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Auszeichnung:Die wöchentliche Zeitspende

Die Stadt Puchheim bedankt sich bei 110 jungen Menschen für ihren ehrenamtlichen Einsatz mit einer Urkunde und Gutscheinen. Die Jugendlichen sind etwa bei der Feuerwehr, reparieren Fahrräder oder lösen Computerprobleme

Stolz steht Franziska Manhart neben ihren Mitstreitern von der Freiwilligen Feuerwehr Puchheim-Ort auf der Bühne. Alle werden für ihr ehrenamtliches Engagement von Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) beglückwünscht und geehrt. Geehrt werden an diesem Abend im Jugendzentrum "Stamps" 110 Jungen und Mädchen im Alter von zwölf bis 21 Jahren aus Puchheimer Vereinen, Schulen und Organisationen. Alle Geehrten bei "Puchheim sagt danke" mussten mindestens 50 Stunden im Ehrenamt pro Jahr absolviert haben; geprüft und abgezeichnet von ihrer jeweiligen Einrichtung. Organisiert hat die Veranstaltung Daniela Schulte, Ehrenamtskoordinatorin der Stadt, zusammen mit dem Jugendbeirat, für den Christina Wagner ein kurzes Grußwort hält.

"Jede Woche eine Stunde Arbeit im Ehrenamt, da bleibt auch noch Zeit für Netflix", scherzt Seidl auf der Bühne im dicht gefüllten Stamps-Saal. Viele Jugendliche sind mit ihren Eltern gekommen. Der Bürgermeister spricht dann von einer "Win-Win-Situation", die eine freiwillige Tätigkeit der Jugendlichen erzeuge. "Das Ehrenamt ist das Plus, der Klebstoff für das Miteinander", so Seidl. Franziska Manhart ist erst 15 Jahre alt, aber schon drei Jahre bei der Feuerwehr. "Ich habe mich sofort in die Feuerwehr verliebt", sagt sie. Ein-, zweimal die Woche ist sie dort. "Es ist einfach außergewöhnlich und eine schöne Gemeinschaft", schwärmt die Schülerin. Weitere fünf Mädchen sind in Puchheim-Ort mit ihr bei der Feuerwehr dabei. "Wir fühlen uns als Mädchen alle voll akzeptiert", bekräftigt Franziska Manhart, auch wenn sie alle zunächst noch lernen und zuschauen, weil sie erst mit 18 Jahren an richtigen Einsätzen teilnehmen können.

Ehrung Puchheimer Jugend

Bürgermeister Norbert Seidl ehrt junge Menschen für ihr Engagement.

(Foto: Günther Reger)

Die Lobkultur im Bereich Ehrenamt ist bereits zuvor in Puchheim sehr ausgeprägt gewesen. "Wir veranstalten alle zwei Jahre die Bürgerehrung mit Bürgermedaille und Bürgerring als Auszeichnung", erläutert Jens Tönjes, der berufsmäßige Stadtrat. Zweimal gab es auch schon den Puchheimer Ehrenamtspreis. Im Dezember dieses Jahres findet er erneut statt. "Man muss früh anfangen und auch für kleines Ehrenamt Anerkennung zollen", sagt Tönjes überzeugt. . Das schaffe zusätzliche Motivation, dass sich die jungen Menschen auch später entsprechend engagieren.

10 300 Ehrenamtsstunden bringen die jungen Geehrten zusammen. Sie halten stolz ihre Mappe mit einer Urkunde in der Hand. Sehr interessiert sind sie auch an den acht Gutscheinen, die in der Mappe liegen. Fünf Euro können sie beim Cafe Schönleben oder im Schokolädchen einlösen, zehn Euro in der Buchhandlung Bräunling. Freies Popcorn und ein Getränk gibt es im Gröbenzeller Kino, ein mittelgroßes Eis in der örtlichen Eisdiele oder eine Hendlmarke von der Stadt für das nächste Volksfest im April 2020. Dass es für den Dönerladen einen Fünf-Euro-Gutschein gibt, freut auch Justin Althans. Der 15-jährige Realschüler ist in der "Bike-Factory" seiner Schule tätig, er repariert Fahrräder. 60 Stunden hat ihm die Schule bescheinigt. "Wir reparieren die Fahrräder der Mitschüler, aber auch der Lehrer", erzählt Althans. Auf der Bühne unterhält sich Seidl gerade mit Fabian Dietrich, der zur "IT-Crowd" des Puchheimer Gymnasiums gehört und schon mal Lehrern bei der Bewältigung von Internetproblemen zur Seite steht.

Ehrung Puchheimer Jugend

Zwei von den Geehrten sind Franziska Manhart und Justin Althans, eingerahmt von Jusra Al-Kaisi (links) und Daniela Schulte.

(Foto: Günther Reger)

Gut gelaunt beobachtet auch Jusra Al-Kaisi die Szenerie. Nach und nach finden sich alle zu ehrenden Jugendliche auch aus der Mittelschule, vom FC und den Sportfreunden Puchheim, von der evangelischen und katholischen Jugend, der Freiwilligen Feuerwehr Puchheim-Bahnhof oder dem Jugendrat auf der Bühne ein. Al-Kaisi ist die Geschäftsführerin, der 2018 gegründeten Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern. "Wir fördern Ideen und Projekte in diesem Bereich", erläutert Al-Kaisi. Für diese Veranstaltung "Puchheim sagt danke" habe man 5000 Euro gestiftet.

© SZ vom 29.10.2019
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