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Anlaufstelle:Hilfe für jugendliche Straftäter

Anlaufstelle: Karen Adomeit und Manfred Fock von Sprint in einer der für ihre Klienten vorgesehenen, vom Verein angemieteten Wohnungen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Seit 1996 bietet der Brucker Verein Sprint sozialpädagogische Unterstützung an - inzwischen auch Erwachsenen

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Ob jugendlicher Straftäter oder reparaturbedürftiges Fahrrad: Der Brucker Verein für sozialpädagogische Resozialisierungs- und Integrationsangebote, kurz "Sprint", engagiert sich in den verschiedensten Bereichen. Am Anfang, 1996, ging es Vereinsgründer Manfred Fock vor allem um die Jugendarbeit. In den 23 Jahren seither sind viele Aufgabenfelder dazu gekommen, häufig in Kooperation mit Jobcenter, Jugendamt oder dem Bezirk Oberbayern. Die Entwicklung zeigt, dass die Probleme der Menschen komplexer werden und psychische Auffälligkeiten sowie Obdachlosigkeit zunehmen.

In all diesen Situationen kann der Verein Unterstützung anbieten, so auch im vergangenen Jahr, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Doch für Sprint brachte 2019 auch eine Zäsur mit sich. Manfred Fock, genannt "Mister Sprint", beendete seine Tätigkeit als Geschäftsführer. Er bleibt dem Verein als Stellvertreter des Vorsitzenden Mainberger erhalten. Seine Nachfolgerin Karen Adomeit hat in den vergangenen zehn Jahren bei Sprint viele Erfahrungen sammeln können.

Im Kerngeschäft des Vereins, den ambulanten, jugendrichterlichen Weisungen, lässt sich über einen solch langen Zeitraum durchaus eine Entwicklung ablesen. "Die Lebenssituationen der jungen Menschen werden immer schwieriger und ihre Probleme immer komplexer und vielschichtiger", heißt es im Fazit. Erwähnt werden beispielsweise psychische Auffälligkeiten und Obdachlosigkeit, rund ein Fünftel der Betreuten war davon zeitweise betroffen. Mit den Anordnungen von Jugendrichtern hat Sprint vor nunmehr 20 Jahren begonnen. Vereinfacht ausgedrückt kann man diese mit der Auflage im Erwachsenenstrafrecht vergleichen: Delinquenten erhalten in Ergänzung zu einer Bewährungsstrafe einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Die Betreuungsweisung ist allerdings kürzer und legt ihren Fokus ganz klar auf die pädagogischen Ansätze. Von vielen als zusätzliche Strafe und Gängelung empfunden, wollen die Bewährungshelfer - und noch viel mehr die durch eine Betreuungsweisung gebundenen Sozialpädagogen - die Straftäter jedoch dabei unterstützen, ein glückliches, erfüllendes und vor allen Dingen straffreies Leben zu führen. Im Vorjahr haben die Brucker Jugendrichter 30 junge Straftäter zwischen 14 und 21 Jahren zu Sprint-Mitarbeitern geschickt, 2018 waren es 27. Da viele Betreuungsweisungen nicht mit dem Jahreswechsel enden, wurden insgesamt 51 Personen begleitet. 36 Fälle konnten erfolgreich abgeschlossen werden, das heißt, die Strafen sind abgegolten.

Seit 2014 organisiert Sprint regelmäßig ein Repair-Cafe, wie es sie in einigen Kommunen gibt. Diese Gelegenheiten, Kaputtes gegen eine kleine Spende unter fachmännischer Anleitung und mit dem notwendigen Werkzeug wieder zum Funktionieren zu bringen, entlasten nicht nur Wertstoffhöfe und schonen Ressourcen. Sie erweisen sich auch als Ort der Wissensvermittlung und Bewusstseinsbildung sowie als sozialer Treffpunkt. Im Brucker Repair-Cafe mit seinen 21 ehrenamtlichen Reparierenden wurden im Vorjahr 350 Gegenstände eingereicht und 216 repariert.

Ebenfalls ein noch recht junges Angebot von Sprint ist der Brucker Familienstart. Vor fünf Jahren in Kooperation mit dem Jobcenter auf den Weg gebracht, unterstützen die Sozialpädagogen von Sprint Eltern oder Alleinerziehende bei der Organisation ihres Lebens mit Arbeit, Kinderbetreuung, womöglich Wohnungssuche und vielfältigen anderen Problematiken. Im Vorjahr nahmen 39 Erwachsene zwischen 21 und 60 Jahren das Angebot in Anspruch, 87 Prozent davon waren Frauen. Häufigste Probleme neben Arbeitslosigkeit waren das Ausfüllen von Unterstützungsanträgen sowie die Organisation einer Kinderbetreuung.

Für Menschen jeden Alters mit einer psychischen Erkrankung bietet Sprint in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Oberbayern seit 2017 das Betreute Einzelwohnen an. Im Vorjahr unterstützten die Sprint-Mitarbeiter zwei Frauen und einen Mann dabei, ein eigenständiges Leben zu führen. Dabei geht es um alles von der Hygiene über Haushaltsfragen bis zu Behördengängen.

© SZ vom 01.09.2020
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