Artenschutz:Spitzentreffen wegen Problemkrähen

OLCHING: Saatkrähen

Eher mehr als weniger werden die Nester der Saatkrähen, wie zum Beispiel südlich des Mühlbachs in Olching. Das Vorkommen der Krähen dort gilt als Hauptkolonie, weshalb die Gegenmaßnahmen begrenzt sind.

(Foto: Leonhard Simon)

Weil sich die Saatkrähen in einigen Kommunen des Landkreises besonders stark ausbreiten, wollen sich die Bürgermeister gemeinsam beraten. Viel mehr als die bisherigen Vertreibungsversuche gibt es aber nicht

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Einen Saatkrähen-Gipfel planen etliche Bürgermeister im Landkreis in diesem Sommer. Grund dafür ist, dass die schlauen Vögel immer zahlreicher auftreten und Anwohnern die Nerven rauben. In Puchheim wurden im Frühjahr etwa 400 Nester gezählt, in Olching sollen es etwa 300 sein. In Maisach und Germering haben Falkner mit ihren Raubvögeln die Saatkrähen zwar vertrieben, aber die Vögel kehren zurück oder bilden Splitterkolonien in der Nachbarschaft, etwa in Eichenau. Auch in Gröbenzell wurden bereits einige Tiere gesichtet.

Saatkrähen gelten als intelligente Lebewesen, sie passen sich ihrer Umwelt an. Früher nisteten die Tiere, worauf schon ihr Name verweist, in Hecken und Bäumen am Rande von Äckern, die einen gedeckten Tisch versprachen, aber die moderne Landwirtschaft hat solche Habitate reduziert. Die klugen Vögel zogen in die Siedlungen, wo sie von Abfällen leben. Aber die Menschen ärgert, weil die Vögel Kot hinterlassen und so laut sind, dass man das eigene Auto nicht mehr hört. Nach massiven Bürgerprotesten versucht die Stadt Puchheim seit 2011 vergeblich die Tiere mit Lärmklatschen, roten Luftballons und Fangnetzen zu vertreiben. Experten hatten davor gewarnt, die aufgescheuchten Saatkrähen würden sich noch stärker vermehren und ausbreiten. Aber wer hört schon auf Wissenschaftler.

Nach einigem Widerstand, weil die Tiere unter Naturschutz stehen, erlaubte die Regierung vor drei Jahren den Einsatz von Falknern, was Germering und Maisach ermöglicht, die Tiere zu verjagen. Im Maisacher Ortsteil Gernlinden hausen die Krähen auf dem Friedhof und auf drei Privatgrundstücke. "Wir haben das Problem weitestgehend behoben", sagt Eugen Bachhuber vom Umweltamt. Allerdings muss der Einsatz jedes Jahr wiederholt werden, was jeweils um die 19 000 Euro kostet. "Der Friedhof mit seinen hohen Bäumen ist ein ideales Habitat, und die Jungtiere werden schon nach der Geburt darauf geprägt", sagt er. Auch Germering meldete heuer wieder eine erfolgreiche Vertreibung. In der Stadt ist das Problem seit mindestens 2019 virulent, als im Erikapark 62 Nester gezählt wurden.

In Maisach und Germering dürfen die Saatkrähen komplett vertrieben werden, weil ihre Ansammlungen als Puchheimer Splitterkolonien eingestuft werden, was wahrscheinlich aber schwer beweisbar ist. Anders sieht es in Puchheim und Olching aus, deren Populationen als Hauptkolonien gelten. In Olching haben sich die Tiere in einem Auwäldchen zwischen Mühlbach und Speedwaybahn niedergelassen sowie südlich des Mühlbachs im Bereich des Kulturzentrums Kom, berichtet Pressesprecherin Martina Sohn. Vertrieben werden durfte deshalb nur eine Splitterkolonie in der Wolfstraße nahe einer Kindertagesstätte. Dort wurden Nester entfernt und ein sogenannter Birdguard eingesetzt, ein Gerät, dass die Vögel mit Panikschreien von Artgenossen aufscheucht. Insgesamt habe man in Olching mehr als 300 Nester gezählt, eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr, berichtet Sohn.

Ähnlich ist die Lage in Puchheim, wo die Kolonie am Schopflach-Friedhof bereits 2008 entstand und sich später etliche Splitterkolonien bildeten. In dieser Saison ließ die Kommune bereits im Herbst erste Nester aus den Bäumen entfernen, im Frühjahr wurden Eier entnommen, und der Falkner rückte wieder an. Die Stadt gibt jährlich etwa 30 000 Euro aus - mit gemischtem Erfolg. Die Splitterkolonien wurden aufgelöst, aber die Zahl der Nester sei heuer auf etwa 400 gestiegen, berichtet Monika Dufner vom Umweltamt. Das wären 100 mehr als im Vorjahr. Der eigentliche Plan der Stadt, die Kolonie in ein Wäldchen an der Eichenauer Straße umzusiedeln, kommt kaum voran. Das Maximum dort waren bisher 30 Nester, berichtet Dufner. Dass es nur schleppend läuft, könnte daran liegen, dass dort andere Baumarten stehen, die weniger stabil sind, und zu viele Mäusebussarde kreisen.

Eine weitere Hürde ist, dass die Saatkrähen nur bis 24. März vertrieben werden durften, weil es verboten ist, sie beim Brüten zu stören. Eine Verlängerung habe die Regierung abgelehnt, berichtet Dufner. Nach dem Stichtag bauten die Vögel in Bäumen an der Lilienstraße in Puchheim wieder Nester. Die Vögel hielten sich eben nicht an den Kalender, sondern brüteten nach Witterungslage, kritisieren Dufner und Bachhuber. Bei einem Kälteeinbruch wie heuer fangen sie später an. Die Terminvorgabe der Regierung dürfte beim Bürgermeister-Saatkrähengipfel zur Sprache kommen, den die Umweltämter derzeit vorbereiten.

© SZ vom 26.04.2021
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