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Archäologische Spurensuche:Streit um das Erbe der Römer

Der Historische Verein will weiterhin nach einem Turm graben, den er auf der Amperinsel bei Schöngeising vermutet. Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz verbietet jedoch die archäologische Spurensuche.

Von Peter Bierl

Schoengeising: Amper-Bruecke mit Amper-Insel

Ein Relikt aus der Römerzeit vermutet der Historische Verein für den Landkreis auf der Amperinsel bei Schöngeising.

(Foto: Johannes Simon)

Der Historische Verein und das Landratsamt liegen im Clinch. Der Verein wollte eine Art Notruf für Kommunen einrichten, falls bei Bauarbeiten mal wieder Relikte aus der Vergangenheit zu Tage treten, was die Kreisbehörde für überflüssig hält. Im Hintergrund schwelt der Streit um einen Römerturm, den Experten des Vereins auf der Amperinsel bei Schöngeising vermuten. Eine Grabung hat das Landratsamt aber untersagt.

Der Rechenschaftsbericht, den Otto Meißner als Vorsitzender des Historischen Vereins vorige Woche vor etwa 100 Mitgliedern verlas, war mäßig spannend - erst ab dem Punkt, als Meißner erklärte, dass "die Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde nicht reibungslos" verlaufe, wurde es spannend. Bei dem Bemühen, Bodendenkmälern zu erhalten und zu erforschen "treffen wir derzeit nicht gerade auf Unterstützung, sagte er".

Der SZ erklärte Meißner, dass der Verein dem Landratsamt vorgeschlagen habe, zusammen einen Notruf für die Städte und Gemeinden einzurichten, mit dem Kreisheimatpfleger Toni Drexler sowie einem weiteren Experten aus der Behörde als Ansprechpartner. Die Idee habe die Kreisbaumeisterin Reinlinde Leitz abgelehnt, daraufhin habe der Historische Verein sich nun allein an die Kommunen gewandt.

Leitz erklärte: "Wir sind sowieso zuständig und kriegen Anrufe von Bürgern und Gemeinden." Die Behörde wisse ohnehin, wo Bodendenkmäler zu finden seien, und mache den Bauherren in den Genehmigungen entsprechende Auflagen. "Das läuft ganz gut und darum ist die Initiative des Historischen Vereins eigentlich überflüssig", sagte die Kreisbaumeisterin.

Tatsächlich wäre manches archäologische Relikt umgepflügt worden, hätten nicht aufmerksame Leute wie Toni Drexler interveniert. Hintergrund des aktuellen Zwistes ist der Streit um Überbleibsel aus der Römerzeit, die der Historische Verein auf der Amperinsel bei Schöngeising vermutet. Vor der Eröffnung der Archäologie-Ausstellung im Jexhof im Frühjahr des Jahres 2012 hatten Vertreter des Vereins sowie Bernd Steidl, stellvertretender Direktor der Archäologische Staatssammlung München, eine Grabung für Herbst angekündigt.

Steidl hatte große steinerne Platten aus der Römerzeit untersucht, die bis dahin als Sarkophagdeckel galten. Aufgrund von Vergleichen mit Relikten aus Frankreich kam er zu dem Ergebnis, dass es sich um Reste eines kleinen Tempels handeln müsse, der irgendwo nahe der Römerstraße gestanden haben soll, die sich durch den Landkreis zieht. Solche Platten seien später wegen der Einfälle der Germanen zum Bau von Verteidigungsanlagen benutzt worden. Dazu gibt es eine mündliche Überlieferung von einem Turm auf der Amperinsel. Zum Schutz der Straße und der Brücke wäre ein solcher Turm für die Legionäre durchaus sinnvoll gewesen.

Aus der Grabung wurde aber nichts. Das Landesamt war dagegen und das Landratsamt als Genehmigungsbehörde folgte der Argumentation. Das Landesamt verfolge heute eine andere Linie als früher, erläuterte Leitz. Grundsätzlich wird nur noch gegraben, wo ein Bodendenkmal durch Neubauten zerstört wird. Alle anderen Denkmäler sollten ungeöffnet erhalten bleiben. Ausnahmen gibt es, wenn eine Grabung neue wissenschaftliche Erkenntnisse verspricht, sagte Leitz. Solche erwartet sie im Fall des angeblichen Römerturms aber nicht. Sie habe sich an der Universität in München kundig gemacht. Vom zuständigen Lehrstuhl sei ihr mitgeteilt worden, dass in Bayern schon mehrere solcher Türme ausgegraben worden seien. "Es bringt also keine neuen Erkenntnisse", sagte sie.

Beim Tag des offenen Denkmals im September debattierte die Kreisbaumeisterin mit Mitgliedern des Historischen Vereins und so sah sich dabei nach eigenen Angaben einigen Angriffen ausgesetzt. Leitz forderte die Vereinsmitglieder auf, neue Argumente zu liefern. Meißner findet das absurd. Tatsächlich wisse ja keiner, was sich dort im Boden befindet, darum könne auch niemand sagen, ob irgendwelche neuen Erkenntnisse zu gewinnen seien. Bei ihm schwingt auch eine gewisse Enttäuschung mit. "Wir graben, forschen und organisieren seit 30 Jahren und haben bisher nie etwas gemacht, was wir fachlich nicht gekonnt hätten." Der Verein hat inzwischen 500 Euro für eine Bodenradaruntersuchung investiert, auf der nichts zu erkennen war. Meißner führt das auf den hohen Wasserstand der Amper zurück. "Wir werden bei niedrigerem Pegel die Untersuchung wiederholen", kündigte er an.

© SZ vom 29.01.2014/fzg

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