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Behindertensport:Das Miteinander als Trainingsziel

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Gemeinsam statt gegeneinander: die Mitglieder und Trainer der Inklusionsfußballmannschaft des 1. FC Gröbenzell.

(Foto: Christian Schröder/oh)

Bei der Inklusionsfußballmannschaft des 1. SC Gröbenzell zählen gegenseitiger Respekt und Rücksicht mehr als Tore

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Rücksicht und Empathie, Respekt, Geduld, Einfühlungsvermögen und noch viel mehr an sozialer Kompetenz lernen die Kinder, wenn sie gemeinsam in der Inklusionsfußballmannschaft des 1. SC Gröbenzell spielen. Da treffen Zehnjährige auf bald 30-Jährige, Buben auf Mädchen und Menschen ohne Handicap auf solche, die mit einer Einschränkung leben müssen. "Wir spielen ja nicht auf Leistung", betont Manfred von Reinersdorff. Beim Inklusionssport stehe das Miteinander, das Gemeinsame, eine Begegnung auf Augenhöhe im Vordergrund, erläutert der 62-Jährige, der die Mannschaft gemeinsam mit Christian Mausbach trainiert.

Die Aufgabe der Trainer sei in erster Linie, die Rahmenbedingungen und Anforderungen so an das individuelle Können der Spieler anzupassen, dass am Ende alle miteinander Fußball spielen können, erläutert von Reinersdorff, der auch schon eine Mannschaft von nicht gehandicapten Spielern trainiert hat. Seit etwa neun Jahren achten Reinersdorff und Mausbach darauf, dass das Miteinander gut funktioniert.

Angesichts der individuellen Befindlichkeiten und Bedürfnisse der Spieler - die Behinderungen reichen vom Down-Syndrom bis zum Herzfehler - fallen die Trainingseinheiten sehr unterschiedlich aus. "Wir machen oft getrennte Trainingseinheiten", so könne man besser auf individuelle Befindlichkeiten, Fitness oder das Leistungsniveau eingehen, erläutert der 62-Jährige. "Beim Inklusionssport wird nichts durch Alter oder Geschlecht bestimmt", allein das eigene Können zähle. Deshalb variieren die Trainingseinheiten auch stark, je nach Anwesenheit und Tagesform.

Gegründet wurde die Inklusionsfußballmannschaft übrigens, nachdem eine Mutter beim 1. SC Gröbenzell anfragte, wo ihr Kind denn mit ihrem behinderten Sohn Fußball spielen könne. Im Verein habe man prompt mit der Gründung der Gruppe reagiert, erzählt von Reinersdorff. Inklusion, unterstreicht er, "ist dem 1. SC Gröbenzell ein Anliegen." Damals sei der Verein einer der ersten im Großraum München gewesen, der eine solche Mannschaft gründete. Nach den Informationen des Trainers gab es nur noch Inklusionsfußballmannschaften in Hohenbrunn und Aubing.

Inzwischen gibt es auch mehr Inklusionsteams. Aber im Vergleich mit anderen Fußballteams sind sie immer noch selten. Deshalb bedeutet die Teilnahme an Turnieren oft eine weite Anreise für die Spieler. "Wir wollen unbedingt nach Neuss", erklärt von Reinersdorff. Dort am Rhein findet im Sommer wieder ein Turnier mit internationaler Beteiligung statt. Die Gröbenzeller sind dabei.

© SZ vom 04.02.2019

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