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Azubi-Wettbewerb:Vom schnellen Menü bis zu klaren Fenstern

In Puch messen sich die bundesweit besten Auszubildenden der Hauswirtschaft im Finale des Berufswettbewerbs. Zehn junge Frauen stellen ihr Wissen und praktisches Können beim Kochen, Reinigen und Planen unter Beweis

Vor dem Kochen haben die jungen Frauen den größten Respekt. Mindestens drei Gänge für ein Büffet für fünf Personen sind gefordert, und die sollen mit regionalen Produkten der Saison zubereitet werden und landestypisch sein. Dazu müssen die zehn angehenden Hauswirtschafterinnen in einer fremden Küche kochen, in der der Hauswirtschaftsschule des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Puch.

Dort findet noch bis Mittwoch der Bundesentscheid im Berufswettbewerb Hauswirtschaft der deutschen Landjugend statt. Die zehn Frauen im Alter zwischen 19 und 24 Jahren sind Landessiegerinnen in dem Bundesland, aus dem sie kommen. Es sind die besten Zehn von etwa 1000 Teilnehmerinnen bundesweit. Der Wettbewerb ist nicht neu für sie. Vor dem Kochen haben sie dennoch Respekt. Denn dabei kann viel schiefgehen, und zudem schauen ihnen ständig die Jurorinnen über die Schulter, die ebenfalls aus dem ganzen Bundesgebiet nach Puch gekommen sind.

Prüferin Sonja Hochmann (links) beobachtet Katharina Beil beim Kochen. Hinten bereitet Tabea Sackmann ihre Baguettes vor

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In der Küche teilt Margarida Monteiro aus Bischofswerda in Sachsen gerade einen Krautkopf. Sie wird eine Spitzkohl-Hackfleisch-Rolle zubereiten, dazu Reis, Weißweinsauce und ein Dessert mit Erdbeeren. Am nächsten Platz bereitet Katharina Beil, 24, aus Niederding im Landkreis Erding Rohrnudeln vor, und am dritten Platz formt die 19-jährige Tabea Sackmann aus Rotenburg an der Wümme in Niedersachsen schon ihre Kräuterbaguettes. Die jungen Frauen mussten auch einen Arbeits- und Zeitplan anfertigen. Der ist notwendig, denn die Zeit ist knapp bemessen - nur zwei Stunden haben sie für ihre Gerichte Zeit. Auch eine Kostenkalkulation und die Rezepte gehen in die Bewertung ein, dazu müssen die Speisen natürlich ansprechend präsentiert werden.

Margarida Monteiro blanchiert Krautblätter.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Andere arbeiten zu zweit in der Teamprüfung. Aus drei Aufgabenstellungen haben sie eine gezogen. Sie sollen bei einer Mitmachaktion eine hauswirtschaftliche Tätigkeit vorstellen, die Besucher einbeziehen und die professionelle Arbeitsweise der Hauswirtschaft vermitteln. Ein Team wird vorstellen, mit welchen Geräten und Reinigungsmitteln man Fenster schnell wirklich sauber bekommt, ein anderes, wie man eine festliche Kaffeetafel für sechs Personen deckt. Und schließlich gilt es noch, Wäsche zum Waschen vorzubereiten. Das ist anspruchsvoller, als es klingt. Denn es geht dabei beispielsweise auch um infektiöse Wäsche, die besonders behandelt werden muss.

Beim Decken sollte eine passende Blumendekoration zum Einsatz kommen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Für die jungen Frauen hat der Tag schon früh begonnen. Um 7.15 Uhr stand die theoretische Prüfung an, bei der es sowohl um berufsspezifische Fragen ging wie auch um Allgemeinwissen. Wer den Roman "Die Blechtrommel" geschrieben hat, war eine dieser Fragen. Die Antwort - Günther Grass - wussten Patricia Gacek aus Hollenbach in Baden-Württemberg und Johanna Oelgeschläger aus den niedersächsischen Bohmte nicht, aber sonst sei es ganz gut gelaufen, sagen sie. Beide haben ihre zehnminütige Präsentation schon hinter sich, eine weitere Prüfungsaufgabe, auf die sie sich vorbereiten konnten. Es gilt, die eigene Einrichtung mit allen Aufgaben der Hauswirtschaft vorzustellen und schließlich mit den Besuchern - in diesem Fall drei Prüferinnen - das Gespräch darüber zu suchen.

Beim Teamwettbewerb geht es ums professionelle Fensterputzen

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die beiden jungen Frauen, und auch Anna Frahm aus Dithmarschen in Schleswig-Holstein, bedauern, dass ihr Beruf den Ruf hat, nicht besonders spannend zu sein und dass viele glauben, dabei gehe es nur ums Putzen. "Das Bild ist ganz falsch", sagt Gacek, der Beruf sei sehr vielfältig. Sie selbst ist in ihrer Einrichtung in die Betreuung von Kindern und Jugendlichen einbezogen. Und man lerne beispielsweise auch viel über Ernährung: für Kleinkinder und Senioren ebenso wie für Kranke oder gesunde Erwachsene. "Es steckt was dahinter", erklärt Oelgeschläger. Hauswirtschaftsmeisterinnen arbeiten in Seniorenheimen, Kurhotels oder Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, sie können sich mit einem Partyservice oder als Caterer selbständig machen, als Dorfhelferin oder Lehrerin arbeiten.

Auch das Decken einer Kaffeetafel mit schöner Tischwäsche wird bewertet.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Tätigkeit bekannter zu machen, ist eines der Ziele des Berufswettbewerbs, der heuer erstmals in Puch stattfindet. In der gesamte Region rund um den Ammersee stellen derzeit 90 Auszubildende und Fachschüler der Sparten Land-, Tier-, Forst- und Hauswirtschaft ihr Können unter Beweis. Die Jugendmeisterschaften für Weinbau finden in Baden-Württemberg statt. Der Berufswettbewerb wird alle zwei Jahre ausgetragen und findet heuer zum 34. Mal statt. Angefangen bei der Kreisebene haben sich daran heuer 10 00 junge Leute beteiligt. Neben allem beruflichen Ehrgeiz soll auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Deshalb gibt es auch Exkursionen und Partys. Die Gewinner der Wettbewerbe werden am Mittwoch bekannt gegeben. Sie fahren zur Grünen Woche nach Berlin.