Süddeutsche Zeitung

Betreten auf eigene Gefahr:Dünnes Eis

Wasserwacht warnt vor dem Betreten gefrorener Flächen

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Die Wasserwacht warnt davor, das Eis zu betreten, das stellenweise die Seen bedeckt. Es sei nirgends im Landkreis dick genug, sagt Ralph Westenrieder, Kreisvorsitzender der Wasserwacht. Seiner Erfahrung nach werde es das in diesem Winter auch nicht mehr. Westenrieder hat eine Faustregel: "Wenn es, wie diesen Winter, an Silvester noch nicht gefroren hat, dann gibt es auch im restlichen Winter keine tragfähige Eisschicht." Denn danach würden die Tage wieder länger, die Sonne scheine länger.

Damit die Eisschicht trägt, muss sie zehn bis 15 Zentimeter dick sein, und dafür braucht es der Wasserwacht zufolge mehrere Wochen strengen Frost. Selbst dann können Zuflüsse, Quellen oder sonnenbeschienene Stellen dazu führen, dass das Gewässer nicht gleichmäßig zufriert. "Dunkle oder schwarze Stellen im Eis zeigen an, dass die Schicht noch viel zu dünn ist", teilt die Wasserwacht mit. "Auch verschneite Eisflächen und bewachsene Uferzonen sind gefährlich."

Weil es so viele Unwägbarkeiten gibt, gibt es im Landkreis Fürstenfeldbruck Westenrieder zufolge keine Eisfläche auf einem Gewässer, die offiziell freigegeben wird. Jochen Franz vom Verwaltungs- und Rechtsamt der Stadt Germering erklärt, warum: "Wir haben nicht die Kompetenz, zu prüfen, ob die Eisdecke tatsächlich trägt." Er könne sich das bei der gegenwärtigen Witterung aber nicht vorstellen. Deshalb rät er ebenfalls dringend davon ab, aufs Eis zu gehen, wie verlockend das auch sein mag. Eine Freigabe sei für die Stadt rechtlich schwierig, wegen der Haftungsfrage. Selbst wenn die Stadt "Betreten auf eigene Gefahr"-Schilder aufstellen würde, könnte sie doch haftbar gemacht werden, wenn etwas geschieht.

Auch die Stadt Fürstenfeldbruck gibt beispielsweise das Pucher Meer nicht frei, nicht einmal teilweise. "Das Betreten ist immer auf eigene Gefahr", sagt Pressesprecherin Susanna Reichelmaier. In den anderen Kommunen mit Gewässern wie Olching, Mammendorf oder Emmering gilt das ebenso.

Die Wasserwacht gibt Tipps, wie man sich verhalten sollte, falls das Eis knistert und knackt: "Am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen und in Bauchlage ruhig in Richtung Ufer bewegen beziehungsweise robben", heißt es in der Mitteilung. Wer selbst eingebrochen sei, solle laut um Hilfe rufen, sich möglichst wenig bewegen und versuchen, womöglich auch seitwärts, auf dickeres Eis oder ans Ufer zu kommen. Am besten bleibe man von vornherein in Bereichen, in denen man auf dem Seegrund stehen könnte, falls man einbricht, rät Westenrieder. "Man sollte nie alleine aufs Eis gehen", fügt Franz hinzu. Wer beobachtet, dass jemand einbricht, soll sofort über Telefon 112 Hilfe holen und die Person mit Hilfsmitteln wie Rettungsring, Ästen, Seil oder Leiter absichern. Selbst ins Wasser gehen soll nur, wer über eine dritte Person am Ufer gesichert ist.

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SZ vom 16.01.2021
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