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Ausstellung:Sehenswerte Winterbilder

Schutz vor der Kälte: Hilda Ferrer hat ihren Tonfiguren Schals um die Schultern gelegt.

(Foto: Günther Reger)

Künstlerinnen zeigen in Grafrath ihre Arbeiten

Die erste Hälfte des Winters ist rum, und dass die zweite Hälfte noch viel Schnee und klirrende Kälte bringen könnte, halten Wetterpropheten eher für unwahrscheinlich. Gut daher, dass man sich derzeit im Kulturraum in Grafrath ein Bild davon machen kann, wie sich der Winter früher präsentierte und wie er von Künstlern und Hobby-Fotografen aus der Region festgehalten wurde. Kulturreferentin Sybilla Rathmann hat mit ihren Helfern die sehenswerte Ausstellung "Winterbilder" kuratiert, in der anhand von Fotos, Gemälden, Grafiken und Skulpturen der "schöne Winter" in vielen Facetten veranschaulicht wird. "Mir ist aber auch wichtig, den Besuchern zu zeigen, dass es in der Region viele erfolgreiche Künstler gibt", sagte Rathmann bei der Eröffnung mit Bürgermeister Markus Kennerknecht. "Außerdem sollen die Veranstaltungen im Kulturraum immer wieder Menschen zusammenbringen".

Hilda Ferrer hat ihren "Kreationen aus Ton" einen Kragen oder eine Stola über Hals und Schultern gelegt, um sie vor der winterlichen Kälte zu schützen, eine davon trägt einen Pelzmantel. Faszination lösen die Fotos von Anna Gauck aus Schöngeising aus. Bei einem Winterurlaub in Norwegen hatte sie die in ein tiefes Orange-Rot getauchte Mitternachtssonne und das Polarlicht in schönsten Grün- und Türkistönen eingefangen. "Eine gute Kamera und ein Stativ braucht man dazu schon", sagt Gauck. Die erfahrene Malerin und Designerin Claudia Hassel, Leiterin der Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck/Haus 10, hat die steilen und karstigen Wände, in den sich das ganze Jahr über der Schnee hält, aus der Erinnerung gemalt. Ich war dort auf Ski-Tour und habe die gewaltigen Eindrücke von der spitzen und karstigen Felsformation aus dem Gedächtnis auf die Leinwand gebracht", erzählte sie.

Wie fünf andere Aussteller hat sie ihr Atelier im Bella-Martha-Kunsthaus auf dem Gelände des Sozialwerks Marthashofen. Auch Lena Keller arbeitet dort. Sie untersucht Strukturen und atmosphärische Elemente von Malerei und Zeichnung und lässt mehr gedachte Landschaften entstehen, in denen man die Wirklichkeit aber noch erkennen kann. Mit einer über einen Quadratmeter großen Schneewiese, mit Grafit auf Papier gebracht, schickt die Künstlerin die Besucher der Ausstellung "auf Erkundungstour nach dem Verhältnis von konkreter Wirklichkeit und Abstraktion".

Etwa 30 Künstler und Fotografen zeigen eine Auswahl ihrer schönsten Werke. Helma Dreher aus Kottgeisering hat das Amperufer festgehalten, als sich die Sonnenstrahlen in den Eiskristallen des Raureifs auf Pflanzen brachen. Gerhard Gauck aus Schöngeising hat ein stimmungsvolles Foto von der Pfarrkirche der Ampergemeinde in weißer Landschaft beigesteuert und Harald Lehner ein Rollbild, das den goldenen Pavillon "Kinkakuji" in Kyoto in winterlicher Umgebung zeigt.

"Prüfende Blicke" will die Ausstellungsmacherin Sybilla Rathmann mit einem Foto von der Wallfahrtskirche Sankt Rasso in Grafrath erreichen, die sich in der Amper spiegelt. "Ich habe es verkehrt rum aufgehängt, weil es auch so eine besondere Stimmung ausstrahlt, nur wer genau hinsieht, wird erkennen, dass das Bild auf dem Kopf steht", sagte Rathmann. Von der Malerin Cornelie Wolff stammen Winterlandschaften. Ein Bild zeigt tropfende Eiszapfen im Sonnenlicht, und auf einem Gemälde wird daran erinnert, dass man im Winter Skifahren und Schlittschuhlaufen können sollte.

© SZ vom 23.01.2020
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