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Arbeitsmarkt:Zurück ins Berufsleben

Heidi Gleißner hat den beruflichen Wiedereinstieg geschafft. Sie arbeitet im Awo-Seniorenzentrum Josefstift in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Wie so viele Frauen hat Heidi Gleißner der Kinder wegen im Job ausgesetzt. Doch nach fünf Jahren will sie wieder hinaus. "Allein steckt man fest", sagt sie über ihre ersten Bewerbungsversuche. Ein Coaching hilft ihr weiter

Frauen sind es gewohnt, dass ihre Biografien nicht geradlinig verlaufen. Sie sind es, die die Kinder bekommen, und dann ist alles anders. Viele Frauen wollen dennoch berufstätig bleiben oder nach einer Familienpause wieder werden. Wie man das schaffen kann, zeigt Heidi Gleißner. Die 53-jährige Fürstenfeldbruckerin arbeitet seit fünf Jahren als pädagogische Fachkraft im Sozialdienst des Awo-Seniorenzentrums Josefstift in Fürstenfeldbruck. Dort ist sie für die Koordination der Betreuungsassistenten zuständig, kümmert sich um die Hauszeitung, fotografiert die hauseigenen Feierlichkeiten und bietet für die Seniorinnen und Senioren Kraft- und Balancetraining sowie Gedächtnistraining an.

Große Buchstaben schreibt sie auf eine Tafel, wenn eine Stunde Gedächtnistraining ansteht. Ihre Abfolge ergibt erst einmal keinen Sinn. FOLW oder NÄHCMRE. Die Heimbewohnerinnen und -bewohner sind gefordert, diese sogenannten Schüttelwörter richtig zusammenzusetzen. Gar nicht so leicht auf den ersten Blick. Die Lösung lautet "Wolf" und "Märchen".

Heidi Gleißner ist eher zufällig zu dieser Tätigkeit gekommen. "Seniorenarbeit war eigentlich nicht auf meinem Schirm", sagt sie. Sie wollte zurück in den Beruf, nachdem sie in den Jahren 2003 und 2005 erst eine Tochter, dann einen Sohn bekommen hatte. Bis 2008 blieb die gelernte Masseurin, die später Diplom-Pädagogik studierte, der Kinder wegen zu Hause. Doch dann begann sie nach einem Job zu suchen. Ihre erste Erfahrung: "Gar nicht so einfach." Gleißner wollte Teilzeit arbeiten, "um genug für die Kinder da zu sein". Zwischendurch war sie freiberuflich und projektgebunden für das evangelische Bildungswerk tätig, später in der Jugendarbeit, wo sie junge Mädchen in einer Qualifizierungsmaßnahme zum Hauptschulabschluss begleitete. Von 2011 bis 2014 blieb sie noch einmal zu Hause, sie verschickte Bewerbungen, jobbte in ihrem ursprünglichen Beruf als Masseurin, in den sie aber nicht zurück wollte. "Ich wollte gerne als Pädagogin arbeiten", erzählt sie.

Doch wie bei vielen Frauen, taten sich auch bei Heidi Gleißner Fragen auf: Was kann ich noch? Was möchte ich? "Mit den Jahren daheim wird man unsicher", bestätigt sie. Und jede Absage nagt am Selbstbewusstsein. Um sich über ihre Kompetenzen und Ziele klar zu werden, nahm sie dann die Hilfe von "Power M" in Anspruch, ein Projekt in München, das beim Wiedereinstieg in den Beruf hilft. Gleißner las zufällig davon. Frauen aus der ganzen Region um München können sich bei "Power M" sechs Monate lang coachen lassen, unabhängig davon, ob sie noch in Elternzeit sind oder sich nach einer längeren Familienphase beruflich neu orientieren wollen. Gleißner wohnte damals noch in München, 2008 zog die Familie nach Fürstenfeldbruck.

"Allein steckt man fest", hatte sie bei ihren ersten Bewerbungsversuchen erkannt. Durch das Coaching bei "Power M" habe sie dann neue Impulse bekommen und auch wertvolle Kenntnisse darüber, wie denn Bewerbungen heutzutage überhaupt anzufertigen sind. Auch dass es Sinn mache, Initiativbewerbungen loszuschicken und nicht auf die Stellenannonce zu warten. Sie hat auch gelernt, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Deshalb empfehlen Beraterinnen wie Gabi Hartisch den Frauen auch, "qualifikationsadäquat einzusteigen" und nicht nach dem Motto: "Hauptsache, ich hab' jetzt was". Denn die meisten Frauen, die auch Heidi Gleißner dabei kennengelernt hat, sind "super ausgebildet", sagt sie. Und trotzdem haben viele dieser Frauen Schwierigkeiten, wieder in den Beruf zu finden. Das Coaching aber nehme den Bewerberinnen die Unsicherheit, bestätigt Gleißner.

Dass sie in den Beruf zurück wollte, war für Heidi Gleißner immer klar: "Nach fünf Jahren bin ich unruhig geworden." Von der freien Stelle im Brucker Josefstift erfuhr sie zufällig. Auch, weil sie ganz offensiv überall erzählt hatte, dass sie Arbeit suche. Sie wollte dem Beruf aber auch nicht alles unterordnen. Ihre Kinder gehen ganz in der Nähe zur Schule, sie selbst brauchte in der Familie nicht allzu viel umzustellen, da sie morgens erst nach den Kindern das Haus verlassen muss und in der Regel mittags wieder zurück ist.

14 Wochenstunden, verteilt auf vier Tage, arbeitet sie derzeit, einmal im Monat ist sie auch sonntags gefordert. Und natürlich ist sie auch bei den Jahreszeitenfesten des Seniorenzentrums da. Sie habe zu Beginn ihres Wiedereinstiegs daheim "um Unterstützung gebeten", und wenn man nicht hinterher sei, würde das auch immer wieder einschlafen, sagt sie. Aber die Kinder werden größer, damit wird manches leichter. Auch ihr Mann mache "total viel".

Darauf angesprochen, was Frauen denn nun mitbringen müssten, damit der Wiedereinstieg klappt, sagt Gleißner: vor allem Mut und Durchhaltevermögen, aber auch Flexibilität und Offenheit - und "mit gutem Selbstwertgefühl in die Gespräche gehen". Ihre Arbeitszeit ist ihr mittlerweile zu kurz, gerne würde sie ihre Stunden aufstocken. Denn eines habe sich mit der Rückkehr in die Berufswelt sofort bei ihr eingestellt, sagt Heidi Gleißner: "Ich war einfach besser drauf."