Ausstellung Spiel mit Licht und Form

Aus konkreten Motiven werden bei Oronzo Montedoro mal mehr, mal weniger abstrakte Formen, die stets farbprächtig sind.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Fotograf Oronzo Montedoro zeigt im Isar-Amper-Klinikum seine Werke

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Schon alleine der Name klingt poetisch: Pittura con la luce - "Malerei mit dem Licht" also. Und das, was sich dahinter verbirgt, ist nicht weniger lyrisch, wie eine Ausstellung im Fürstenfeldbrucker kbo-Isar-Amper-Klinikum zeigt. Dort präsentiert der in Italien geborene Künstler Oronzo Montedoro seine ganz besonderen Fotografien.

Es sind tatsächlich Malereien mit Licht, die er erschafft. Dafür spaziert er durch die Städte und Landschaften seiner Heimat, in diesem Fall vor allem Venedig und Gallipoli in Apulien, um dort Plätze, Gassen und Menschen zu fotografieren. Aber eben mit einer besonderen Technik. Er belichtet die Szenen länger als gewöhnlich, etwa eine Sekunde, und bearbeitet die entstandenen Bilder dann intensiv am Computer. Heraus kommen Fotografien, die in den meisten Fällen eher an Gemälde erinnern. Einige lassen das "reale" Motiv noch mal mehr, mal weniger deutlich erkennen, etwa den Markusplatz, andere sind so stark verändert, dass sie nur noch Formen und Farben zeigen.

Die Bilder sind deshalb gleich doppelt interessant. Einmal, weil es große Freude macht, zu rätseln, was für ein Motiv die Bilder zeigen könnten, und zum anderen, weil jedes eine andere, kraftvolle Atmosphäre und Stimmung erzeugt.

So verwandelt sich eine schmale Gasse im Tageslicht zu einer gleißenden Lichtschneise. Im Mittelpunkt ist schemenhaft der Umriss eines Menschen zu sehen. Wie eine Geistergestalt tritt er aus dem Licht - oder gar hinein? Nicht weniger mystisch wirkt eine von Montedoros Waldaufnahmen. Wie Schlieren fließen die Stämme durch das Bild, die Szenerie erinnert an düstere Märchen oder Horrorfilme. Sehenswert sind aber auch die durchweg abstrahierten Bilder. In ihnen spielen verschiedenste Formen und Effekte miteinander, es bilden sich Wolken und Rauchschwaden aus knalligen Farben.

Dass die Ausstellung in der psychiatrischen Klinik zu sehen ist, gehört zum Konzept der Einrichtung. "Unsere Idee ist es, die Grenze zwischen Außen und Innen aufzuweichen, den Menschen einen Einblick zu geben und gleichzeitig unseren Patienten eine Ventilation nach außen zu ermöglichen", erklärt Chefarzt Nicolay Marstrander das Konzept. Deshalb sollen dort künftig regelmäßig Kunstausstellungen stattfinden. Werke, die von den Patienten stammen, sollen dabei genauso gezeigt werden wie die Arbeiten externer Künstler. Etwa drei Ausstellungen pro Jahr kann sich der Chefarzt vorstellen.

Bei der Vernissage, zu der neben einigen Patienten auch zahlreiche interessierte Besucher gekommen waren, stellte Marstrander eine Verbindung zwischen den Werken und der Situation der Patienten her. Zum einen sei da die Welt, die man als Baby und Kind erst schemenhaft wahrnimmt, genau wie die Motive in den Fotografien, ein Spiel zwischen Licht und Schatten. Erst mit der Zeit entwickle man daraus eine eigene Realität. Zum anderen sei es ja so, dass man oft durchs Leben laufe und sich sicher sei, dass etwas genau so ist, wie man es wahrnimmt. "Aber manchmal ist es so, dass wir Dinge, die wir als gegeben erlebt haben, dann doch anders sind". Es gehe darum, damit umzugehen, dass die eigene Wahrnehmung sich nicht immer mit der Realität deckt. Manchmal sei das klarer und manchmal weniger klar. Dann kommt es darauf an, zu lernen, wie man mit solchen Situationen umgeht.

Ausstellung der Fotokunst von Oronzo Montedoro, kbo-Isar-Amper-Klinikum Fürstenfeldbruck, Stadelberger Straße 16-22, zu sehen bis zum 31. Mai tagsüber in den Gängen im Untergeschoss.