Ausbau der S4 Dampf ablassen am Bahnhof

Die Bürgerinitiative lädt zur Protestveranstaltung und 200 Menschen kommen. Die Aktivisten kritisieren vor allem CSU-Politiker, weil diese nicht mit Nachdruck für Verbesserungen eintreten

Von Peter Bierl

Etwa 200 Menschen haben am Samstag am Protest der Bürgerinitiative "S4-Ausbau jetzt" an den Haltestellen zwischen Geltendorf und Aubing teilgenommen. In Puchheim empfingen mehr als 60 Bürger, darunter Senioren-, Umwelt- und Behindertenbeiräte sowie Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) die Initiative. In Türkenfeld mobilisierte die Wählergruppe Dorfgemeinschaft kräftig und baute am Bahnhof einen Stand mit Brezn und Kaffee sowie Transparente mit der Forderung auf, die Bahnstrecke viergleisig auszubauen.

Landrat Thomas Karmasin (CSU) ließ sich nicht blicken, obwohl Mirko Pötzsch, SPD-Stadtrat und Verkehrsreferent in Bruck, ihm am Freitag noch eine Extra-Einladung gemailt hatte. Karmasin habe aus Termingründen abgesagt. "Er hätte wenigstens kurz an einer Station vorbeischauen können", findet Pötzsch. Immerhin sei Karmasin Sprecher der Landräte im MVV-Verband und es seien die Pendler aus seinem Landkreis, die unter dem unzureichenden Angebot der S 4 leiden. Ob Bayern-fans auf dem Weg ins Stadion oder junge Mädels auf Shopping-Tour in die Großstadt, egal, wen man am Bahnsteig oder in den Zügen fragt, der klagt über die Misere. "Ich hoffe, dass was vorwärts geht. Aber ich bezweifle, dass ich das noch erlebe", meint eine Frau. Die meisten greifen zu den Flugblättern der Bürgerinitiative. Viele fragen, ob sie irgendwo unterschreiben können. Das freut die Aktivisten, die eine Online-Petition an die Staatsregierung vorbereiten und hoffen, das Ergebnis von 2011 übertreffen zu können, als die Bürgerinitiative über 8000 Unterschriften sammelte.

Beim Auftakt in Geltendorf um 9 Uhr ist Bürgermeister Wilhelm Lehmann als einer der wenigen CSU-Politiker dabei. In Grafrath solidarisiert sich Markus Kennerknecht, der parteifreie Bürgermeisterkandidat der CSU. Am Geschwister-Scholl-Platz in Bruck, nahe dem Bahnhof Buchenau, wo CSU, Grüne und SPD wegen der Kommunalwahl mit Infoständen vertreten sind, muss sich Zweiter Bürgermeister Hans Schilling (CSU) schelten lassen, weil er sich auf Weisung von oben aus der Initiative zurückgezogen hat. Der Landratskandidat der Freien Wähler stichelt gegen den CSU-Landtagsabgeordneten Reinhold Bocklet. "Wenn es um die S 4 geht, ist der abwesend", sagt Bernd Heilmeier.

In Puchheim rügt BI-Sprecherin Elke Struzena (Grüne) Bocklet, weil der im Wirtschaftsausschuss gegen die Landkreis-Petition gestimmt habe. "Man kann schlecht widersprechen", seufzt CSU-Stadtrat Günther Hoiß angesichts der geballten Vorwürfe. Er fährt seit 1977 jeden Tag mit der S-Bahn zur Arbeit und kritisiert "Unwille und Schwerfälligkeit" der Regierung.

Etwa 20 Personen erwarten die Bürgerinitiative auf der letzten Etappe in Aubing. Dort wäre ein viergleisiger Ausbau besonders schwierig. An der Haltestelle Leienfelsstraße stehen viele Häuser nahe an der Bahn, in der Aubinger Lohe und der Moosschwaige würde die Trasse durch Naturschutzgebiet führen. "Ich halte hier die Fahne hoch", sagt Dagmar Mosch (Grüne) vom Bezirksausschuss. Auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion ist dafür. "Hier entstehen immer neue Wohnungen, aber die Infrastruktur läuft hinterher. So geht es nicht weiter", sagt Reinhard Bernsdorf. Was seine Brucker Genossen weniger erfreut ist, dass Bernsdorf den zweiten S-Bahntunnel in München als unsinnig ablehnt und den Güterverkehr über die Gröbenzeller Spange nach Pasing umleiten möchte.