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Ausstellung:Weber, Seiler, Besenbinder

Die Sonderausstellung in der Furthmühle zeigt, was ein Schuster vormals benötigte, um sein Handwerk auszuüben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Furthmühle zeigt Exponate zu altem Handwerk in den Dörfern

Die Dörfer um die Furthmühle an der Glonn sind bäuerlich geprägt und bis heute dominiert trotz allen Wandels die Landwirtschaft. Dennoch gab es in allen Orten seit jeher neben auch "Unbehausten", Nicht-, Klein- und Vollbauern auch eine Vielfalt von Handwerksbetrieben, die modern gesprochen, als Dienstleister unentbehrlich waren, heute aber weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft ließ überdies den Anteil der Tagwerker in den Dörfern ansteigen. Die sehenswerte und informative Sonderausstellung "Altes Handwerk in unseren Dörfern" in der Furthmühle wurde am Freitag von Landratsstellvertreterin Martina Drechsler in Anwesenheit von Bürgermeistern dies- und jenseits der Glonn und damit der Landkreisgrenze zu Dachau eröffnet.

Der Förderverein Furthmühle will mit Exponaten aus den umliegenden Orten, Leihgaben anderer Museen, historischen Abhandlungen und Zeitzeugenberichten in Erinnerung rufen, welches Handwerk und welche Berufe in den Dörfern zur Unterstützung der Bauern und aller Haushalte um 1800 und zum Teil auch noch in den 1950er Jahren ausgeübt wurden. "Manches einst vorhandene Handwerk lässt sich nur noch anhand der Hausnamen aufspüren", weiß Egenhofens Kulturreferent Martin Obermeier, der mit Unterstützung von Mühlenbesitzer Albert Aumüller und weiteren sieben Helfern die Ausstellung kuratierte.

So erfährt man, dass es 1803 in fast allen Nachbarorten von Aufkirchen über Unterschweinbach und Wenigmünchen bis hinauf nach Einsbach im Dachauer Land einen Schmied gab, der - wie auch der Wirt, der in keinem Dorf fehlen durfte - als "Ehaft-Gewerbe" offiziell genehmigt war. Welche Werkzeuge der Schmied benutzte und was er alles zu tun hatte, wird erklärt, ebenso erhält man Einblicke in Werkstätten und Arbeitsbereiche von meist ausgestorbenen Handwerken wie Weber, Seiler, Wagner, Korbflechter, Rechenmacher. Rotgerber, Hafner, Schleifer, Besenbinder oder Bettermacher, der die katholische Bevölkerung mit Rosenkränzen versorgte. Aufgebaut ist eine komplette Schusterei, angeblich das am zweithäufigsten vertretende Handwerk in den Dörfern, wobei im Durchschnitt auf je 179 Landbewohner ein Schuster gekommen sein soll. Einen Bader, der schon damals - wie an einem Arztkoffer ersichtlich -, mit technischen Hilfsmitteln operierte und mit allerlei Arzneien kurierte, gab es um 1800 nur in Unterschweinbach, Rottbach und Einsbach. Aufgezeigt wird, dass in Egenhofen um 1950 etwa 25 verschiedene Berufe ausgeübt wurden. Darunter auch noch der Bettermacher sowie Schweizer (Stallknecht) oder der "Schuasta-Jackl" und der "Soafasieder".

Eine Abteilung widmet sich dem "Auf die Stör gehen", um daran zu erinnern, das noch nach dem Zweiten Weltkrieg Näherinnen, Schneider, Sattler oder Schuhmacher von Dorf zu Dorf und von Haus zu Haus zogen und sich als Stubenarbeiter verdingten. Berichtet wird auch über die ersten Maurer im Dachauer Land, ein Beruf, der erst Anfang des zweiten Jahrtausends aufkam, um von alten, leicht entzündbaren Holzbauten wegzukommen. Die unter Denkmalschutz stehende romanische Kirche auf dem Pertersberg bei Erdweg soll der erste Steinbau in der Region gewesen sein. 1270 sei als erster nichtkirchlicher Steinbau die Steinmühle in Dachau nachgewiesen. Dargestellt wird auch, dass im 13. Jahrhundert die ersten Ziegeleien entstanden und das Kloster Fürstenfeld beim Zellhof an der Amper Ziegel herstellen ließ. Mitkuratorin Anna-Maria Neider hat die Ausstellung überdies mit einem Quiz zum Beruferaten und einer Sammlung von Sprüchen ergänzt, die sich aus alten Handwerken ableiten lassen.

Ausstellung "Altes Handwerk in den Dörfern". Geöffnet sonn- und feiertags, 13.30 bis 17 Uhr, bis 24. November. Furthmühle Egenhofen