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Bildung:Abitur in seltsamer Zeit

Vor dem Start der Abiturprüfungen in MV

Pandemie hin oder her: Für viele Schülerinnen und Schüler stehen nun die Abiturprüfungen an.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Kleine Gruppen in vielen Räumen und am besten vorher ein Corona-Test - so sollen die Abschlussprüfungen heuer laufen

Von Anna Schorr, Fürstenfeldbruck

Schulen und Schüler im Landkreis bereiten sich auf die zweiten Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen vor. Sie beginnen am 12. Mai. Masken, Abstände und Tests auf freiwilliger Basis - wie die Prüfungen für die insgesamt etwa 815 Abiturienten ablaufen sollen, wissen die Schulleiter der sieben Gymnasien im Landkreis bereits. In welchem Rahmen die Zeugnisverleihung und Abiturfeierlichkeiten stattfinden werden, kann im Moment noch niemand sagen.

Man könnte die Abiturprüfungen dieses Jahr als gewohnt ungewohnt bezeichnen. "Voriges Jahr fanden die Prüfungen ja auch schon unter Corona-Bedingungen statt", sagt Robert Christoph vom Max-Born-Gymnasium in Germering. "Das alles ist uns also nicht ganz unvertraut." Inhaltlich sei das diesjährige Abitur ein normales bayerisches Abitur, das sei auch wichtig für die Schülerinnen und Schüler.

Den Ablauf der Prüfungen müssen die Schulleitungen aber coronakonform gestalten. "Während der Abiturprüfung gilt die Maskenpflicht", erklärt Monika Christoph vom Gymnasium Puchheim. "Für Ess- und Trinkpausen dürfen die Schüler die Maske kurz abnehmen."

Eine Testpflicht für die Prüfungen bestehe nicht, sagt der Schulleiter des Viscardi-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck, Walter Zellmeier. Die Schüler hätten aber die Möglichkeit, einen Corona-Test zur Prüfung mitzubringen oder einen Tag vorher einen Schnelltest in der Schule zu machen. Monika Christoph vom Puchheimer Gymnasium nennt es "wünschenswert", dass sich die Abiturienten vor der Prüfung testen lassen. "Das Ziel ist es, Ruhe für die Prüfungssituation zu schaffen. Und diese Ruhe kann entstehen, wenn sich viele Schüler vorher testen lassen. Dann hat man die Sicherheit: Für morgen ist alles gut."

Auch Boris Hackl, Schulleiter des Gymnasiums Gröbenzell findet es wichtig, gute Bedingungen für eine konzentrierte Abiturprüfung zu schaffen. In seiner Schule, genau wie in fast allen anderen Gymnasien, werden die Prüflinge für das Abitur in kleinen Gruppen auf verschiedene Räume aufgeteilt. Dort seien die Lüftungsverhältnisse besser als in der Turnhalle, in der die Abiturprüfungen in der Gröbenzeller Schule für gewöhnlich stattfinden. "In jedem Prüfungsraum sind zehn bis zwölf Personen", erklärt Schulleiterin Rita Bovenz die Organisation der Prüfungsgruppen am Carl-Spitzweg-Gymnasium in Germering. Dieses System habe sich voriges Jahr bewährt.

Man plane so, dass die Prüfungen mit größtmöglichem Abstand und Sicherheit abgehalten werden könnten, sagt auch Angelika Schmöller, Oberstufenkoordinatorin des Gymnasiums Olching. An ihrer Schule wird ebenfalls an die Abiturienten appelliert, sich vor den Prüfungen testen zu lassen. Getestete Schülerinnen und Schüler sollen räumlich getrennt von nicht Getesteten geprüft werden. Abiturienten, die ein positives Testergebnis haben, können laut Zellmeier nicht an den Prüfungen teilnehmen. Sie müssen die Prüfung an einem späteren Termin nachholen.

Die Vorbereitung auf die Abiturprüfung für diesen Jahrgang nennt Hackl vom Gröbenzeller Gymnasium "anders". Der Vorbereitungsprozess sei nicht der gleiche wie sonst gewesen, insgesamt sei aber gut auf die besonderen Bedingungen Rücksicht genommen worden. "Man hat sich sehr um eine faire Lösung bemüht." Christl Nadler-Arnold, Oberstufenkoordinatorin am Gymnasium Gröbenzell erklärt, wie diese faire Lösung konkret aussah: "Bayernweit gab es die Günstiger-Regelung: Im zweiten Halbjahr der elften Klasse konnten nur sehr wenig Noten gemacht werden. Deshalb wurden hier Noten aus anderen Halbjahren der Oberstufe übernommen. Außerdem sind im letzten Halbjahr nur in den Fächern Klausuren geschrieben worden, in denen die Schüler Abitur machen, die restlichen Noten wurden mündlich gemacht." Was die Noten angehe, seien die Abiturienten damit nicht schlecht gefahren, ansonsten seien es aber "sehr arme Schüler." "Sie hatten ein Jahr keinen Unterricht", sagt Nadler-Arnold. "Und der Distanzunterricht kann den Präsenzunterricht nie ersetzen."

Trotz allem werden die Abiturienten am Mittwoch, 12. Mai, die erste Abiturprüfung im Fach Deutsch antreten. Normalerweise begännen die Prüfungen schon Ende April, sagt Doris Hübler vom Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck. Aufgrund der Umstände habe das Kultusministerium den Termin aber nach hinten verlegt. Dadurch verschob sich der Tag der Zeugnisverleihung auf den 16. Juli. Wie die Verleihungen aussehen könnten, wisse man im Moment noch nicht. "Wir haben uns dazu schon viele Gedanken gemacht und haben viele Pläne im Kopf. Letztendlich kann man aber nur kurz davor schauen, welche Regelungen gelten und was man machen kann", sagt Hübler. Gleiches berichten die anderen Schulleiter. Voriges Jahr habe man beispielsweise am Viscardi-Gymnasium mehrere Durchgänge mit kleineren Gruppen gemacht, berichtet Zellmeier. "Das war dann doch eine schöne Zeugnisverleihung, was man zuerst vielleicht nicht gedacht hätte."

Bei mehreren Veranstaltungen in Gruppen von circa 20 Personen wurden auch am Olchinger Gymnasium die Zeugnisse verliehen, jeweils in der Turnhalle. "Die ganzen Ansprachen und Glückwünsche haben wir halt fünfmal gemacht", beschreibt Schmöller die Zeremonien. Im Gymnasium Puchheim wurde laut Monika Christoph die Zeugnisverleihung per Livestream für einzelne Familien übertragen, die in einzelnen Klassenzimmern untergebracht waren. Dieses Jahr soll es laut den Schulleitern wieder eine würde- und stimmungsvolle Verabschiedung der Abiturienten geben - auch wenn über den genauen Ablauf wohl sehr kurzfristig und abhängig von den Inzidenzwerten entschieden werden muss.

Direktorin Christoph vom Puchheimer Gymnasium fasst es so zusammen: "Wir wollen einen würdigen Rahmen, in dem die Zeugnisse überreicht werden. Wie dieser Rahmen aber aussieht, soweit sind wir noch nicht."

© SZ vom 08.05.2021
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