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Bessere Verbindung für Pendler:Nordwest-Gemeinden fordern mehr Zughalte

Regionalbahnen sollen im Stundentakt in Mammendorf, Althegnenberg und Haspelmoor stoppen. So lautet eine Petition an den Landtag. Die Tarifstruktur und ein Engpass bei Pasing stehen dem Wunsch entgegen

Die Pendler im Nordwesten des Landkreises brauchen ein besseres Angebot von der Bahn. Trotz viergleisigem Ausbau der Strecke von Olching nach Augsburg gibt es nicht einmal einen durchgängigen Stundentakt. Die Gemeinden haben diese Forderung deshalb in Form einer Petition an den bayerischen Landtag geschickt. Sie fordern außerdem einen zusätzlichen Halt im morgendlichen Berufsverkehr. Der Verkehrsausschuss des nordwestlichen Landkreises wurde 1973 gegründet und besteht heute aus zehn Kommunen. Bereits in den Neunzigerjahren war zugesagt worden, dass stündlich Regionalzüge in Althegnenberg, Haspelmoor und Mammendorf halten würden, sobald die Strecke ausgebaut sei, erzählt Alfred Beheim, Geschäftsführer des Verkehrsausschusses der Gemeinden im nordwestlichen Landkreis, in denen etwa 30 000 Menschen leben.

Tatsächlich hat sich das Angebot nach dem Ausbau ab 2008 spürbar verbessert. Bis dahin habe etwa fünfmal am Tag ein Zug gehalten, jetzt gilt im Berufsverkehr immerhin ein Stundentakt, sagt Beheim. Aber das reicht nicht, weil auch in diesem Gebiet immer mehr Menschen wohnen, die in München arbeiten. Zwar verkehrt von Mammendorf die S-Bahn, aber Regionalzüge schaffen es in 20 Minuten nach München. Die "Vision S-Bahn 2050" der Landräte rund um München sieht Express-S-Bahnen auf der Strecke vor. "Das wäre eine gute Sache, aber ziemlich weit weg, der Bedarf ist heute schon da, unsere Gemeinden wachsen jetzt", sagt Beheim.

Die Kommunen stellen sich dem Siedlungsdruck. Sie bauen Schulen und Kindergärten, weisen Bauland aus, versuchen Wohnungen für Menschen zu schaffen, die sich die Immobilienpreise in der Stadt nicht leisten können. Dafür müssen die Gemeinden mit wachsendem Verkehr kämpfen. "Ohne mehr Züge können wir die Probleme auf der Straße nicht lösen", sagt Paul Dosch, Bürgermeister von Althegnenberg und Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Die Kommune investiert heuer 175 000 Euro um die Park & Ride-Flächen am Bahnhof auszuweiten.

Außerdem hat sich die Berufswelt längst verändert. "Viele Teilzeitkräfte wollen am frühen Nachmittag zurückfahren", erzählt Beheim. Aber zwischen 13 und 15 Uhr hält kein Zug im Nordwesten. Die Kommunen wollen, dass sich zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 etwas verbessert. Dann endet der Vertrag, den die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Auftrag der Staatsregierung mit der DB Regio für das Fugger-Express-Netz geschlossen hat. Die Ausschreibung steht an und der neue Vertrag soll bis 2033 gelten. Es ist deshalb vielleicht auf lange Zeit die letzte Chance für die Nordwesten-Kommunen. Sie fordern, dass zwischen 6.15 Uhr und 7.30 Uhr ein weiterer Zug werktags hält und jeden Tag bis Mitternacht ein Stundentakt gilt. "Unsere Aussichten sind allerdings denkbar schlecht", sagt Beheim.

Er kennt die Gegenargumente auswendig. In den Hauptverkehrszeiten sind die Züge proppenvoll, so dass bei einem zusätzlichen Halt keiner mehr einsteigen könnte. Ein weiterer Zug kann nicht eingesetzt werden, weil es trotz viergleisigem Ausbau immer noch ein Nadelöhr gibt und zwar in Pasing. Dort gibt es nur einen Bahnsteig für die Fern- und Regionalzüge von und nach Augsburg. Ein anderes Problem sind die verschiedenen Tarifsysteme.

Bis Althegnenberg gelten MVV-Tickets, danach muss man Fahrkarten der Bahn AG kaufen. Fahren Züge ohne Zwischenstopp durch, müssen Passagiere, die etwa zwischen Augsburg und München pendeln die vergleichsweise teureren Bahntickets für die gesamte Strecke lösen, bei Zwischenstopps könnten sie ab Althegnenberg die günstigeren MVV-Karten benutzen. Der Bahn gingen damit Einnahmen verloren. Würde man die MVV-Tarife für die Grenzbereiche einfach anheben, müssten die Einwohner im Nordwesten mehr bezahlen. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) habe deshalb bereits mitgeteilt, dass er "keinen gangbaren Weg" sehe, das Haltekonzept zu ändern, zitiert Beheim, will das aber nicht gelten lassen. "Wir können nichts für diese Tarifstruktur. Sie sollte einfach geändert werden." Der Bürgermeister sagt: "Wir haben die Gleise, man muss nur ein paar Züge anders leiten." Mit ein bisschen gutem Willen könnte man die Tarifstruktur ändern, "aber der fehlt bei der bayerischen Staatsregierung", rügt Dosch.