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Beschluss im Gemeinderat:Maisacher Bäume werden besser geschützt

Schulstraße 15 in Maisach

In Maisach muss die Fällung von Bäumen ab einer bestimmten Größe künftig beantragt werden.

(Foto: Matthias Döring)

Mehrheit stimmt für eine Verordnung und die sofortige Sicherung - trotz Protesten von Bürgern

Von Erich C. Setzwein, Maisach

1200 Unterschriften dagegen, 150 überwiegend negativ eingestellte Bürger bei einer Infoveranstaltung in Gernlinden, und am Donnerstagabend noch einmal etwa 70 Zuhörer mit anderer Meinung im Gemeindezentrum haben den Maisacher Gemeinderat nicht davon abgehalten, eine Baumschutzverordnung für Maisach zu mehrheitlich beschließen. Sieben Gemeinderäte stimmten dagegen. Sieben Stimmen waren auch für eine Verordnung, die den Baumbestand im Gemeindeteil sichern soll, bis die Baumschutzverordnung in Kraft getreten ist.

Die Kritiker der Baumschutzverordnung hatten bis kurz vor der Abstimmung Gelegenheit, ihren Unmut und Protest gegen die Pläne von Bürgermeister Hans Seidl (CSU) zu äußern. Bürger aus den Gemeindeteilen Überacker, Germerswang, Malching und Rottbach nutzten die aktuelle Viertelstunde zu Beginn der Gemeinderatssitzung um die von ihnen seit Anfang August gesammelten Unterschriften zu übergeben. Diejenigen, die einer Ausweitung der seit 20 Jahren in Gernlinden geltenden Baumschutzverordnung auf die ganze Gemeinde positiv gegenüberstanden und dies auch mit ihrer Unterschrift bestätigten, blieben eine Minderheit. Nur 17 "Ja"-Antworten wurden gegeben. Davon kamen fünf aus Überacker, wo aber 495 für Nein unterschrieben hatten.

Noch einmal machten Bürgermeister Seidl, Zweiter Bürgermeister Roland Müller (CSU), die Umweltreferentin und designierte Bürgermeisterkandidatin der Grünen, Christine Wunderl, sowie Grünen-Fraktionssprecherin Barbara Helmers, die CSU-Fraktionsvorsitzende Gabi Rappenglitz und CSU-Gemeinderat Josef Strauß den Bürgern und Kritikern am Ratstisch klar, worum es ihnen gehe: Jenen Baumbestand im Hauptort Maisach zu schützen, der durch die Nachverdichtung auf den Grundstücken gefährdet sei. Nicht die "normalen" Bürger habe man im Sinn, sondern die Investoren, die Grundstücke erst einmal leer räumten, bevor sie einen Bauantrag stellten. Strauß fasste das drastisch zusammen: "Es kann nicht so weitergehen, wir sind den Bauträgern ausgeliefert bis zum Gehtnichtmehr."

Für Anreize statt Verbote plädierte FW-Fraktionsvorsitzender Gottfried Obermair und verdeutlichte seine geänderte Meinung zu einer Baumschutzverordnung. Als Seidl im Februar dieses Jahres zum ersten Mal eine Ausweitung der Baumschutzverordnung auf Maisach mit den Fraktionsvorsitzenden besprochen habe, habe er eine Ausweitung auf das ganze Gemeindegebiet angeregt. Nach den Diskussionen in den Juli- und Augustsitzungen seien Fraktion und Ortsverband zu dem Schluss gekommen, einer Ausweitung nicht zuzustimmen. Es wurde stattdessen der Antrag formuliert, die Baumschutzverordnung im ganzen Gemeindegebiet abzuschaffen.

Der Antrag von CSU-Gemeinderat Xaver Hirsch, über die Baumschutzverordnung zu einem späteren Zeitpunkt abzustimmen, weil sie "größere finanzielle Auswirkungen" haben könne, fand keine Mehrheit. Auch Barbara Helmers Antrag, das ganze Gemeindegebiet zu schützen, fiel durch. Gegen sieben Stimmen wurde der ursprüngliche Antrag von Bürgermeister Seidl beschlossen. Die zusätzlich beschlossene Sicherungsverordnung gilt zunächst zwei Jahre und wirkt wie eine Baumschutzverordnung. Bäume dürfen demnach gefällt werden, wenn dafür eine Genehmigung bei der Gemeinde eingeholt wurde.

© SZ vom 28.09.2019
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