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Ausstellung:Baumwelten

Lorenz bearbeitet ihre Fotografien von Baumrinden so stark, dass dabei etwas ganz Neues entsteht.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Foto-Ausstellung in der psychiatrischen Klinik

Ganz nah geht die Künstlerin Veronika Lorenz an die Objekte ihrer Bilder heran. So nah, dass der Betrachter auf den ersten Blick gar nicht erkennt, was da zu sehen ist. So stark verfremdet sie ihre Fotografien im Nachhinein, dass das festgehaltene Motiv quasi in den Hintergrund tritt, zu Gunsten von fantastischen, teils surrealen Landschaften. Und doch liegt Lorenz' Fotografien immer etwas Konkretes zu Grunde: Bäume. Oder besser gesagt deren Rinde. Was sie daraus macht, ist aktuell in einer Ausstellung in der psychiatrischen Klinik in Fürstenfeldbruck zu sehen. Es ist mittlerweile die dritte Ausstellung, die dort im Untergeschoss vor der Cafeteria gezeigt wird. Die Präsentation interessanter Künstler dort soll Interessierten auch die Möglichkeit geben, einmal einen Blick ins Innere der Klinik zu werfen.

In den Oberflächen der Baumrinde lässt Lorenz viele neue Welten entstehen. Spannend ist dabei, dass jeder Betrachter darin etwas anderes erkennen kann. Wo der eine die Vogelperspektive eines grünenden Mooses sieht, spaziert für den anderen ein Mensch entlang eines kleinen Baches. Ein anderes Bild, gehalten in Rot-, Braun- und Grüntönen erinnert an eine Wüstenlandschaft, in der nach einem starken Regen kurzzeitig die Vegetationen den staubigen Boden durchbricht.

Diese Effekte erreicht Lorenz ausschließlich durch die Änderung von Belichtung und Farbsättigung in den fertigen Fotografien. Intensiv spielt sie am Rechner mit diesen Werten, bis sie aus dem Bild das herausgeholt hat, was sie beim Spazierengehen im Wald selbst in der jeweiligen Szene gesehen habe, wie sie erzählt. Änderungen an den Strukturen nimmt sie nicht vor, auch "malt" sie nichts in die Fotografien hinein, betont sie.

"Der Baum ist ein archaischer Bestandteil der Kulturgeschichte und spielt auch in der psychiatrischen Arbeit als Symbol oft eine Rolle, schlägt Klinikchef Nicolay Marstrander in seiner Eröffnungsrede den Bogen zwischen den Motiven und der Arbeit in seinem Haus. "Die Nahaufnahmen führen dazu, dass wir als Betrachter nicht in die klassischen Objektmuster verfallen, sondern herausgefordert sind, genau hinzuschauen, was da jetzt wirklich ist". Ganz so, wie es in der psychiatrischen Arbeit darum gehe, das Individuum als solches zu betrachten. "Es gibt auch der Welt etwa sieben Milliarden verschiedene innere Lebenswelten. Mit großen Begriffen wie Depression, versuchen wir dann, sie zu sortieren". Doch diese Systematisierung könne immer nur eine Annäherung sein, am Ende gehe es darum, jedem Individuum gerecht zu werden.

Und so gibt es tatsächlich eine interessante Verbindung zwischen den gezeigten Kunstwerken und der Arbeit, die in der Klinik geleistet wird. Das macht die Ausstellung besonders spannend.

Ausstellung "Blick in eine andere Welt" mit Fotografien von Veronika Lorenz, zu sehen bis November täglich im Isar-Amper-Klinikum in Fürstenfeldbruck, Stadelberger Straße 16 bis 22