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Bebauungsplan:Gröbenzeller befürchten Wertverlust ihrer Immobilien

Allgemeines Wohngebiet statt reines Wohngebiet soll die Gegend um die Freyastraße in Gröbenzell werden. Anwohner protestieren.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im Gemeinderat melden sich Anwohner der Freyastraße zu Wort. Sie sehen Nachteile durch die Planungen für das Gebiet südlich der Bahnlinie

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Wertverluste ihrer Immobilien und weniger Ruhe, verursacht beispielsweise durch Arbeiterwohnheime wie eines in der Hubertusstraße entstanden ist, und weitere Nachteile befürchten Anwohner des Gröbenzeller Bebauungsplangebiets an der Freyastraße. Denn der Gemeinderat will das Gebiet zwischen Bahnlinie, Von-Koch-, Dianastraße und Loferweg neu ordnen. Dadurch würde es nicht mehr wie bisher als reines, sondern als allgemeines Wohngebiet deklariert sein. In der aktuellen Viertelstunde des Gemeinderats brachten deshalb einige Bürger ihre Sorgen zum Ausdruck. Die Gemeinderäte versprachen unter anderem, alle Einwände sorgfältig abzuwägen und die Frist für die zweite Auslegung zu verlängern.

Der Unterschied zwischen WR und WA, wie reine und allgemeine Wohngebiete auch genannt werden, sei nicht so bedeutend, hieß es aus dem Gremium. Doch ein Zuhörer bezog sich auf den geplanten Mobilfunkmasten in der Bahnhofstraße und das inzwischen durch das Landratsamt geräumte Arbeiterwohnheim. Beides habe man in Gröbenzell nur verhindern können, weil es in einem reinen Wohngebiet lag. Nun wolle der Gemeinderat diese hohe Schutzfunktion gegen die wesentlich weniger strengen Bedingungen in einem WA austauschen. "Mein Eindruck ist, die Verwaltung schützt nicht die Bürger", sagte der Mann.

Etwa 20 Zuhörer, offenbar alle wegen dieses Bebauungsplans in die Gemeinderatssitzung gekommen, applaudierten engagiert. Ein weiterer Mann monierte, "wenig Anreiz zum flächensparenden Bauen". Ferner gab es Bitten, den Tagesordnungspunkt zu vertagen oder wenigstens die Auslegefrist zu verlängern sowie eine Liste der Gewerbebetriebe im Gebiet vorzulegen. Denn nach Ansicht der anwesenden Anwohner genügt deren Zahl nicht, um die Ausweisung in ein allgemeines Wohngebiet zu rechtfertigen.

Vor drei Jahren hatte der Gemeinderat beschlossen, für das Gebiet südlich der Bahnlinie und östlich des Gröbenbachs bis zur Von-Koch-Straße einen Bebauungsplan neu aufzustellen. Wie der dafür beauftragte externe Planer Philipp Falke vom Büro DFH Stadtplanung in München in der Sitzung erklärte, mache das nach knapp 40 Jahren durchaus Sinn. Die aktuelle Fassung stammt von 1976 und enthält zahlreiche Änderungen mit zum Teil unterschiedlichen Festsetzungen. Diese sollen jetzt vereinheitlicht werden. "Eine Neubewertung ist notwendig", bestätigte er und brachte auch seine Verwunderung über die teils aufgebrachten Wortmeldungen in der aktuellen Viertelstunde zum Ausdruck: "Ich verstehe den Hintergrund dieser Diskussion nicht", betonte er und fragte rhetorisch: "Wo sind die Befürchtungen?"

Stadtplaner Falke bestätigte zwar, was aus den Wortmeldungen der Bürger angeklungen war, nämlich dass "die Schutzbedürftigkeit im WR höher als im WA ist". Er gab auch dem zweiten Bürgermeister Martin Runge (Grüne) recht, der die Sitzung leitete und erläuterte, dass die reinen Wohngebiete durch Nachverdichtungen im Laufe der Zeit meist ohnehin allgemeine Wohngebiete seien. "Die Gebietskategorie WR ist eigentlich tot", sagte Falke. Im Unterschied zum reinen Wohngebiet sind in allgemeinen Wohngebieten laut Baunutzungsverordnung die der Versorgung des Gebiets dienenden Läden, Schank- und Speisewirtschaften, nicht störende Handwerksbetriebe und Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke erlaubt, weitere Ausnahmen können bewilligt werden. In reinen Wohngebieten dürfen neben Wohnhäusern nur Anlagen zur Kinderbetreuung für die Bewohner des Gebiets gebaut werden. In Ausnahmefällen können Läden, nicht störende Handwerks- sowie kleine Beherbergungsbetriebe genehmigt werden.

Insbesondere Letzteres fürchteten einige Anwohner, hatte es doch in der Hubertusstraße ein Arbeiterwohnheim gegeben. Runge griff deshalb den Wunsch der Bürger auf, nicht gewünschte Nutzungen in den Bebauungsplan zu schreiben. Außerdem versicherte er den Zuhörern: "Jede dieser Einwendungen wird hier behandelt und abgewogen." Zusammen mit Bauamtsleiter Markus Groß versicherte er, dass man von Rathausseite die Dauer der öffentlichen Auslegung verlängern könne. Schließlich stimmte der Gemeinderat gegen die Stimme von Anton Kammerl (CSU) für den Planentwurf. Die Pläne sollen demnächst zur öffentlichen Beteiligung ausgelegt werden.

© SZ vom 07.02.2019
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