Kultur Wo Barbie sich neu erfinden darf

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Auszeit: Mit großen Kopfhörern entzieht sich Barbie den gesellschaftlichen Erwartungen.
Auszeit: Mit großen Kopfhörern entzieht sich Barbie den gesellschaftlichen Erwartungen. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Mit recycelten Materialien und überraschenden Details verleiht der Künstler Michael Kühne der Spielzeugikone nicht nur einen neuen Look, sondern befreit sie auch aus den Konventionen ihrer Rosa-Kitsch-Erwartungswelt.

Von Florian J. Haamann, Schöngeising

Barbie, die bekannteste Puppe der Welt, ist aktuell am Jexhof zu Gast. In Dutzenden Variationen, die selbst Fans und Sammler so noch nicht gesehen haben. Denn sie alle sind Unikate, geschaffen vom Herrschinger Künstler und Psychologen Michael Kühne, der sich seit vielen Jahren mit der Spielzeugikone beschäftigt. Für das Bauernhofmuseum durfte er seine bemerkenswerte Sammlung nun in einer Ausstellung mit dem Titel „Barbie – einmal anders. Die Entzauberung einer Prinzessin“ in Szene setzen.

Seine Figuren nennt er dabei liebevoll „Trash-Barbies“ weil sie an vielen Stellen mit der klassischen Vorstellung und Ästhetik der pinken Bilderbuch-Welt brechen. Die meisten von ihnen tragen keine klassischen Kleidchen, sondern quasi Kühne-Couture: Kleidung aus recyceltem Material, von Zeitungspapier über Gummibärchen bis hin Eschenholz-Spänen, die er aus der Werkstatt eines befreundeten Instrumentenbauers mitgenommen hat. Eine lokale Komponente bekommt die Ausstellung durch Videos mit Frauen und Mädchen aus dem Landkreis, die ihre Barbie-Geschichten erzählen.

Statt klassischer Kleidchen tragen die Barbies in der Ausstellung Kleidung aus recycelten Materialien.
Statt klassischer Kleidchen tragen die Barbies in der Ausstellung Kleidung aus recycelten Materialien. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Kühne befreit die Barbie aus ihrem Käfig aus vermeintlich heiler Welt und Bilderbuch-Kitsch, macht sie zu einem Individuum, das die „echte“ Welt – und sich selbst – erstmals so richtig entdecken darf. Die verschiedenen Teile der Ausstellung sind die Stationen dieser poppig-bunten Heldenreise. Die Botschaften, die dabei anhand von begleiteten Texten vermittelt werden, sind klar und plakativ. „1. Entdecke dich selbst. Steh zu dir. Sei zufrieden mit dir. 2. Du bist einzigartig. Sei dein eigener Star. 3. Sch... auf die Likes. Like yourself! 4. Finde einen Lebensstil, der zu dir passt“, ist dabei der Leitgedanke.

Ikone mit Vorbild: In einer Installation darf Barbie in die Rolle Batmans schlüpfen.
Ikone mit Vorbild: In einer Installation darf Barbie in die Rolle Batmans schlüpfen. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Und Barbie entdeckt viele Seiten, darf sich sogar selbst mal einen Superhelden zum Vorbild nehmen. Die Installation „Batwoman-Barbie“ zeigt sie mit Maske und schwarzem Umhang, platziert in einem alten Rettungsring, vor ihr ein Plüschungeheuer. „Ein paar Flugstunden Unterricht, einige wilde Eskapaden, ein Rettungsring für alle Fälle: und fertig ist Batwoman. Jetzt stehen Abenteuern der anderen Art nichts mehr entgegen“, heißt es dazu.

Kühne greift auch die Debatte um Geschlechteridentitäten auf.
Kühne greift auch die Debatte um Geschlechteridentitäten auf. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Immer wieder verpackt Kühne in seinen Installationen gesellschaftspolitisch aktuelle Themen. Der brave, softe Ken wird zum selbstbewussten Typen, umringt von Sportwagen und Bewunderern. Gehüllt ist er in ein archaisches Blätterkleid. Der moderne Mann auf der Suche nach seiner Rolle in einer Plastik-Nussschale sozusagen.

Noch deutlicher in die Debatte um Geschlechteridentitäten taucht Kühne ein, wenn er Barbie in Männerkleidung mit einem Bagger spielen lässt und Ken daneben in einem Kleid sitzt, mit langem blondem Haar und einer Meerjungfrau im Arm. An anderer Stelle darf sich Barbie mit großen Kopfhörern eine Auszeit vom gesellschaftlichen Druck nehmen, der auf ihr lastet – ausgedrückt durch Boulevard-Schlagzeilen, die um sie herum verteilt sind. Und bei einer Party mit ihren Freundinnen darf sie sich mal so richtig austoben.

„Barbie – einmal anders“ zeigt also, wie sich Klischees hinterfragen und Grenzen spielerisch überschreiten lassen. Die Trash-Barbies erzählen von Kreativität, Nachhaltigkeit und dem Mut, Konventionen aufzubrechen.

Ausstellung „Barbie – einmal anders“ am Bauernhofmuseum Jexhof, zu sehen bis 23. Februar 2025, dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr

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