Süddeutsche ZeitungAktuelle Nachrichten in der Süddeutschen Zeitung

ANZEIGE

Ausgefallenes Hobby:Meister mit der Urform der Feuerwaffe

Der Emmeringer Christian Trumpf schießt mit dem Vorderlader so gut wie kein anderer auf der Welt

Von Emil Kafitz, Emmering

Die Konkurrenz ist stark: Der Star der Vorderlader-Szene, ein zweifacher Weltmeister aus Frankreich, tritt ebenfalls an. Die Wetterbedingungen sind anspruchsvoll: Schon morgens hat es über 20 Grad im österreichischen Eisenstadt, gegen Mittag beginnt die Luft zu flimmern und erschwert die Zielfokussierung. Das Gerät ist speziell: Geschossen wird mit dem Vorderlader, der Urform der Feuerwaffe. Trotz ausführlicher Wartung besteht ein relativ hohes Risiko, dass eine spontane Reparatur notwendig wird. Doch Christian Trumpf aus Emmering ist bestens vorbereitet und hat auch noch Glück bei der Auslosung. Er startet bereits früh am Morgen. Die Hitze hält sich also noch in Grenzen. "Glück allein reicht aber nicht. Man muss es auch packen!" Zugepackt hat er ordentlich - am Ende war der Abstand zu den Konkurrenten enorm. "Ich war drei Ringe besser als der Zweitplatzierte. Meistens sind Schützen auf diesem Niveau ringgleich." Bei der Vorderlader-Weltmeisterschaft in Eisenstadt ist Christian Trumpf Einzelweltmeister geworden - beim Schuss in 100 Meter Entfernung. Er erfüllte sich damit einen Traum.

Bild in neuer Seite öffnen

Christian Trumpf interessieren keine gewöhnlichen Gewehre. Seine Passion ist der Vorderlader.

(Foto: Matthias Döring)
ANZEIGE

Der ursprünglich aus Norddeutschland stammende Trumpf kam schon früh mit der traditionsreichen Feuerwaffe in Berührung. "Der Schützenverein in meiner Heimat war ein Vorderladerverein. Nachdem ich in meiner frühen Jugend die anderen üblichen Sportgewehre durchprobiert hatte, war es mit Anfang 20 der logische Schritt, es auch einmal mit dem Vorderlader zu versuchen." Bis heute fasziniert den Meister für Fernmeldeanlagenelektronik daran vor allem die alte Technik, die bei Repliken noch dieselbe ist wie bei Originalexemplaren aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. "Ich selbst besitze einen Vorderlader, der höchstwahrscheinlich schon den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mitgemacht hat. Andere Modelle habe ich dagegen selbst gebaut und anschließend amtlich beschießen lassen. "Die Geschosse gieße ich in meinem Keller, sie müssen dem jeweiligen Lauf der Waffe angepasst werden. All das ist ziemlich aufwendig."

Bild in neuer Seite öffnen

Der Emmeringer baut die Waffen selbst und stellt auch die Geschosse her.

(Foto: Matthias Döring)

Außerdem müssen die gesetzlichen Vorgaben genau erfüllt werden. Das Waffenrecht in Deutschland ist relativ streng. Um einen Vorderlader funktionsgerecht betreiben zu können, braucht es Schwarzpulver, dessen Erwerb reglementiert ist. "Das Landratsamt überprüft von Zeit zu Zeit die Waffen, die ich besitze. Diese können sogar eingezogen werden, wenn im Umfeld eine Straftat mit Schusswaffen stattgefunden hat. Dabei würde natürlich niemand mit einem Vorderlader Unsinn machen, nach jedem Schuss braucht es bis zu fünf Minuten, bis die Waffe wieder einsatzbereit ist."

Bild in neuer Seite öffnen

Der Fernmeldeanlagenelektroniker übt den Schießsport seit seiner Jugend aus.

(Foto: Matthias Döring)

Doch all das nimmt Trumpf auf sich, um seiner Passion nachzugehen, die er mit anderen Schützen aus dem In- und Ausland teilt. Er preist das starke Gemeinschaftsgefühl in seinem Verein, dem FSG Schongau, und der Nationalmannschaft. Jeder einzelne habe das Ziel, sich immer weiterzuentwickeln, der rege Austausch mit Teammitgliedern trage dazu bei. "Auch bei Europa- oder Weltmeisterschaften kennt man 80 Prozent der anderen Schützen. Während des Wettkampfes konkurrieren Österreicher, Schweizer, Franzosen und Südafrikaner zwar miteinander. Aber nach der Siegerehrung wird alle Rivalität aufgegeben."

Bild in neuer Seite öffnen

Weltmeister im Vorderladerschießen ist Christian Trumpf.

(Foto: Matthias Döring)
ANZEIGE

Nach mehreren Einzel- und Mannschaftssiegen stellt das Einzelgold Trumpfs bisherigen Karrierehöhepunkt dar. Damit ist er aber noch lange nicht am Ende: "Bei der WM 2023 würde ich gern beweisen, dass ich ein weiteres Mal Weltmeister werden kann. Der nächste Schritt wären dann Wettkämpfe, bei denen auf "long range" geschossen wird. Da ist das Ziel bis zu 1000 Yard von einem entfernt - das ist fast ein Kilometer."

© SZ vom 17.01.2019

Lesen Sie mehr zum Thema