„Hier musst du wirklich alles von Hand machen“, erklärt Luca Michalsky dem 14-jährigen Schüler Mats. Die beiden stehen vor einer konventionellen Drehmaschine in der Lehrwerkstatt der Firma Schleifring in Fürstenfeldbruck. Luca, 20 Jahre alt und im dritten Jahr seiner Ausbildung zum Industriemechaniker, gibt Mats eine kurze Sicherheitseinweisung, bevor er ihn die Maschine selbst ausprobieren lässt. Gemeinsam stellen sie einen flachen Becher her, aus dem sie später ein kleines Spiel mit eingraviertem Namen des Schülers machen. Einige Meter weiter tippt Luci ihren Namen auf dem Bildschirm der automatischen Drehmaschine ein. Die 14-Jährige weiß schon länger, dass sie einen handwerklichen Beruf erlernen will und hat das IHK-Programm „Ein Tag Azubi“ im Internet gefunden. An diesem Tag ist sie bei der Firma Schleifring unter vier Schülern das einzige Mädchen, das teilnimmt.
„Wenn ich könnte, würde ich die Hälfte der Ausbildungsplätze an Frauen vergeben. Aber leider ist die Industriemechanik immer noch eine Männerdomäne“, erklärt Philipp Hammer, der Ausbildungsleiter bei Schleifring ist. Trotzdem nehme die Zahl der Bewerberinnen zu. Für den kommenden Ausbildungslehrgang seien von zehn Plätzen bereits fünf vergeben, sagt der 38-Jähriger, einer davon an eine junge Frau. Bei einer weiteren Bewerberin stehe das Bewerbungsgespräch noch aus.

Pia Renner-Paxian ist eine, die in diese Männerdomäne vorgestoßen ist. Die 18-Jährige ist im zweiten Lehrjahr, und ihr gefällt an der Ausbildung, dass sie jeden Tag etwas Neues lernen kann. „Heute haben wir zum Beispiel über Drosselventile gelernt“, erzählt sie. Drosselventile werden eingesetzt, wenn der Durchfluss von Flüssigkeiten und Gasen in einem System gesteuert werden soll. Dass sie einen handwerklichen Beruf erlernen will, hat sie bereits während ihres Schülerpraktikums bei Schleifring herausgefunden. „Das ist auch unser Hauptrecruiting-Plan. Viele, die dieses Jahr gestartet sind, haben vorher ein Praktikum gemacht“, ergänzt Ausbildungsleiter Hammer.

Handwerk:„Die kleinen Betriebe sterben leise“
Der scheidende Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer kritisiert die politische Unterstützung für die Industrie. Und verweist auf die gestiegene Zahl der Insolvenzen im Mittelstand.
Am Azubi-Tag ging es darum, den Schülern einen ersten Einblick zu geben. Luci ist zufrieden: „Ich fand es gut, dass die Azubis mir die Maschinen genau erklärt haben“, berichtet sie. „Mir hat das Fräsen am meisten Spaß gemacht“, erzählt Mats, der daheim eine kleine Werkstatt im Keller hat. Freilich, räumt Ausbildungsleiter Hammer ein, könne man an einem einzelnen Tag nicht alles abdecken, was die Ausbildung beinhalte. Immerhin dürfen die interessierten Schüler und die Schülerin in der großen Lehrwerkstatt drehen, fräsen und bohren, und halten am Ende ein erstes, selbst gemachtes Metallspiel in den Händen.

