Maisach:Angeklagter bestreitet versuchten Mord

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Maisach: Das Urteil des Landgerichts München II wird in der kommenden Woche erwartet.

Das Urteil des Landgerichts München II wird in der kommenden Woche erwartet.

(Foto: Volker Hartmann/dpa)

Landgericht München verhandelt gegen einen 45-Jährigen wegen eines angeblichen Angriffs mit einer Metallstange auf einen Arbeitskollegen.

Von Andreas Salch, Maisach, München

Thomas Sch. liegt in einem Bett im Saal B 266 am Landgericht München II, blickt zur Decke, redet und gestikuliert dabei mit beiden erhobenen Armen in der Luft. Der 45-Jähirge ist seit einem tragischen Unfall während seiner Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim von der Brust an querschnittsgelähmt. Sch. war aus ungeklärten Gründen in seiner Einzelzelle aus einem Hochbett gefallen und mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen. Seit vergangener Woche muss sich der 45-Jährige vor dem Schwurgericht verantworten, weil er laut Anklage der Staatsanwaltschaft im Juli 2020 versucht haben soll, einen Arbeitskollegen heimtückisch zu ermorden - an seinem damaligen Arbeitsplatz in einer Maisacher Firma. Thomas Sch. fühlte sich angeblich von seinem Kollegen hintergangen, dem er gut vier Wochen vor der Tat einen Gebrauchtwagen abgekauft hatte. In seiner Erklärung, die von seinem Verteidiger Leonhard Graßmann verlesen wurde, bestreitet Sch. "entschieden", dass er das Opfer "hinterrücks angegriffen" habe.

Bereits kurz nachdem der Verkauf des Kleinwagens abgeschlossen war, soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein. Bei der Übergabe des Autos habe ihm sein Kollege weder die Schlüssel noch die Fahrzeugpapiere gegeben, berichtete Sch. dem Gericht. Gleichzeitig habe ihn sein Kollege gedrängt, dass er den Wagen endlich auf sich zulasse, so der 45-Jährige. Erst am 5. Juli 2020, rund vier Wochen nach dem Kauf, habe der Kollege ihm die Fahrzeugpapiere übergeben. Fünf Tage später habe er ihm dann die Wagenschlüssel bei der Arbeit "vor die Füße geworfen", so Sch. Nach Schichtende an jenem 10. Juli 2020 habe er gegessen und an einem Imbiss sieben Dosen Bier und einen Schnaps getrunken. Dann habe er den Entschluss gefasst, sich mit seinem Kollegen noch am selben Tag zu "versöhnen". Doch es kam anders. Als er von dem Imbiss zurück an seine Arbeitsstelle kam, so der Angeklagte, sei ihm sein Kollege "mit grimmigem Gesicht und geballten Fäusten" im Flur entgegengekommen. Es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung, bei der beide Männer zu Boden gingen. Thomas Sch. erlitt einen Rippenbruch. Eine Streife der alarmierten Polizei beendete den Streit. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll Sch. aber seinem Kollegen aufgelauert und mit einer Metallstange attackiert haben. An den Schilderungen des 45-Jährigen hat das Gericht Zweifel. Denn Zeugen zufolge soll es in der Vergangenheit schon öfters zu "alkoholischen Ausrastern" des Angeklagten gekommen sein, nachdem er viel getrunken hatte. Bei seiner vorläufigen Festnahme hatte Sch. eine Blutalkoholkonzentration von 1,7 Promille. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, wie er sich gefühlt habe, antwortete er: "Eigentlich war ich nicht so betrunken." Ein Urteil in dem Prozess wird für kommende Woche erwartet.

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