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Aus Angst um die Gesundheit:Protest gegen Heizprojekt im Ort

In der Nähe des Neubaus der Verwaltungsgemeinschaft (links) und der Alten Schule (im Hintergrund) soll das Projekt realisiert werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In Mammendorf könnte eine Hackschnitzel-Anlage zur Nahwärmeversorgung entstehen. Doch noch bevor die Politik über den Antrag diskutiert, formiert sich bereits der Widerstand der Anwohner

In Mammendorf regt sich Widerstand gegen die Planung, in der Ortsmitte eine Hackschnitzelheizung zur Nahwärmeversorgung zu errichten. Seit Monaten macht in es im Dorf die Runde, dass auf einem Anwesen in unmittelbarer Nähe zur alten Schule eine Hackschnitzel-Heizanlage errichtet werden soll, von der aus private und öffentliche Gebäude mit Wärme versorgt werden könnten. Eine Vielzahl von Bürgern befürchtet jedoch vor allem gesundheitliche Belastungen. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das zur Ratssitzung am Dienstag mit 50 Unterschriften eingereicht worden war.

Die Verfasser betonen, dass man grundsätzlich Maßnahmen zur Energiewende unterstütze, eine Hackschnitzel-Heizzentrale "inmitten eines Wohngebietes" aber nicht zu akzeptieren sei. "Das Heizen mit Holz gilt heutzutage nicht mehr als umweltfreundlich, weil erhebliche Mengen Ruß und Feinstaub entstehen", heißt es. Der Feinstaub gelte als gesundheitsgefährdend, da die Partikel Atemwegsprobleme und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verursachen könnten. "Schon heute sind viele von uns durch Lärm und Feinstaub von der stark befahrenen Bundesstraße her erheblich belastet und einige leiden bereits an Atemwegserkrankungen und Asthma", wird vorgebracht. Die Gegner halten den Bau einer Heizanlage in der Ortsmitte auch ortsplanerisch für falsch, weil ein gut elf Meter hoher Kamin erforderlich sei und den Blick vom neuen Dorfplatz aus stören könnte.

In dem Schreiben wird als Alternative zudem vorgeschlagen, die Wärmeversorgung für die Ortsmitte mit der für das Neubaugebiet "Mammendorf Süd" geplanten zu koppeln. Eine Erweiterung in die Ortsmitte hinein müsste auch Sicht der Gegner möglich sein. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass keine vernünftige Zufahrt für die Anlieferung des Heizmaterials mit Lastwägen vorhanden sei.

Bürgermeister Josef Heckl (BGM) bestätigte, dass bereits ein Antrag zum Bau einer Heizzentrale vorliege und der Bauwerber Gutachten beigelegt habe, die die Bedenken der Bürger relativierten. Da ohnehin wegen der geplanten Sanierung der alten Schule eine Änderung des Bebauungsplanes erforderlich sei, sollte man die vom Bauwerber beantragte Anpassung gleich mitnehmen", erklärte Rathauschef Heckl. Dies bedeute aber nicht, dass die Hackschnitzel-Heizzentrale schon genehmigt sei. Der Bauantrag werde in einem separaten Verfahren unter der üblichen Einbindung der Bürger behandelt. In der Beratung zur Planänderung machte der Rathauschef auch deutlich, dass der Bereich, in dem eine Heizanlage beantragt worden sei, nicht als reines Wohngebiet anzusehen sei. Die Heizzentrale werde daher kaum zu verhindern sein, wenn der Bauwerber nachweisen könne, dass es sich um einen tolerierbaren Gewerbebetrieb handle.

Hinsichtlich des Kamins führte der Bürgermeister aus, dass dieser lediglich etwas über drei Meter über das Gebäudedach hinausragen würde. Für die Materiallieferung gebe es einen Wegvorschlag. Wie Vizebürgermeister Peter Muck (CSU) anmerkte, sind Hackschnitzel-Heizanlagen in Wohnbereichen "nicht unüblich". Um einen Streit zu vermeiden, schlugen Ratsmitglieder vor, die Bevölkerung von Anfang an umfassend zu informieren. Stefan Bauer (FW) regte zudem einen Ortstermin mit Bürgern an. Die Planänderung wurde schließlich mit einer Enthaltung genehmigt.

© SZ vom 28.05.2020

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