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Begehrter Landkreis:Der Immobilien-Wahnsinn

Die Preise für Bauland ziehen ob der Nachfrage und der geringer werdenden Flächen stark an. In Gröbenzell werden für ein einzelnes Grundstück schon 2000 Euro pro Quadratmeter verlangt

Bei den Preisen für Baugrundstücke gibt es im Landkreis aufgrund der ungebrochen hohen Nachfrage, des sehr knappen Angebots und niedriger Zinsen nach oben fast kein Limit mehr. So ist im vergangenen Jahr im Ausnahmefall für ein Baugrundstück für ein Einfamilienhaus in Gröbenzell schon mal die Grenze von 2000 Euro pro Quadratmeter erreicht worden. Noch etwas ist erstaunlich, so Martin Runge (Grüne), der Landtagsabgeordneter und Zweiter Bürgermeister von Gröbenzell ist. Grundstücke mit niedrigem Baurecht sind oft teurer als solche mit einem höheren. Das ausschlaggebende Kriterium für solche Spitzenpreise ist die Lage.

Da es sich bei einem Quadratmeterpreis von 2000 Euro noch um die Ausnahme handelt, bildet der aktuelle Marktbericht vom Immobilienverband Deutschland (IVD) solche Ausreißer nicht ab. Die in der Studie dokumentierte Entwicklung der Preise für Bauland sowie für Häuser und Eigentumswohnungen in den östlichen Großgemeinden und der Kreisstadt Fürstenfeldbruck für die Spanne vom Herbst 2016 bis zum Herbst 2017 gibt deshalb den höchsten Quadratmeterpreis von Bauland für ein Einfamilienhaus noch mit 1215 Euro für Gröbenzell an. In den dicht besiedelten Ostkommunen liegt die Preisspanne für eine sehr gute Einfamilienhaus-Wohnlage in etwa zwischen 900 Euro in Germering und 1200 Euro in Puchheim für den Quadratmeter. In München kostete der Quadratmeter Baugrund für Einfamilienhäuser laut IVD im Herbst 2400 Euro.

Die höchsten Werte erreicht der Preisanstieg in Fürstenfeldbruck, dort verteuerte sich der Quadratmeterpreis für ein Baugrundstück (Einfamilienhaus in sehr guter Wohnlage) innerhalb von zwölf Monaten um 220 Euro von 875 auf 1095 Euro, dann folgen Puchheim und Olching mit einem Plus von jeweils 200 Euro sowie Gröbenzell mit einem Plus von 190 Euro. Laut dem IVD-Bericht, der Durchschnittswerte anführt, die auf Angaben von Maklern, Bauträgern, Hausverwaltern und Sachverständigen beruhen, lagen die Zuwächse beim Preis von Baugrundstücken im östlichen Landkreis und der Kreisstadt zwischen 20 und 220 Euro.

Wer eine Immobilie erwerben wollte, musste sich sehr schnell entscheiden. So wechselte ein Haus im Landkreis 2017 nach nur 9,1 Wochen auf dem Markt den Besitzer. Das ist laut IVD das niedrigste "Angebotsdatum" im gesamten Münchner Umland. Auch ein Beleg dafür, wie gefragt Immobilien sind.

Im Vergleich zum rasanten Preisanstieg bei Baugrund ist die Entwicklung bei Eigentumswohnungen im Bestand relativ moderat. So kostete eine Eigentumswohnung mit einem guten Wohnwert pro Quadratmeter in Fürstenfeldbruck oder Germering etwa 3700 Euro, das waren etwa 250 beziehungsweise 100 Euro mehr als zwölf Monate zuvor. Wer im Herbst Wohneigentum in vergleichbarer Qualität in Eichenau, Gröbenzell oder Puchheim erwerben wollte, musste bei Quadratmeterpreisen zwischen 4200 und 4400 Euro etwa 20 Prozent mehr bezahlen. Erheblich teurer war Wohneigentum in Neubauten. Den höchsten Quadratmeterpreis im Landkreis für Wohneigentum gibt die IVD-Studie mit 6000 Euro für einen allerdings sehr guten Wohnwert für Olching an.

Wie im gesamten Münchner Umland nähern sich die Mieten auch im Landkreis Fürstenfeldbruck immer mehr dem Münchner Niveau an. So lag die Durchschnittsmiete im Herbst beim Bezug einer Neubauwohnung mit einem sehr guten Wohnwert zwischen 13,80 Euro in Fürstenfeldbruck und 16 Euro in Olching. Für Bestandswohnungen registriert der IVD-Bericht größere Preissprünge. Das gilt vor allem für das Segment mit einem guten bis sehr guten Wohnwert, wo fast schon das Preisniveau von Erstbezugswohnungen erreicht wird. Im oberen Preissegment werden Mieten bezahlt, die der Durchschnittsmiete von Bestandswohnungen in München entsprechen. Diese lag im Herbst bei 16 Euro je Quadratmeter.

Wer im Herbst Eigentümer eines freistehenden Einfamilienhauses im Landkreis wurde, musste dafür bis zu 1,42 Millionen Euro auf der hohen Kante haben oder finanzieren. Am teuersten war das Einfamilienhaus, das in den dicht besiedelten Ostgemeinden als Auslaufmodell gilt, in Germering. In Gröbenzell, Eichenau oder Puchheim kostete ein solches Eigenheim im Herbst etwa 1,2 Millionen Euro.