Beizeiten lohnt es sich, bei Schiller nachzuschlagen. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang“, heißt es da im Lied von der Glocke. Einerseits. Andererseits: Wer immer nur in Gedichten und Liedtexten blättert, endlos prüft, vor Kosten und all dem Organisationskram zurückschreckt, den könnte frei nach Gorbatschow das Leben bestrafen. Wer also das Ja-Wort ein ums andere Mal auf die lange Bank schiebt, kommt vielleicht nie unter die Haube. Bleibt auf ewig Junggeselle oder Junggesellin.
Da kommt ein Angebot der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern mit dem Titel „Einfach heiraten“ gerade recht, das den Menschen Hindernisse aus dem Weg räumen will. Es lebe die Spontaneität! Und ein bisschen hochleben lässt man damit auch ein Konzept der Fastfood-Ketten. Die haben vor vielen Jahren den Drive-in erfunden. Kernstück: ohne viel Tamtam und Sitzplatzreservierung mal eben vorbeischauen.
2025 nahmen im Freistaat 801 Paare das Angebot „Einfach heiraten“ an
Am Freitag, 26. Juni, können sich Paare an 65 Orten in Bayern sowie einem in Österreich kurz entschlossen das Ja-Wort geben. Minimale Bürokratie, lautet das Versprechen bei der mittlerweile vierten Auflage des Angebots, das 2025 im Freistaat 801 Paare wahrgenommen haben. Eine vorherige Anmeldung für Trauungen und Segnungen sei nicht erforderlich, heißt es in einer Mitteilung. Landesbischof Christian Kopp wird mit den Worten zitiert, manchmal sei der richtige Moment „einfach jetzt“. Man wolle „Paaren die Möglichkeit geben, ihre Liebe zu feiern und sie unter Gottes Segen zu stellen – unkompliziert und in besonderer Atmosphäre“.
Wie Pommes gegen Burger im Vorbeigehen sollen Ringe hier aber nicht getauscht werden. Vielmehr dürfe man sich auf „eine persönliche Feier in festlicher und besonderer Atmosphäre“ freuen –vor historischer Kulisse oder Bergpanorama, in besonderen Kirchenräumen oder einfach an außergewöhnlichen Orten.

Die Eremitage in Bayreuth, die Klosteranlage Coburg/Rödental, der Tegelberg bei Hohenschwangau mit Blick auf die Königsschlösser? Alles machbar. Ebenso wie Bad Reichenhall, Oberammergau, Oberstdorf und Kempten. Sogar unterm Jakobskreuz auf der Buchensteinwand in Tirol.
Bei tropischen Temperaturen mag sich die Erlöserkirche Herrsching für eine erfrischende Hochzeitsfeier anbieten, bei der das Brautpaar gemeinsam im Ammersee abtauchen kann. Oder soll’s doch der Flughafen München mit seiner Christophorus-Kapelle sein? Die Münchner Region ist mit zwei weiteren Orten vertreten: der Johanneskirche Olching und der Gnadenkirche Dachau.
Wer erneut zögert und zaudert, der kann sich zumindest den 2. Juli 2027 vormerken. Dann gibt es die nächste offizielle Gelegenheit, einfach zu heiraten.
Informationen zu Standorten und Angebot unter einfachheiraten.info

