Claus Schramm aus Feldafing im Landkreis Starnberg ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er kann einer Frau das Leben retten. Ohne die App auf dem Mobiltelefon freilich hätte er von dem Notfall in seiner Nachbarschaft wohl nichts mitbekommen. Anfang März ist in den Landkreisen Dachau, Fürstenfeldbruck und Starnberg die Ersthelfer-App „Region der Lebensretter“ eingeführt worden. Bundesweit beteiligen sich weitere Kommunen an dem Modellprojekt. Nun ziehen die Verantwortlichen eine erste Zwischenbilanz. Und die fällt positiv aus.
Ziel ist es, qualifizierte Ersthelfer bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand schnell zu alarmieren, damit sie die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit überlebenswichtigen Maßnahmen überbrücken können. Bereits in den ersten Monaten wurden die registrierten Helferinnen und Helfer in den drei Landkreisen insgesamt 73 Mal zu Einsätzen mit dem Alarmstichwort „Herzkreislauf-Stillstand“ gerufen. Allein im Landkreis Fürstenfeldbruck kamen die Ersthelfer 33 Mal zum Einsatz und leisteten wertvolle Unterstützung in einer für die Betroffenen höchst kritischen Situation.

Claus Schramm, 40, hat Anfang April die App „Region der Lebensretter“ heruntergeladen und sich registriert. Kaum einen Monat später, an einem Sonntag, klingelt das Telefon, und Schramm wird das erste Mal alarmiert. Keine 500 Meter von seinem Wohnhaus entfernt hat eine Frau, Anfang 60, einen Herzstillstand erlitten. Schramm schafft es in knapp drei Minuten bis zum Einsatzort. Und ihm gelingt das schier Unmögliche: Er holt die Patientin zurück ins Leben.
Von Kindesbeinen an ist Schramm ehrenamtlicher Notfallsanitäter für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Pöcking/Starnberg. Dort ist er auch organisatorischer Leiter im Katastrophenschutz und zudem für das Bayerische Rote Kreuz im Landkreis Starnberg ehrenamtlich unterwegs.

An den Notfall kann sich Claus Schramm noch gut erinnern: Die Frau sei direkt vor den Augen ihres Mannes zusammengesackt. Nach drei Minuten Reanimation setzt der Herzschlag der Frau wieder ein und sie beginnt, selbständig zu atmen. Es ist ein erster, entscheidender Etappensieg. Weitere Ersthelfer treffen ein, die ebenfalls von der Integrierten Leitstelle in Fürstenfeldbruck per App alarmiert worden sind. Bevor sie vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht wird, blinzelt die Patientin zur großen Erleichterung der Helfer bereits wieder. „Und später habe ich erfahren, dass sie bei der Übergabe zum Schockraum in der Klinik schon angemerkt hat, dass es ihr doch eigentlich wieder gut gehe und sie nach Hause könne“, sagt Claus Schramm später in einem Interview.

Nicht alle Einsätze verlaufen erfolgreich mit der Genesung. Manchmal ist kein fachkundiger Ersthelfer in der Nähe, manchmal verlieren Helfer auch schlicht den Wettlauf um Leben und Tod. Und manchmal überleben die Patienten, tragen aber bleibende Schäden davon. Das Konzept an sich sei aber sehr gut, findet Schramm, „weil hier einfach alles professionell und einfach ineinandergreift“.

Und so funktioniert es: Wird die Integrierte Leitstelle über die Telefonnummer 112 über den Fall eines mutmaßlichen Herzkreislauf-Stillstands informiert, alarmiert diese die in der jeweiligen Region registrierten Ersthelfer zeitgleich mit dem Rettungsdienst. Das sind beispielsweise Mitglieder von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Katastrophenschutz, vor allem aber Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisch ausgebildetes Fachpersonal.
Insgesamt sind in den drei Landkreisen 1158 Helferinnen und Helfer registriert, allein im Landkreis Fürstenfeldbruck 425. Landrat Thomas Karmasin, Vorsitzender des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Fürstenfeldbruck, würdigt das Engagement der Helfer, wirbt aber auch für deren Unterstützung: Um „dieses lebensrettende“ Angebot weiter ausbauen zu können, sei die Initiative auf Spenden angewiesen. So konnten jüngst Warnwesten mit Spendengeld der Sparkasse Fürstenfeldbruck angeschafft werden.

„Im Notfall zählt jede Sekunde“, sagt Daniel Wachter. Er ist leitender Notarzt, Kreisfeuerwehrarzt und Organisationsverantwortlicher für die Region der Lebensretter im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Kennzeichnungswesten dienen auch an Unfallstellen, an denen es um Sekunden gehen kann, als eine Art Legitimation. Wachter: „Unsere Helferinnen und Helfer müssen sich nicht erst erklären, sondern können direkt mit der Reanimation beginnen.“
Professionelle Helferinnen und Helfer können sich weiterhin über die App „Region der Lebensretter“ registrieren und aktiv an dem Projekt mitwirken. Weitere Informationen zur Registrierung und Teilnahme unter www.regionderlebensretter.de.


