Landgericht München:Versuchter Mord nach Autokauf

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Landgericht München: Aktenstapel auf einer Richterbank bei einem Prozess.

Aktenstapel auf einer Richterbank bei einem Prozess.

(Foto: Imago/Deutzmann)

Ein Arbeiter soll in Maisach versucht haben, einen Kollegen umzubringen, nachdem es wegen eines Kaufvertrags zum Streit gekommen war. Nun muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Von Andreas Salch, Maisach

Thomas Sch. soll versucht haben, einen Kollegen an seinem Arbeitsplatz in Maisach heimtückisch zu ermorden, indem er ihm mit einem Metallteil von hinten auf den Kopf schlug und ihn würgte, bis der Attackierte fast keine Luft mehr bekam. Die mutmaßliche Tat ereignete sich bereits im Juli 2020. Thomas Sch. wurde festgenommen. Es erging Haftbefehl und er kam in Untersuchungshaft in die Justizvollzugsanstalt in München-Stadelheim. Dort nahm das Leben des 45-Jährigen eine dramatische Wende. Thomas Sch. stürzte von einem Hochbett in seiner Einzelzelle kopfüber auf den Boden und verlor das Bewusstsein. Erst drei Wochen später kam er wieder in einem Krankenhaus zu sich. Wie es zum dem tragischen Unfall kam ist bis heute unklar. Auch Thomas Sch. weiß es nicht. Er hat keinerlei Erinnerung mehr an das Geschehen. Bei dem Sturz aus dem Hochbett hatte sich der Verschalungstechniker so schwer verletzt, dass er seither von der Brust abwärts querschnittsgelähmt ist. Arme und Hände kann er nur noch etwas bewegen. Seit diesem Donnerstag muss sich Sch. für die mutmaßliche Attacke auf seinen Arbeitskollegen am Abend des 10. Juli 2020 in Maisach vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II verantworten.

Es ist kurz nach 9.30 Uhr, als zwei Pfleger und eine Pflegerin den 45-Jährigen auf einer Trage in den Schwurgerichtssaal schieben. Die beiden Pfleger und ein Justizwachtmeister hieven Sch., der unter einer violetten Decke mit weißen Sternen liegt, von der Trage auf ein bereitgestelltes Krankenbett, das quer zum Zuschauerraum steht und lagern ihn so, dass er zum Richtertisch schauen kann. Nachdem der Vorsitzende, Richter Thomas Bott, die Verhandlung eröffnet hat, erkundigte er sich als erstes bei Thomas Sch., wie es ihm geht. "Machen wir weiter", erwiderte der 45-Jährige etwas angestrengt.

Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass nach Abschluss eines Kaufvertrages über einen Personenwagen, den Sch. und sein Arbeitskollege geschlossen hatten, es kurze Zeit später zu Unstimmigkeiten hinsichtlich der Vertragserfüllung gekommen sei. Anfangs sollen es verbale Auseinandersetzungen gewesen sein. Doch am 10. Juli 2020 sei die Situation eskaliert. Thomas Sch. hatte an jenem Tag gegen 14 Uhr Schichtende und verließ das Betriebsgelände in Maisach. Danach habe er "nicht ganz unerhebliche Mengen Alkohol" getrunken haben, heißt es in der Anklage. Am frühen Abend, gegen 20.30 Uhr, soll er zurück zur Firma gegangen sein. Dort, so die Staatsanwaltschaft, habe er womöglich spontan den Entschluss gefasst, seinen 38-jährigen Kollegen zu töten.

Thomas Sch. soll seinem Opfer im Vorraum vor den Umkleidekabinen aufgelauert und es sofort attackiert haben. Als er mit einem länglichen Metallteil auf seinen Kollegen eingeschlagen habe, ging dieser zu Boden. Dabei soll Sch. unter anderem geschrien haben: "Ich mache dich tot, Du hast keine Chance." Nach Schlägen auf Kopf, Rücken und Arme, habe der Angeklagte seinen Kollegen so sehr gewürgt, dass dieser Atemnot und Todesangst verspürt habe. Dem 38-Jährigen gelang es jedoch sich loszureißen und sich in einem Büro in Sicherheit zu bringen, wo ein anderer Kollege die Tür verschloss, so dass Thomas Sch. nicht eindringen konnte. Das Opfer erlitt unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma und ein Kehlkopftrauma infolge des heftigen Würgens und leidet bis heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Thomas Sch. machte zum Auftakt der Verhandlung keine Angaben zu den Vorwürfen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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