Ausstellung in KottgeiseringWie Frauen bauen

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Gute Beispiele im Atelier „Poly“: Moderatorin Kerstin Kuhnekath (hinten) und Initiatorin Yvonne Toepfer bei der Ausstellungseröffnung in der ehemaligen Scheune in Kottgeisering.
Gute Beispiele im Atelier „Poly“: Moderatorin Kerstin Kuhnekath (hinten) und Initiatorin Yvonne Toepfer bei der Ausstellungseröffnung in der ehemaligen Scheune in Kottgeisering.
Johannes Simon

Yvonne Toepfer aus Kottgeisering hat zum Festival „Woman in Architecture“ eine Ausstellung in Kottgeisering beigesteuert. In einer von ihr umgebauten ehemaligen Scheune zeigte sie gelungene Bauprojekte von Kolleginnen aus ganz Bayern.

Von Manfred Amann, Kottgeisering

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Architektinnen planen anders als ihre männlichen Kollegen, mit weiblicher Note eben: Diese Einstellung scheint in der öffentlichen Meinung fest verankert. Außerdem wird Frauen trotz gleicher Qualifikation in allen Bereichen von Architektur, Innenarchitektur, über Stadt- und Freiraumplanung bis zur Bau- und Ingenieurbaukunst offensichtlich nicht dasselbe Können zugetraut wie Männern. Zumindest beweisen Statistiken, dass Architektinnen in der Baukultur nicht die gleichen Chancen haben.

Für Yvonne Toepfer aus Kottgeisering, Beirätin des Treffpunkts Architektur Oberbayern der bayerischen Architektenkammer, waren dies zwei von vielen Gründen, sich am „Woman in Architecture Festival“ mit einer Ausstellung zu beteiligen. Der Titel: „Frau baut: um, aus, an, auf“. Von 19. bis 29. Juni waren dabei bundesweit 265 Events zur Sichtbarmachung von Frauen in der Architekturwelt organisiert worden.

„Ich habe mit Kolleginnen versucht, aus allen 20 Landkreisen Kolleginnen zu finden“, sagte Toepfer, ganz sei es nicht gelungen. Insgesamt 19 Architektinnen von Vohburg im Norden bis Oberammergau im Süden, mehrere aus München und der näheren Umgebung vom Ammer-, Starnberger und Tegernsee haben sich in der Ausstellung mit besonders aussagekräftigen Projekten aus ihrer Hand vorgestellt und mit Fotos und Erklärungen einen Einblick in ihre Arbeit geboten.

Da jede Architektin abhängig von ihrem Lebensumfeld jeweils andere Ziele hat, wurde auch die ganze Bandbreite der Bauplanung erkennbar. Etwa hundert Besucherinnen und Besucher kamen zur Eröffnung, bei der die Architekturjournalistin Kerstin Kuhnekath aus Berlin über „Architektur auf dem Land“ referierte.

Zur mangelnden Wertschätzung von Architektinnen führte sie aus, dass die „Kanonisierung“ in der Baukultur – also die Auswahl bestimmter Gebäude, Architekten oder Stile, die als vorbildhaft, richtungsweisend oder besonders wertvoll hingestellt werden – mitverantwortlich dafür sei, dass Frauen zum Beispiel bei Präsentationen, Preisvergaben oder Ehrungen oft übergangen werden.

Architekturkritik, Fachzeitschriften, Ausstellungskataloge und die akademische Lehre seien lange Zeit männlich dominiert gewesen, dadurch habe sich ein männlich geprägtes Architekturverständnis entwickelt. Ausstellungen wie „Frau baut“ seien daher wichtig, um dieses zu ändern und die Leistung von Architektinnen gebührend sichtbar zu machen, sagte Kuhnekath. Außerdem werde durch gemeinsame Events eine bessere Vernetzung erreicht.

„Verstecktes Idyll“ in Kottgeisering

Yvonne Toepfer erzählte zudem „aus eigener Erfahrung“, dass häufig Männern der Vorzug gegeben werde, weil man Frauen Projekte nicht zutraue, da sie neben ihrer Architektentätigkeit auch noch den Haushalt und die Kinderziehung zu bewältigen hätten. Die Architektin hatte auf ihrem ehemaligen Bauernhof aus dem Jahre 1890, den sie mit ihrem Mann nach Denkmalschutzkriterien saniert hatte, den vorbildlich ausgebauten Stadel zur Verfügung gestellt, der künftig als Atelier „Poly“ für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden soll. Das Holzgebäude mit Sichtdachstuhl solle möglichst oft als „Kulturstadel“ genutzt werden, sagte sie, denn „Kultur ins Dorf zu bringen“ sei ihr auch ein Anliegen.

Nach der Entscheidung zum Umzug nach Kottgeisering habe die Familie ein „verstecktes Idyll“ vorgefunden, dessen Wert nur für das geschulte Architektenauge zu erkennen gewesen sei: das Dach marode, Risse im Mauerwerk, der Putz fiel von den Wänden, die Fenster einfach verglast, dazu ein alter Stall und ein Plumpsklo im Garten. Heute wohnen Toepfers mit drei Kindern im alten Wohnhaus, der Stall wurde zum Architekturbüro, in der Tenne wurde ein Holzkubus als Gästewohnung errichtet, „und der Stadel hat mit der jetzigen Ausstellung Premiere“, so die Architektin.

Das Bauen im ländlichen Raum sei zu ihrem Herzensprojekt geworden. Damit ländliche Räume Lebensmittelpunkt sein können, brauche es eine soziale und bauliche Infrastruktur. Mit der Ausstellung sollten Schlaglichter auf große und kleine Projekte geworden werden, denn, so sagte es Toepfer: „Ländliche Räume sind Orte zum Wohnen, Leben und Arbeiten, und im besten Falle wecken sie Begeisterung.“

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