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Beruf und Karriere:Nett sein allein reicht nicht

Was Unternehmen, Organisationen und Behörden von Schulabgängern bei der Bewerbung erwarten, wird auf der zweitägigen Fachmesse für Ausbildung und Studium "Vocatium" im Veranstaltungsforum deutlich

Wenn an diesem Mittwoch Passanten oder Autofahrer auf der inzwischen dicht befahrenen Fürstenfelder Straße viele Menschen rund um das Veranstaltungsforum schlendern sehen, dann hat das nichts mit Schulfrei oder gar Schwänzen zu tun. Alle etwa 2500 Besucher am Dienstag und am Mittwoch haben mindestens einen Gesprächstermin auf der fünften Fachmesse Ausbildung und Studium mit dem Titel "Vocatium". Schüler aus 100 Klassen, von Förderschule über Fachoberschule bis Gymnasium, bekommen Gelegenheit, sich nach einem Praktikumsplatz umzuschauen oder konkrete Schritte für einen Ausbildungs- oder Studienplatz einzuleiten. 60 Aussteller aus der Privatwirtschaft, Behörden und Organisationen stehen als Gesprächspartner zur Verfügung.

60 Aussteller, mehr als 2500 Besucher und 5000 verbindliche Gesprächstermine.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

"Erst kommt die Neigung, dann die Note", beschreibt Edita Baumgartner, Personalreferentin der Emmeringer Firma Galvano Weis, ihre vorrangigen Kriterien beim Bewerbungsgespräch für einen Ausbildungsplatz. Die Firma, die alle möglichen Oberflächen beschichtet, zum Beispiel mit Gold oder Kupfer, bietet Ausbildung sowohl im gewerblichen Bereich als Oberflächenbeschichter als auch im kaufmännischen an. Leidenschaft für den Beruf und Interesse sollten die Bewerber mitbringen, sagt Baumgartner. So ähnlich sehen es auch Denise Wagner und Lisa Gschmeißner aus der Personalabteilung der Germeringer Firma Cewe. Zehn verschiedene Ausbildungen werden dort angeboten, vom Elektroniker bis zum Mediengestalter - "der Renner heuer", sagt Denise Wagner. Sie und ihre Kollegin kommen gerne nach Fürstenfeldbruck, um die vorher vereinbarten Gespräche mit den Schülern zu führen. "In diesem Jahr sind alle bestens vorbereitet", sagt Wagner und wertet die Veranstaltung in Bruck als "besser als andere Ausbildungsmessen".

Zum fünften Mal findet die Fachmesse für Ausbildung und Studium im Stadtsaal und in der Tenne von Fürstenfeld statt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Maßgeblichen Anteil, dass die Schüler ihre "Hausaufgaben" gemacht, sich auf den Kontakt mit den Anbietern von Ausbildungsplätzen vorbereitet haben, trägt das Institut für Talententwicklung. Marianne Schuon vertritt die Firma in Fürstenfeldbruck und hat die Messe mitorganisiert. Das Konzept beruht darauf, dass das Institut in Zusammenarbeit mit den Schulen die Gespräche vermittelt. Jeder Schüler kann seine Wünsche nennen und bekommt bis zu vier Angebote, die er wahrnehmen sollte. Alles wird dokumentiert, weshalb die Schüler darauf erpicht sind, dass die geführten Gespräche auch quittiert werden. Schuon sagt, dass bei diesem Vorgehen "auch die Schüchternen zu Wort kommen". Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und einem Praktikum seien meist die Folge der Vocatium. Letztlich geht es allen, die sich als Ansprechpartner zur Verfügung stellen, darum, neue Fachkräfte für ihren Betrieb zu bekommen.

"Vocatium" im Veranstaltungsforum Fürstenfeld.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

So ist das auch bei der Firma Sport Bittl, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Vocatium vertreten ist und deren Personalreferentin Bianca Symeonidis versichert, dass alle Auszubildenden übernommen würden. Derzeit befinden sich 13 junge Menschen in der Einzelhändlerausbildung des Sportartikelhändlers mit Sitz in Allach und Filialen in Fürstenfeldbruck und Laim. Neu wird bald die Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation angeboten. "Ein Praktikum ist wichtig", sagt Symeonidis, da könnten die Schüler selbst feststellen, ob sich jemand um sie kümmert und sie etwas tun dürfen.

Eine Premiere ist die Ausbildungsmesse für Mitglieder der Rotarier und deren Jugendorganisation Rotaract. Denn sie halten an beiden Tagen 14 jeweils 20-minütige Vorträge. Dem Brucker Rotary-Club angehörende Firmenchef Markus Stumbaum aus Schöngeising zufolge werden ein paar der auf der Vocatium nicht vertretenen Berufsbilder beschrieben. So redet Gottfried Haug über Berufe in der Land- und Forstwirtschaft und Stephan Kleebach vom Rotary-Club Germering gibt Tipps eines Unternehmensberaters und klärt darüber auf, was Betriebe neben Neigungen und Noten noch von ihren Bewerbern erwarten.