, die coronabedingt nicht selbst vor der Klasse stehen kann, werden aber von dieser quasi als Coach unterstützt. Team-Lehrkräfte können Personen mit abgeschlossenem Lehramtsstudium sein, die zum aktuellen Schuljahr nicht im staatlichen Schuldienst angestellt wurden, die ein anderes Hochschulstudium abgeschlossen haben oder als Lehramtsstudierende noch in einem höheren Fachsemester stecken. Auch sogenannte Nachrücker helfen schon seit Jahren, die Personallücke zu stopfen. Insgesamt sind zwischen 30 und 40 Team-Lehrkräfte und Nachrücker im Bereich des Schulamtes Fürstenfeldbruck angestellt. Betz, die am 1. März die Leitung des Schulamtes München übernehmen wird, hofft, dass sie auch nach der Corona-Pandemie Angebote auf Weiterbeschäftigung erhalten: "Das wäre mein größter Wunsch."

Wünsche freilich gehen nicht immer in Erfüllung. Dass die Schulen sich länger auf die neue Situation einstellen könnten, auch das hatte Betz sich gewünscht. Doch die Informationen des Kultusministeriums wurden erst am vergangenen Mittwoch ausgereicht - drei Arbeitstage, bevor der Präsenzbetrieb wieder starten soll.

© SZ vom 22.02.2021
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