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Baustelle:Barrierefreier Umbau hat begonnen

Die DB Netz stattet den Station Buchenau mit einer neuen Unterführung sowie einem Bahnsteig im Süden aus. Lärmgeplagte Anwohner können auf Kosten der Bahn im Hotel nächtigen

Jahrelang haben der Behinderten- und der Seniorenbeirat um einen barrierefreie Umbau des S-Bahnhofs Buchenau gekämpft. Seit Anfang Februar sind Arbeiter zugange, die zuerst die Grünfläche am Buchenauer Platz rodeten, weil dort die Zufahrt zur Baustelle verläuft. 15 kleinere Bäume mussten weichen. Auf der Südseite der Gleise ist jetzt ein Bagger im Einsatz, in diesem Bereich soll ein komplett neuer Bahnsteig mit Rampen und Treppen entstehen. Der Mittelbahnsteig sowie der Bahnsteig auf der Nordseite werden um 20 Zentimeter auf 96 Zentimeter erhöht und am westlichen Ende der Plattformen wird eine neue Fußgängerunterführung mit Aufzügen und Treppen zu den Bahnsteigen ergänzt. Metallene Stützen und Geflechte, Bretter und Bohlen dafür liegen bereits aufgestapelt

Lärmgeplagte Anwohner wird die Bahn AG in Hotels umquartieren.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Umbau wird rund 17 Millionen Euro kosten, die der Freistaat und die Bahn AG bezahlen. Die Erhöhung der Bahnsteigkante am Gleis 2 übernimmt die Stadt Fürstenfeldbruck. Die Bahnsteige sollen vor Weihnachten fertig werden, im Frühjahr 2020 die ganze Arbeit erledigt sein. Wegen des engen Zeitplans müsse immer wieder in der Nacht und an Wochenenden gearbeitet werden, erklärt eine Bahnsprecherin. Während des Umbaus laufe der Zugverkehr "mit kleineren Einschränkungen" weiter. Deshalb seien Arbeiten in der Nacht "unabdingbar", weil in dieser Zeit weniger oder gar keine Züge unterwegs sind.

Der Buchenauer Bahnhof wird barrierefrei. Bauherr ist die DB Netz, das Projekt soll rund 17 Millionen Euro kosten und 2020 fertig werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auf der Anwohnersammlung im Februar sorgte das für Unmut. Die Bahn bietet geplagten Anwohnern einen Umzug ins Hotel an. Einige haben sich schon bei dem Unternehmen gemeldet. Am lautesten wird es zwischen Freitag, 8. März, und Ostermontag, 22. April, wenn Hilfsbrücken für die Gleise über die Stellen errichtet werden, wo die neue Unterführung angelegt wird.

Die Anwohner, die man auf der Straße fragen kann, sorgen sich nicht wegen des Lärms. "Die Züge rauschen ja auch ständig durch", sagt eine Frau aus dem Lärchenweg. "Es muss sein und es geht ja auch wieder vorbei", meint eine Nachbarin. Möglicherweise sind die Leute an Baulärm gewöhnt. In der Straße sind etliche Neubauten zu sehen, zwei Doppelhäuser mit Garagen sind gerade im Rohbau fertig. Abgesehen von Arbeitern und Fahrzeugen der Firma Kassecker aus Waldsassen in der Oberpfalz, die mit dem Bahnhof beschäftigt sind, sieht man Handwerker und ihre Lieferwagen, die rundum arbeiten. Worüber sich eine Frau, die etwas weiter weg wohnt, aufregt, ist der Umstand, dass es früher schon mal einen Bahnsteig auf der Nordseite gab, der später abgerissen wurde. "Das sind doch letzten Endes alles Steuergelder, die da verbaut werden", rügt sie.

Auf der Südseite des Bahnhofs liegen Stützen aus Beton und Stahl, Drahtgeflechte sowie Bretter und Bohlen parat.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Fußgängerunterführung zwischen Buchenauer und Geschwister-Scholl-Platz bleibt während des Umbaus geöffnet, abgesehen von einer gesperrten Treppe. Was den Baustellenverkehr betrifft, so rechnet die Kommune mit im Schnitt 180 Fahrzeugen am Tag. Diese sollen auf zwei Zufahrtsstraßen verteilt werden, in denen abschnittsweise Parkverbote gelten. Im Lärchenweg sieht man die Schilder schon.

Was es nicht geben wird, ist ein zweiter Zugang von der Alt-Buchenau zur neuen Unterführung. Wer diese und damit die Aufzüge benutzen will, wird einige hundert Meter Umweg über den Buchenauer Platz in Kauf nehmen müssen. "Ein solcher Zugang wäre schön, aber nur zu verwirklichen, wenn eine Privateigentümer Grund abtritt", sagt Mirko Pötzsch (SPD), der Verkehrsreferent. Er freut sich, dass der Umbau endlich begonnen hat, aber ihn stören ebenso wie das Brucker Verkehrsforum einige Details. Die Initiative hat deswegen Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) am Donnerstag einen offenen Brief geschickt. Die "Minimalausführung" der Bahn AG beinhalte einige Nachteile für die Fahrgäste, die für die nächsten 50 Jahre festgeschrieben würden, weil der Stadtrat keine Gelegenheit gehabt habe, in die Detailplanung einzugreifen, heißt es darin.

So fehle ein Dach auf dem neuen Bahnsteig, die Treppe auf der Nordseite zum Durchgang im blauen Haus sei für Rollatoren, Rollstühle und Kinderwagen ungeeignet und die Rampe so situiert, dass Fahrgäste, die zur Bushaltestelle wollen, einen Umweg von 80 Metern haben. "Es gibt mehrere Zugangsbauwerke, die ausreichend breit und nach den aktuellen Richtlinien dimensioniert sind", erklärt die Bahnsprecherin dazu.

Der zweite Bürgermeister Christian Götz (BBV) stimmt der Kritik teilweise zu. Die Rampe findet er "suboptimal" platziert, er würde eine zweite ergänzen am östlichen Bahnsteigende. Von der neuen Plattform auf der Südseite werde eine etwa 25 Meter lange Rampe zum Buchenauer Platz gebaut, allerdings sei das ein Projekt der Stadt und deshalb nicht auf den Plänen der DB Netz eingezeichnet. Ob man unbedingt jede Plattform überdachen müsse, hält er für diskussionswürdig. Gar nicht nachvollziehen kann Raffs Stellvertreter die Vorwürfe von Pötzsch und dem Verkehrsforum, die Öffentlichkeit sei nicht ausreichend informiert und der Stadtrat habe über die Details nicht mitreden können. "Das mag sein, aber es ist fraglich, ob bei einem solchen Bauvorhaben die Details abgestimmt werden müssen. Die Bahn ist dazu nicht verpflichtet", sagt Götz. Im übrigen seien die Pläne öffentlich ausgelegen und es habe eine Informationsveranstaltung gegeben. Pötzsch hätte sich zwei solcher Termine gewünscht.

Wenn der barrierefreie Umbau vollendet ist, wird die Grünfläche am Buchenauer Platz samt kleinem Wertstoffhof wieder hergestellt.