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Arbeitsmarkt:Kurzarbeit federt Corona-Auswirkungen ab

Beschäftigte in Geschäften und der Gastronomie haben die Corona-Beschränkungen hart getroffen. Sie hoffen, dass die Kunden zurückkehren.

(Foto: Günther Reger)

Arbeitsagentur Weilheim zahlt dafür knapp 150 Millionen Euro aus. Die Arbeitslosenquote steigt auf 3,5 Prozent

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Der Bericht der Arbeitsagentur für das vergangene Jahr lässt "die deutlichen Spuren der Corona-Pandemie erkennen", schreibt Oliver Wackenhut, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weilheim. Dabei war zu Beginn des Jahres die Zahl der Arbeitslosen gesunken. "Nachdem das Jahr 2020 anfangs noch dem positiven Trend der vergangenen Jahre folgte, traf der erste Lockdown im März des Jahres den Arbeitsmarkt mit ganzer Wucht", erklärt Wackenhut. Im Laufe des Jahres 2020 seien insgesamt 12 175 Menschen arbeitslos geworden. Das sind 3326 mehr als im Vorjahr - eine Steigerung um 37,6 Prozent. Im Landkreis Fürstenfeldbruck waren im Dezember 4345 Menschen arbeitslos gemeldet, ein Jahr zuvor waren es nur 2762.

Ohne den Einsatz der Kurzarbeit wären Wackenhut zufolge jedoch "noch viel mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse verloren gegangen". Im Mai 2020 waren demnach 39 384 Menschen im gesamten Bezirk in Kurzarbeit, im Landkreis Fürstenfeldbruck waren es maximal 7922. Fast alle, nämlich 95 Prozent der Betriebe, die Kurzarbeit beantragten, haben weniger als 51 Mitarbeiter.

Vor allem betroffen sind laut Agenturbericht das Gastgewerbe und andere Dienstleister, der Handel außer Lebensmittel und Drogerien, das Gesundheitswesen und die Arbeitnehmerüberlassung. "Es gab aber auch konstante Branchen, teilweise sogar mit geringem Beschäftigungszuwachs wie etwa die öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht, das Baugewerbe, das Sozialwesen sowie die Information und Kommunikation", schreibt Wackenhut.

Im Herbst belebte sich der Arbeitsmarkt "ausgesprochen gut", doch die zweite Corona-Welle und der erneute Lockdown hätten die Erholung gedämpft. Zusammengefasst stellt Wackenhut fest, "dass der regionale Arbeitsmarkt besser durch die Krise gekommen ist, als zu befürchten war". Er spricht von einem "verträglichen Abschluss", nachdem nicht abzusehen gewesen sei, wie sich die Pandemie auswirken würde. "Es gab für diese Krisensituation ja keine Blaupause für uns." Die Arbeitsagentur habe, um die vielen Aufgaben zu bewältigen, ihren Arbeitsbetrieb und die gesamte Organisation umstrukturieren müssen. Ohne das Engagement aller Mitarbeiter wäre das laut Wackenhut kaum möglich gewesen. Sie hätten zusätzliche Aufgaben übernommen, an den Wochenenden gearbeitet und Überstunden geleistet, lobt der Agenturchef.

Für das Kurzarbeitergeld hat die Arbeitsagentur Weilheim im Jahr 2020 das meiste Geld ausgegeben: Nach bisherigen Berechnungen knapp 150 Millionen Euro. Wackenhut ermutigt in seinem Bericht die Unternehmen, die Zeit zur Weiterbildung zu nutzen. Dabei könnten Arbeitgeber auf die neu aufgelegte Qualifizierungsoffensive "Weiter.Bildung!" zurückgreifen, die viele Fördermöglichkeiten biete.

Die Arbeitslosenquote liegt im Landkreis aktuell bei 3,5 Prozent, im Dezember 2019 waren es 2,3 Prozent. Im Landkreis Starnberg ist sie ebenso hoch, in Weilheim-Schongau und Landsberg am Lech mit 2,9 und drei Prozent etwas niedriger, am höchsten mit vier Prozent im sehr touristisch geprägten Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Für den gesamten Bezirk ergibt sich ein Durchschnitt von 3,4 Prozent. Momentan steigen die Zahlen der Kurzarbeiter und der Arbeitslosen wieder deutlich an. Einen erneuten Einbruch wie im Frühjahr 2020 erwartet Wackenhut wegen der staatlichen Stützungsmaßnahmen jedoch nicht.

© SZ vom 26.01.2021
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