Süddeutsche Zeitung

Barrierefreiheit:Rampe und Ampel ergänzen Unterführung

Eine "kleine Lösung" soll das Queren der Dachauer Straße vor der Kreisklinik in Fürstenfeldbruck ermöglichen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Es mutet an wie der gordische Knoten: Die Kreisstadt setzt alles daran, barrierefrei zu werden, um auch Rollstuhlfahrern oder Gehbehinderten den Weg frei zu machen. Ein verbliebenes Nadelöhr wird nun zumindest angegangen - auch wenn damit der Knoten nicht wirklich durchschlagen wird. Die Dachauer Straße wird nun in südlicher Richtung mit einer Rampe ausgestattet, durch die mehrere Treppenstufen ersetzt werden.

Viele Jahre schon beschäftigt sich die Politik in der Kreisstadt mit der Sache. Auf der nördlichen Seite liegt die Kreisklinik, auf der anderen Seite der Dachauer Straße fällt das Niveau mehrere Meter ab. Die Unterführung unter der Fahrbahn ist deshalb von beiden Seiten nur mit vielen Treppenstufen zu erreichen - und das, obwohl Richtung Stadtpark das Alten- und Pflegeheim Theresianum und das Awo-Seniorenzentrum Josefstift sowie die Grundschule-Mitte liegen.

Der zuständige Fachausschuss hat sich nach einer Ortsbesichtigung nun dazu entschlossen, den Niederbronner Weg so ansteigen zu lassen, dass die Dachauer Straße ohne Stufen erreichbar ist. Oben wird dann eine Druckknopfampel installiert, die das gefahrlose Queren der Fahrbahn ermöglicht. Die vorhandene Unterführung, die weiterhin genutzt werden kann und die direkteste Verbindung ohne Umweg von Theresianum Stadtpark oder Schule aus darstellt, wird in Teilen mit einem neuen Geländer ausgestattet. Die Baumaßnahmen werden auf etwa 230 000 Euro, die Ampel auf 70 000 Euro geschätzt. Einzig Thomas Brückner stimmte für eine Alternative. Er hätte sich mehrere kleinere Rampen auf dem Niederbronnerweg gewünscht, um den dortigen Nachbarn die Anhebung des Weges auf einem großen Teilstück zu ersparen. Diese Rampen hätten aber eine Steigung von zehn Prozent aufgewiesen statt der nun gewählten Variante mit sechs Prozent. Damit hätte Bruck nicht nur auf die Förderung verzichten müssen. Zehn Prozent seien für Rollstuhlfahrer zudem zu steil und im Falle von Vereisung im Winter eine Gefahr, so die Mehrheitsmeinung.

Im Verkehrsausschuss zeigten sich die Politiker zufrieden mit der Lösung, die Raum lässt für einen späteren Umbau der Fußgängerunterführung oder eine - allerdings sehr teure - Nachrüstung mit Aufzügen: Die bauliche Ertüchtigung der Unterführung wird auf etwa eine halbe Million Euro geschätzt, der Einbau von Fahrstühlen auf 700 000 Euro. Zudem besteht die Hoffnung, die Kreisklinik doch noch zu einem Grundverkauf bewegen zu können - das wäre die Voraussetzung für eine rollstuhlgerechte lange Rampe auf der Nordseite. Die nun beschlossene Rampe hält Christian Götz (BBV) für einen akzeptablen Kompromiss, ebenso wie Markus Droth (Freie Wähler), Alexa Zierl (ÖDP) und Hermine Kusch (BBV). Das sei immerhin "eine Verbesserung" gegenüber dem aktuellen Stand. Noch freilich ist unklar, was Anlieger davon halten, dass der Niederbronnerweg vor ihrer Haustür teil deutlich angehoben wird, um die gleichbleibende Steigung zu gewährleisten.

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Quelle:
SZ vom 23.11.2020
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